Mögliche Kelly-Nachfolger Vom Finanzminister bis zum Ex-Berater
Die Liste der Personen, die Donald Trump als US-Präsident bereits entlassen hat, ist lang. Seit dem Wochenende ist mit John Kelly noch jemand hinzugekommen: Er ist bereits der zweite Stabschef Trumps, der vorzeitig gehen muss. Das Verhältnis zwischen dem US-Präsidenten und Kelly hatte sich schon länger verschlechtert. Laut dem Buch "Fear: Trump in The White Haus" vom Journalisten Bob Woodward, das im September erschien, soll Kelly den Präsidenten als "Idioten" bezeichnet haben - und seinen Posten "als schlimmsten Job", den er je hatte. Jetzt ist er ihn los. Und Trump sucht einen neuen Stabschef.
Zunächst kündigte Trump an, dass er schon bald einen Nachfolger präsentieren wolle, innerhalb von "ein oder zwei Tagen". Nun aber deutet sich an, dass seine Suche etwas langwieriger werden könnte. Denn ein Mann, der wohl Trumps Wunschkandidat war, hat angekündigt, das Weiße Haus bald selbst zu verlassen.
Nick Ayers ist aktuell noch der Stabschef von Vizepräsident Mike Pence. Es heißt, dass er und Trump bereits seit Monaten über einen möglichen Aufstieg Ayers' zum Stabschef des Präsidenten sprächen. Allerdings hat der Topkandidat nun selbst abgesagt - aus familiären Gründen, so heißt es. Er will offenbar zurück in seinen Heimatstaat Georgia ziehen. Angeblich scheiterten die Verhandlungen daran, dass Trump Ayers für zwei Jahre binden wollte, dieser aber nur für eine kurzzeitige Übergangslösung bereit war.
Nun geht die Suche nach einem Nachfolger also weiter - und die Zeit drängt. Kellys letzter Arbeitstag wird der 2. Januar sein. "Ich bin dabei, Bewerbungsgespräche mit einigen wirklich großartigen Leute zu führen", sagte Trump. Er werde "bald" eine Entscheidung treffen.
Einer der Kandidaten für die Nachfolge soll nun Finanzminister Steve Mnuchin sein. Eine Person, die Mnuchin nahesteht, sagte der "New York Times" allerdings, der Finanzminister sei mit seiner aktuellen Position glücklich. Berichte der "Washington Post" klingen ähnlich. Ein hochrangiger Regierungsvertreter der Regierung sagte der Zeitung, Mnuchin strebe den Job nicht gerade an. Demnach könnte er seine Meinung aber ändern, sollte Trump ihn bitten.
Die Gefühlslage bei Mick Mulvaney sieht offenbar ähnlich aus wie bei Mnuchin. Auch er sei aktuell nicht auf einen Wechsel auf den Posten des Stabschefs aus. Das erfuhren sowohl die "New York Times" als auch die "Washington Post" von namentlich nicht genannten Quellen. Mulvaney ist aktuell Direktor des Amtes für Verwaltung und Haushaltswesen und wäre laut der NYT eher daran interessiert, Handels- oder Finanzminister zu werden.
Laut Kreisen aus dem Weißen Haus scheint auch Mark Meadows ein Kandidat für Trump zu sein. Er sitzt dem Freedom Caucus im Repräsentantenhaus vor. Das ist eine Vereinigung innerhalb der Republikanischen Partei, die aus besonders konservativen Abgeordneten besteht. Auch Meadows selbst gilt als erzkonservativ.
Matthew Whitaker ist ein weiterer Name, der aktuell als möglicher neuer Stabschef genannt wird. Der geschäftsführende Justizminister folgte auf Jeff Sessions, als dessen Stabschef Whitaker zuvor gedient hatte. Sessions musste seinen Posten im November verlassen, weil Trump mit ihm nicht zufrieden war. Sollte sich der US-Präsident nun für Whitaker als Stabschef entscheiden, würde dieser also zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten für jemanden aufrücken, den Trump entlassen hat.
Gerade durch den anhaltenden Streit mit China hat Robert Lighthizer aktuell eine besonders wichtige Funktion in Trumps Team: Er ist Handelsbeauftragter und gilt als handelspolitischer Hardliner sowie als scharfer Kritiker Chinas. Nun soll er ebenfalls eine Option für die Kelly-Nachfolge sein. In einem Interview mit dem Netzwerk CBS sagte Lightizer allerdings, er habe mit niemandem im Weißen Haus über den Job gesprochen. Er sei komplett auf seine aktuelle Arbeit konzentriert.
David Bossie war einst stellvertretender Wahlkampfmanager Trumps. Als Vertrauter von Steve Bannon arbeitete er anschließend auch im Beraterstab des Präsidenten. Letztlich kehrte er zurück zur ultrakonservativen Organisation "Citizens United", dort ist er Vorsitzender. Gemeinsam mit dem ehemaligen Wahlkampfmanager Corey Lewandowski hat er ein sehr wohlmeinendes Buch über Trump geschrieben. Und jetzt wird auch er als neuer Stabschef gehandelt.