Duell: Mensch gegen Computer - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Duelle Mensch gegen Maschine

Mensch gegen Maschine: Wer liegt in welcher Disziplinen vorne? Reisen Sie mit einestages durch die Zeit und erleben Sie die Meilensteine im Kampf zwischen Fleisch und Metall.
1 / 13

Runde 1: Vorschlaghammer für die Menschheit

Disziplin: Tunnelbau / Jahr: 1872

Ob es sich tatsächlich so zugetragen hat, ist bis heute umstritten. Doch der Legende nach begann der Kampf Mensch gegen Maschine 1872 mitten in der Pampa des US-Bundesstaats West Virgina. Damals schuftete John Henry als Bahnarbeiter an einem Tunnel für eine neue Strecke durch den Bundesstaat. Henrys Aufgabe war es, mit einem Vorschlaghammer Löcher in den Stein zu treiben, diese mit Sprengstoff zu füllen und sich so - Stück für Stück - einen Weg durch den Felsbrocken zu bahnen. Irgendwann begannen Dampfbohrer diesen Job zu übernehmen, Henry trat einen Wettkampf gegen die Maschine an, besiegte sie - und soll danach tot umgefallen sein.

Bis heute erinnern an dem Tunnel in West Virginia eine Statue und eine Plakette an Henrys heldenhaften Einsatz für die Menschheit.

Sieger: Mensch / Maschine 0 : Mensch 1

Foto:

Ken Thomas

2 / 13

Runde 2: Ich verstehe nur Steinbruch

Disziplin: Mondwissen / Jahr: 1971

In den sechziger Jahren kamen in den USA erste Computerprogramme auf den Markt, die ein umfangreiches Fachwissen abrufen konnten. Sie wurden "Question answering machines" genannt. Anfang der Siebziger verzauberte schließlich das Frage-Antwort-Programm "Lunar" einen ganzen Mondforscherkongress mit verständlichen Auskünften über das Gestein, das die "Apollo"-Astronauten wenige Jahre zuvor von dem Erdtrabanten mitgebracht hatten. Ein Quiz zur Mond-Geologie hätte die Maschine spielend gewonnen - aber schon nach Neil Armstrong hätte man sie nicht mehr fragen dürfen. Denn sie war eher ein Inseltalent als allgemein gebildet. Punkt für beide.

Sieger: beide / Maschine 1 : Mensch 2

Foto: NASA
3 / 13

Runde 3: Besser als der Champ

Disziplin: Backgammon / Jahr: 1979


Über Jahre hatte der deutsch-amerikanische Programmierer und ehemalige Fernschachweltmeister Hans Berliner zusehen müssen, wie seine Schöpfung jedes Spiel verlor. Die schwächelnde Maschine war sein Backgammon-Computer BKG. Vor allem nach dem Spielerwechsel hatte das Programm Probleme.

In der Version 9.8 behob Berliner schließlich den Fehler. Statt nur noch zu entscheiden, ob etwas richtig oder falsch war, bezog das Programm nun Annäherungen wie "ein bisschen" oder "stark" ein. Im Sommer 1979 trat der Computer gegen den damaligen Backgammon-Champ Luigi Villa an - und besiegte den Weltmeister mit 7:1. Es war das erste Mal, dass ein Computerprogramm einen Weltmeister in irgendeiner Disziplin schlagen konnte. Es sollte nicht das letzte Mal sein.

Sieger: Maschine / Maschine 2 : Mensch 2

4 / 13

Runde 4: Der beste Freund des Weltmeisters

Disziplin: Dame / Jahr: 1992


1992 war der Dame-Computer Chinook bereits so stark, dass er es mit dem damaligen Dame-Weltmeister Marion Tinsley aufnahm. Doch auch wenn Tinsley - nach 33 Untentschieden - das Match schließlich mit 4:2 für sich entscheiden konnte, fand er Gefallen an der Spielkunst seines digitalen Gegenübers. schließlich waren die Siege des Computerprogramms erst die sechste und siebte Niederlage für Tinsley seit 1950.

1994 gab es eine Revanche, die Tinsley aus gesundheitlichen Gründen nach sechs Unentschieden aufgeben musste. Sein Ersatzmann unterlag schließlich dem Computer.

