Drogenkarriere Der Kunst-Stoff
Elvis Presley und Dolly Parton: Rock'n'Roll-Ikone Elvis Presley hielt sich an legale Wirkstoffe und erzeugte die erwünschten Ausnahmezustände durch gleich massenhaften Verzehr. Sein Arzt Dr. Nichopoulos verschrieb Presley allein zwischen 1975 und 1977 insgesamt knapp 5500 Mal Amphetamine. 1970 hatte der King US-Präsident Richard Nixon gebeten, ihn zum Undercover-Drogenfahnder zu ernennen und von Nixon tasächlich den gewünschten Spezialausweis des "Federal Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs" erhalten - was dem schwer Abhängigen praktischerweise das Recht gab, jedwede verbotene oder verschreibungspflichtige Droge bei sich zu führen. Das Foto zeigt Elvis 1976 gemeinsam mit der Schauspielerin Dolly Parton.
"Der Zauberer von Oz": Das Filmplakat des 1939 angelaufenen Kinohits "The Wizard Of Oz" ("Der Zauberer von Oz") zeigt (v.li.) die Schauspieler Bert Lahr, Judy Garland, Ray Bolger und Jack Haley. Die Besetzung der kleinen "Dorothy" mit Judy Garland galt eher als Verlegenheitslösung, da die damals 17-Jährige zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits deutlich weibliche Formen entwickelt hatte. Um die Pubertät Garlands zu stoppen, wurde die Schauspielerin mit Amphetamin behandelt.
Judy Garland: Das Arzt des Filmstudios Metro-Goldwyn-Meyer verabreichte der pubertierenden Schauspielerin Judy Garland in großen Mengen Benzedrine, um das Wachstum ihres Busens zu verlangsamen. Ihr Erscheinungsbild sollte für ihre Hauptrolle in dem Hollywoosd-Musical "Wizard of Oz" kindlich bleiben. Die sperrangelweit aufgerissenen Augen, mit denen sie hie mit Filmpartner Mickey Rooney in die Kameras blickt, waren eine Nebenwirkung des Amphetamins - und wurden zu Garlands Markenzeichen.
Stuka-Angriff: Um die deutschen Soldaten wachzuhalten, versorgte sie die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg mit Pervitin, einem Metamphetamin. Auch andere kriegführenden Nationen, voran Briten und Japaner, fütterten ihre Kämpfer mit dem synthetischen Wachmacher. Amphetamin schürt zudem die Sehnsucht, immer weiter zu gehen und Extremzustände auszuloten - ideal etwa für Stuka-Piloten, die im fast senkrechten Sturzflug feindliche Ziele angreifen sollten. Das Foto zeigt einen Sturszkampfbomber vom Typ Junkers Ju 87 beim Ausklinken einer schweren SC-500-Bombe auf polnische Stellungen im September 1939.
Der Krieg macht kurze Pause: Der frustrierende Dschungelkrieg ohne klare Fronten und die leichte Verfügbarkeit von Drogen gingen in Vietnam eine ungute Allianz ein. US-amerikanische Berater und südvietnamesische Truppen haben sich auf dieser Aufnahmen von 1970 vor einem Panzer versammelt.
Zerknirschter Jan Ullrich: Dem deutschen Radprofi Jan Ullrich wurde 2002 bei einem unangemeldeten Dopingtest die Einnahme von Amphetaminen nachgewiesen. Ullrich gestand, bei einem Disco-Besuch am Tag vor der Kontrolle "zwei Pillen", offenbar Ecstasy, genommen zu haben, bestritt aber jede Dopingabsicht. Dennoch kündigte Sponsor Adidas seinem Star.
