Drehort Sperrzone Nicht anlehnen, nichts anfassen
Marcus Schwenzel hat mit seinem Team für den Kurzfilm "Seven Days of Winter" einen Tag lang in der Sperrzone um Tschernobyl gedreht: Die verstrahlte Zone hat sich in einen Naturschutzpark verwandelt.
Der Film erzählt die Geschichte des zehnjährigen Andrej, der 1992 in die Sperrzone um Tschernobyl geschickt wird, um zu plündern.
Man kann in der Zone geführte Bustouren unternehmen, es kostet ein paar Euro pro Person. Viele Teilnehmer sind junge Leute, die Fans des Computerspiels "Stalker" sind. Sie suchen den Kick, sich wie die letzten Menschen auf Erden zu fühlen.
In den Straßen von Pripjat, eine menschenleere Stadt nahe dem Reaktor, deren Gebäude verfallen sind und in der vor der Katastrophe 40.000 Menschen lebten
Die Stadt erinnert an einen Friedhof.
Nach der Katastrophe wurde sie in kürzester Zeit ausgeplündert.
Kühlschränke, Fernseher, Automotoren - alles, was Wert hatte, wurde herausgeschafft.
Niemand weiß, wo die Gegenstände heute stehen und ihre neuen Besitzer verstrahlen.
Tiere streunen herum, wollen gestreichelt werden: Tu das bloß nicht, warte, bis sie gehen!
Die Zone ist ein umgekehrter Schöpfungsort. Alles, was dort lebt, trägt den Tod in sich.
Bäume, Blätter, Gras werden zu Feinden; Gefahren lauern auf Schritt und Tritt.
Was keiner mitgenommen hat: Puppen, Kuscheltiere, Schulhefte und Bücher
Sie erinnern schmerzhaft an eine Zeit vor der Katastrophe.
Andrej weiß vieles, doch er begreift nicht, dass es dieser Ort nicht gut mit ihm meint.
Regisseur Marcus Schwenzel: "Ich bilde mir ein, dass man die Radioaktivität spüren kann. Der Kopf fühlt sich leer und wattig an. Es herrscht eine Art emotionales Vakuum."
Mitglieder des Teams von "Seven Years of Winter": Crewmitglieder spendeten Samen vor der Abreise in die kontaminierte Zone.