Sieger: Maschine / Maschine 3 : Mensch 2

Foto: Jonathan Schaeffer/University of Alberta
5 / 13

Runde 5: "Eine neue Form der Intelligenz"

Jahr: 1997 / Disziplin: Schach


Nachdem Backgammon und Dame den Anfang gemacht hatten, war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Computer auch im Schach, der Königsdisziplin aller Denkspiele, seinen menschlichen Meister besiegen würde.

1997 war es schließlich so weit. IBMs damaliger Supercomputer "Deep Blue" gewann gegen die russische Schachlegende und den damaligen WM-Titelverteidiger Garri Kasparow. "Ich konnte eine neue Form der Intelligenz am Tisch fühlen, ich konnte sie riechen", schrieb Kasparow später im "Time"-Magazin.

Sieger: Maschine / Maschine 4 : Mensch 2

Foto: George Widman / AP
6 / 13

Runde 6: Der Eckige muss an das Runde

Jahr: 1997 / Disziplin: Fußball


Die Vision ist klar formuliert: Bis 2050 soll ein Team autonomer humanoider Fußballroboter gegen den amtierenden menschlichen Fußball-Weltmeister gewinnen. So lautet das offizielle Ziel des Robot Soccer World Cup, ein Zusammenschluss interessierter Robotikexperten, der seit 1997 jährlich ein Roboter-Fußballturnier austrägt. Momentan spielen die Maschinen allerdings hauptsächlich gegeneinander. Bei ein paar Showspielchen gegen ihre Schöpfer  verlieren die Roboter haushoch - noch.

Sieger: Mensch / Maschine 4 : Mensch 3

Foto: Malte Christians/ Bongarts/Getty Images
7 / 13

Runde 7: Der fleischgewordene Taschenrechner

Disziplin: Kopfrechnen / Jahr: 2001


15+15+15+15+15+15+15+15+15+15+15+15+15+15+15+15…?

Na, schon nicht mehr mitgekommen? Scott Flansburg schon. Der Amerikaner gilt laut Guinness-Buch der Rekorde als der schnellste Kopfrechner der Welt. Flansburg hat die Fähigkeit, innerhalb von 15 Sekunden so schnell dieselbe Zahl immer wieder zu addieren, dass kein Mensch mit einem Taschenrechner je hinterherkäme. Damit sticht er zwar in erster Linie die taschenrechnerbedienende menschliche Spezies aus, weil er so aber irgendwie auch die Maschine überlistet hat, gibt es für beide einen Punkt.

Sieger: beide / Maschine 5 : Mensch 4

Foto: Scott Flansburg - The Human Calculator
8 / 13

Runde 9: Schneller, aber nicht der schnellste

Disziplin: Fußballfreistoß / Jahr: 2010


Schneller als Cristiano Ronaldo schieße seine Supermaschine angeblich, prahlte Charles Postles, Chef von BP Castrol in Japan, noch im Januar 2010 in die Fernsehkameras . Da hatte ein Fußballschuss-Roboter des Mineralölkonzerns gerade zu PR-Zwecken mit voller Wucht auf ein Tor in Tokio gezimmert. Ergebnis: 206 Kilometer pro Stunde. Allerdings hatte Postles seine Rekordrechnung damals ohne Herthas Mittelfeldmotor Ronny Heberson gemacht. Der Brasilianer feuerte im Herbst 2006 laut "Guardian" einen Freistoß mit 210,9 Kilometern pro Stunde  ins Netz.

Sieger: Mensch / Maschine 6 : Mensch 5

Foto: FRANCK FIFE/ AFP
9 / 13

Runde 10: Niederlage durch falsche Programmierung

Disziplin: Bowling / Jahr: 2010


Im August 2010 spielte "Earl", der Enhanced Automated Robotic Launcher, noch die perfekte Bowling-Partie - und sahnte im Training das Maximum von 300 Punkten ab. Als der Roboter nur wenige Monate später aber gegen die Bowler-Legende Chris Barnes antrat, verlor er - und zwar haushoch mit 50 Punkten Rückstand, ein Programmierfehler wie sich später herausstellte. Auf eine Revanche wollte sich der menschliche Sieger trotzdem nicht einlassen. Vielleicht auch besser so.