Pop-Art-Star Warhol: "Speed kills" warnten die Hippies Ende der sechziger Jahre, doch viele Künstler wie Andy Warhol zeigten sich davon unbeeindruckt. Regelmäßig putschte sich Warhol mit Amphetaminen auf - und thematisierte die manische Phase im Rückblick wie folgt: "Ich konnte nie feststellen, ob in den Sechzigern mehr geschah, weil es mehr Wachzeit gab, da so viele Leute Amphetamin nahmen, oder ob die Leute anfingen, Amphetamine zu nehmen, weil so viel geschah und sie mehr Wachzeit brauchten." Das Foto zeigt den Künstler im August 1971.
Väter des Punk: Dem schüchternen Teenager John Lydon (r.) half Amphetamin nicht nur gegen seine paranoiden Anwandlung und das quälende Gefühl, zu langsam zu sein. Es verwandelte ihn auch in eines der wildesten Wesen, das die Popkultur gesehen hat - den Punkrocker Johnny Rotten. Das Foto zeigt Rotten gemeinsam mit Sex-Pistols-Bassist Sid Vicious bei einem Konzert in San Francisco im Jahr 1978.
Judy Garland und Mickey Rooney: Die Jung-Schauspielerin Judy Garland bekam vom Arzt Benzedrin verschrieben, um das Einsetzen der Pubertät hinauszuzögern - nur so konnte sie weiter als die kindliche "Dorothy" in dem Filmmusical "Wizard of Oz" brillieren. Bis in die späten achtziger Jahre war Amphetamin in Form von Benzedrin auch in Deutschland relativ leicht über den Arzt zu bekommen, erst ab 1988 fiel es unter das Betäubungsmittelgesetz.
Kinderdroge Ritalin: Kinder mit der Wahrnehmungsstörung ADHS, auch als "Zappelphilipp-Syndrom" bezeichnet, werden häufig mit dem Amphetamin Ritalin behandelt. Allein in den USA nehmen Schätzungen zufolge zwischen sechs und acht Millionen Kinder täglich dieses Medikament ein, dessen zu hohe Dosierung Psychosen auslösen kann.
Malen nach Andy: Andy Warhol wollte mit Amphetamin zuerst nur sein Übergewicht bekämpfen, doch als unerwartete Nebenwirkung stellte sich eine künstlerische Umorientierung ein: Warhols Abschied vom handgemalten Bild und seine Hinwendung zum maschinell hergestellten Siebdruck. Nachdem er zu einem stärkeren Appetitzügeler wechselte, wollte er schon bald noch schneller Bilder am laufenden Band herstellen und begann, Filme zu drehen. Der Erste handelte von dem menschlichen Grundbedürfnis, das sich der Pop-Art-Star nun immer seltener gönnte: "Sleep" war Warhols erster Underground-Experimentalfilm. Das Foto zeigt den Künstler, wie er den Oberschenkel der Schauspielerin Leigh Taylor-Young verziert.
Drogensumpf Goldenes Dreieck: Im "Goldenen Dreieck", dem für illegale Drogenlabore berüchtigten Grenzgebiet der Staaten Laos, Thailand und Myanmar, bereiten Shan-Rebellen aus Myanmar konfiszierte Amphetamin-Pillen zur Vernichtung vor.
Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre: Jean Paul Sartre schrieb grundsätzlich keine Literatur unter Einfluss von Amphetamin, da er meinte, die Wahl der Worte erfordere einen nüchternen Autor. Schrieb der Existenzialist hingegen theoretische Texte, nahm er am Morgen den Inhalt eines ganzen Röhrchens des anregenden Mittels - und bald schienen sich seine Gedanken wie von selbst in Wörter zu verwandeln. Das Foto zeigt den Schriftsteller und Philosophen gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Simone de Beauvoir im Jahr 1977 bei einem gewöhnlichen Aperitif.
Kampf dem Rausch: Amphetamine sind rund um die Welt zu einem Massenprodukt geworden - hergestellt bis heute nach der 1937 in Deutschland erfundenen "Nazi method", bei der Abfälle der Großchemie als kostengünstige Grundlage für die Drogenproduktion dienen. Der "War on drugs" der Regierungen - hier 2003 in Thailand - ist angesichts der Vielzahl und Flexibilität der Drogenküchen wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel.