Dockville Spaß im Schlamm
Besichtigt hier ein Bauer seinen überschwemmten Acker? Ist ein Schweinezüchter auf dem Weg zu seinen Tieren? Nein, ein Besucher des Hamburger Dockville-Festivals stapft durch den teilweise knietiefen Schlamm, der...
...vermutlich den meisten Gästen nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Das dreitägige Festival...
...wurde kurzerhand in Mudville (mud = Schlamm) umgetauft. Weil in der Hamburger Innenstadt Gummistiefel als ausverkauft galten...
...schützten sich viele der knapp 20.000 Besucher mit eigenwilligen Schuhwerk-Kreationen, trugen...
...demonstrativ ihre Schlamm- und Party-Credibility zur Schau oder...
...versuchten, dem Unwetter mit Parolen zu trotzen. Die verfingen sogar...
...bei vielen, nach dem Motto: Jetzt ist auch egal.
Conrad Keely, Sänger und Mastermind der US-amerikanischen Indie-Rocker ...And You Will Know Us by the Trail of Dead trat mit seiner Band am dritten und letzten Tag als Headliner auf der großen Bühne auf.
Der Mann schreibt nicht nur Songs, sondern ist auch ein begeisterter Maler und Zeichner, der sich zum Beispiel von Manga-Kunst oder den Werken des US-Künstlers James Jean beeinflusst sieht. Keely verantwortet fast das gesamte Artwork der Band - so zum Beispiel das Motiv auf der Drum (im Hintergrund), oder...
...auch das Cover des aktuellen Albums "Tao Of The Dead".
Im Tourgepäck führt Keely immer sein Skizzenbuch mit sich und...
... sein - sehr musterschülerhaft! - beschriftetes Mäppchen mit Zeichenwerkzeug.
Wenn ihm langweilig ist, zeichnet er zum Beispiel den kanadischen Comedian Seth Rogen (nach der Fotovorlage aus dem Bord-Magazin einer Airline)...
...oder die legendäre Mata Hari, die als Spionin hingerichtet wurde und die Keely vor allem deswegen fasziniert, weil sie einige Jahre in Niederländisch-Ostindien (grob: das heutige Indonesien) verbracht hat. Keely selbst hat nach eigener Aussage thailändische Wurzeln (er und die Band nehmen es mit Informationen für die Öffentlichkeit allerdings ganz bewusst nicht so genau).
Da es auf dem Dockville gerade wieder einmal in Strömen goss und aus dem Fenster nur ein zugemüllter Quasi-Garten zu sehen war, nahm sich Keely dieses Poster im Interviewraum der Backstage-Area als Vorlage,...
...um exklusiv für SPIEGEL ONLINE eine kleine Zeichnung zum Festival anzufertigen. Rund 40 Minuten nahm er sich Zeit, um...
...bei voller Konzentration und einem "Häfe-Weissen" (es wurde dann doch nur ein normales Bier gereicht)...
...eine kleines Bild zu zeichnen - sozusagen als Trost und Dankeschön für alle Besucher - und vor allem als Ausblick für 2012. Nächstes Jahr wird's Wetter besser...
...und alles ganz bestimmt total romantisch und töfte - eben so wie hier auf Keelys Dockville-Werk. Die Hafen- und Industrieanlagen auf Poster und Zeichnung stehen übrigens direkt am Festivalgelände im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg, sahen allerdings die meiste Zeit an diesem Wochenende eher...
...unromantisch und etwas deprimierend aus: nämlich so. Immerhin, am Samstagabend, dem Sonnentag des Festivals, gab's...
...dann doch einen schönen Ausblick.