Sieger: Mensch / Maschine 6 : Mensch 6

Foto: USBC
10 / 13

Runde 11: Der Roboter-Redakteur

Disziplin: Sportberichterstattung / Jahr: 2011


Als die US-Sportjournalistin Emma Carmichael nach einem College-Baseballspiel auf die Website der George Washington University  ging, traute sie ihren Augen kaum: Das Besondere an dem Spiel war, dass der junge Werfer der University of Virginia ein perfektes Match abgeliefert hatte. Diese sportliche Seltenheit erwähnte der Bericht auf der Webseite allerdings erst nach dem zweiten Absatz - ein journalistisches No-Go. Carmichael dachte: Bestimmt hatte die Uni den Text von einer Software generieren lassen, was in den USA bei Sportberichten auf kleinen Nachrichtenseiten nicht unüblich ist. Doch tatsächlich hatte ein Mensch - und keine Maschine - sich den Patzer erlaubt. Davon herausgefordert fütterte Narrative Science, ein großer Hersteller für Nachrichten-Software, das Programm mit den Daten des Spiels - und siehe da: Die Maschine schrieb den besseren Text und erwähnte den Erfolgswerfer gleich im ersten Satz.

Sieger: Maschine / Maschine 7 : Mensch 6

Foto: gwsports.com
11 / 13

Runde 12: Watson weiß es!

Disziplin: Quizshow / Jahr: 2011


Als IBMs Supercomputer Watson in der US-Quizshow "Jeopardy" gegen zwei menschliche Champions antrat, war seine Mission von Anfang an klar: "Ich bin ein System, das komplexe Fragen beantwortet", stellte sich Watson mit einer freundlichen, männlichen Baritonstimme vor. Und so standen am Ende 77.174 Dollar auf dem Kontostand des Computers, bei seinen menschlichen Kontrahenten leuchteten dagegen nur 24.000 Dollar und 21.600 Dollar auf.

Schwach war der Superrechner allerdings beim Themenkomplex Europäische Union. So wusste er zum Beispiel nicht, dass die frühere jugoslawische Republik Slowenien zur EU gehört und was das Schengen-Abkommen ist. Gereicht hat es dennoch:

Sieger: Maschine / Maschine 8 : Mensch 6

Foto: Seth Wenig/ AP
12 / 13

Runde 13: Einen Schritt voraus

Disziplin: 100-Meter-Sprint / Jahr: 2012


Anfangs sah es gar nicht so schlecht aus für Mark Lewis-Francis. Genauer gesagt: für vier Sekunden. So lange konnte der Goldmedaillensieger von 2004 nämlich tatsächlich schneller als ein Auto laufen. "Das hätte ich nie gedacht", wunderte sich der Läufer später über sich selbst. Doch genützt hat der Anfangsvorsprung am Ende nichts: Der BMW zog im 100-Meter-Sprint schließlich an dem britischen Staffelsprinter vorbei und fuhr zweieinhalb Sekunden vor Lewis-Francis ins Ziel.

Sieger: Maschine / Maschine 9 : Mensch 6

Foto: Tom Shaw/ Getty Images for BMW
13 / 13

Runde 14: Mensch gegen PR-Maschine

Disziplin: Tischtennis / Jahr 2014


Schon nach ein paar Sekunden führt der Greifarm 1:0. Wenige weitere Schläge später steht es 6:0 für die Maschine. Doch der deutsche Tischtennisprofi Timo Boll kämpft, dreht das Match und gewinnt gegen den Roboter mit dem Tischtennisschläger mit 9:11.

An diesem spektakulären Video ist alles Inszenierung. Ein Werbefilm der Roboter-Firma Kuka aus Augsburg, um seine neue Fabrikeröffnung in Shanghai ins rechte Licht zu rücken. In die Nachrichten hat es der PR-Coup trotzdem geschafft. Schäm dich, Mensch! Einen Punkt Abzug.

Verlierer: Mensch

Endergebnis: Maschine 9 : Mensch 5

Foto: Kuka
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?