Doppelagenten im Kalten Krieg - DER SPIEGEL
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Doppelagenten im Kalten Krieg Getäuschte Täuscher

Der Skandal erschütterte das Königreich: Anfang der fünfziger Jahre flog in Großbritannien ein Team von Cambridge-Absolventen auf, die als erfolgreiche Diplomaten für den KGB spitzelten. Der britische Geheimdienst war blamiert, der Ruf seiner Agenten als Stümper gefestigt. Doch nun soll alles ganz anders gewesen sein. Von Peter Münder
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Kim-Philby-Auktion: Bei einer Auktion wurden am 19. Juli 1994 in London unter anderem zahlreiche Fotos des legendären Spions Kim Philby versteigert.

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Vier Mitglieder der "Cambridge Five": Anthony Blunt (o.l.), Donald Duart MacLean (o.r.), Guy Burgess (u.l.) und Kim Philby (u.r.). Die "Cambridge Five" hatten in den vierziger und fünfziger Jahren Informationen des britischen Geheimdienstes an die Sowjetunion weitergegeben.

Foto: Getty Images
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Kim Philby: Der Verbindungsmann der Briten zu den US-Geheimdiensten 1955 bei einer Pressekonferenz. Philby bildete zusammen mit Donald MacLean und Guy Burgess den harten Kern der "Cambridge Five", der fünf Doppelagenten, die für Moskau arbeiteten.

Foto: Getty Images
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Melinda MacLean: MacLeans Ehefrau verlässt am 28. Juni 1951 mit ihrer neugeborenen Tochter sowie ihrer Mutter - beide versteckt unter der Decke - ein Londoner Krankenhaus. Ihr Mann, der britische Geheimagent Donald MacLean, hatte sich gut einen Monat zuvor in die Sowjetunion abgesetzt, da seine Spionagetätigkeiten für Moskau enttarnt wurden.

Foto: Getty Images
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"Deceiving the Deceivers": Das Buch von S. J. Hamrick rüttelt am Mythos der "Cambridge Five" und insbesondere der Agentenlegende Philby. Laut der zentralen These des Autors hatte die britische Abwehr die Doppelagenten nicht erst 1951, sondern bereits 1949 durchschaut und in der Folge mit Falschinformationen versorgt.

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Phillip Knightley: Der Journalist Phillip Knightley (hier in einer Aufnahme von 1998) ist von der These Hamricks "nicht restlos überzeugt, weil es dafür keine absolut stichhaltigen Beweise gibt". Knightley befragte Kim Philby selbst eine ganze Woche lang kurz vor dessen Tod 1988 in Moskau.

Foto: Peter Münder
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"Persilschein" für Philby: Kim Philby am 9. November 1955 bei einer Pressekonferenz, nachdem ihm der britische Außenminister Harold McMillan öffentlich einen "Persilschein" ausgestellt hatte. Dem Doppelagenten war es zunächst gelungen, den Verdacht auf Spionagetätigkeiten zu zerstreuen.

Foto: Harold Clements/ Getty Images
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"My Silent War": Als Kim Philby im Januar 1963 enttarnt wurde, setzte er sich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Moskau ab. Dort schrieb er seine Memoiren: "My Silent War - The Autobiography of Kim Philby" (1968).

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"Atomspion" Fuchs: Klaus Fuchs (l.) am 23. Juni 1959 auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld - nach seiner Entlassung aus der Haft - mit seinem Neffen Klaus Kittowski. Der Kernphysiker hatte die Entwicklung der britischen Atombombe an die Sowjetunion verraten.

Foto: AP
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Donald MacLean: Der britische Spion Donald MacLean sitzt während seiner Tätigkeit als Erster Sekretär der britischen Botschaft in Washington am 8. Juni 1951 auf dem Schreibtisch des britischen Ministers John Balfour. Links sitzt der Zweite Sekretär N. J. Henderson, hinten steht W. D. Allen, der Leiter der Botschaftskanzlei.

Foto: Getty Images
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Sir Anthony Blunt: Der britische Kunsthistoriker und Doppelagent in Diensten des britischen Geheimdienstes MI5 und des sowjetischen NKWD bei einer Pressekonferenz am 20. November 1979. "Es war einfach ein rasend spannendes Räuber-und Gendarm-Spiel", so Anthony Blunt auf die Frage, weshalb ausgerechnet er für den KGB spionierte.

Foto: Getty Images
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Unterm Hammer: Bei Sotheby's wurden am 19. Juli 1994 bei einer Kim-Philby-Auktion Bücher, Fotos und andere persönliche Gegenstände des ehemaligen Spions versteigert.

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Exklusive Jagdtrophäen: In Phillip Knightleys Arbeitszimmer hängen diverse Philby-Buchcover, Photos seiner Moskauer Treffen mit Philby im Januar 1988 und seine gerahmten Auszeichnungen als "Journalist des Jahres" an den Wänden. Knightley war der erste, der nach Philbys überstürzter Flucht aus Beirut 1963 dessen KGB-Aktivitäten untersuchte und die Skandalgeschichte der Maulwürfe enthüllte.

Foto: Peter Münder
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SPIEGEL-Titel 5/1968: "Moskaus größter Spion - Kim Philby" titelte der SPIEGEL am 29. Januar 1968.

Foto: DER SPIEGEL
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"Venona"-Geheimdokumente: Das "Venona"-Projekt war ein Gemeinschaftsprojekt der USA und des britischen Geheimdienstes MI5 zur Entschlüsselung sowjetischer Geheimnachrichten. Mithilfe des gemeinsam entwickelten Verfahrens konnten in den Jahren 1943 bis 1980 tausende russische Telegramme dekodiert werden.

Der amerikanische Geheimdienstexperte S. J. Hamrick sichtete viele dieser Dokumente und zog aus dieser Puzzlearbeit Schlüsse, die eine ganz neue Interpretation der Geschichte um die "Cambridge Five" nahelegen.

Die Aufnahme zeigt John Earle Haynes, der auf der International Spy Conference am 1. September 2005 in Raleigh (USA) spricht.

Foto: AP
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Castro nach der Schweinebucht-Invasion: Der kubanische Präsident Fidel Castro trifft im April 1961 mit Zigarre bei einem öffentlichen Strafprozess gegen die gefangenen Mitglieder der missglückten Invasion in der Schweinbucht (sitzend) ein. Der militärische Angriff der USA auf Kuba wurde am 17. April 1961 mit Unterstützung der CIA von Exilkubanern als Maßnahme gegen die Revolution unter Fidel Castro durchgeführt. Die Invasion scheiterte jedoch und stellte für die USA nicht nur ein militärisches, sondern vor allem auch ein politisches Debakel dar. Der Doppelagent Kim Philby wurde jahrzehntelang für fast alle britischen Geheimdienst-Desaster verantwortlich gemacht. Phillip Knightley ist der Ansicht, dass der Spion maßlos überschätzt wurde und MI6 und CIA selber zum Teil laienhaft vorging - wie auch im Falle der Invasion in der Schweinebucht.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?