Duke Kahanamoku Halb Mensch, halb Fisch
Nationalheiliger: Der junge Duke Kahanamoku (im Vordergrund) bei einer der beliebtesten sportlichen Disziplinen auf Hawaii, der Surf-Meisterschaft, bei der die Teilnehmer auf ihrem Brett liegend gegeneinander antreten. Seriensieger Duke schuf auch damit die Grundlage für seine späteren Erfolge als Schwimmer von internationalem Rang: Weltrekordler, Olympiasieger, Medaillensammler - und König der Wellen sowieso.
Mit Badenixen: Was ein echter Surfgott ist, der hat auch Schlag bei den Frauen. 1915 besuchte der Duke den Los Angeles Athletic Club und wurde gleich prächtig eingerahmt. Der attraktive Schwimm-Olympiasieger galt spätestens seit seinem Olympia-Auftritt 1912 in Stockholm als Frauenschwarm. Zumal er nicht kamerascheu war. In Stockholm verhaftete ihn einmal sogar die Leibgarde des schwedischen Königs, weil Kahanamoku mit seiner Kamera der Ehrenloge zu nahe gekommen war. Doch der König bat den Schwimmer aus Hawaii zum gemeinsamen Erinnerungsfoto herein.
Olympia-Training im Vorfeld der Olympischen Spiele von 1920 in Antwerpen. Im Finale der 100 Meter Freistil schlug Kahanamoku bei 1:01,04 Minuten an und gewann Gold vor seinen Landsleuten Pia Kealoha und William Harris. Auch über die 4x200 Meter Freistil reichte es zur Goldmedaille. Duke Kahanamoku war endgültig zur Schwimmikone geworden.
Meisterhaft: "Wenn man mit seinem Brett wie eine Rakete gesteuert durch die Wellen rauscht, dann ist das ein Gefühl der absoluten Freiheit", beschrieb er einmal seine Faszination für das Wellenreiten. Keiner beherrschte es zu seiner Zeit so perfekt wie Kahanamoku, der zur Zeit dieses Fotos (1921) längst berühmt war. Es erschien in der Zeitschrift "Berliner Illustrierte".
Spektakuläre Tricks zeigte "The Big Kahuna", so einer seiner Spitznamen, immer gern auf dem Brett, hier 1921 vor Honolulu - im Kopfstand surfen, ja warum denn nicht? Ein Jahr zuvor hatte sich auch Edward VIII., Prince of Wales, beim Lehrmeister Kahanamoku Übungsstunden im Wasser geben lassen...
...und sagte nach aufregenden Stunden im Ozean: "Ich möchte hier nie wieder weg. Danke für ein Stückchen Freiheit." Edward VIII. galt als Frohnatur der biederen englischen Königsfamilie und trat 1936 tatsächlich die Thronfolge an, allerdings...
...für nicht mal ein Jahr - dann dankte er wieder ab. Im Dezember 1936 verzichtete Edward VIII. offiziell auf den Thron, um die geschiedene bürgerliche Amerikanerin Wallis Simpson zu heiraten. Das royale Skandalpaar stürzte die Monarchie in eine tiefe Krise, aber das ist eine andere Geschichte. Vielleicht hätte der lebenshungrige Prinz auf Hawaii bleiben sollen.
Glitzerwelt von Hollywood: 1922 versuchte sich Duke Kahanamoku beim Film. Hier unterrichtet er die Schauspielerin Lura Anson in der neuartigen Disziplin des Tischschwimmens, aufmerksam begutachtet von Regisseur Sam Wood (Mitte) und Paramount-Star Conrad Nagel. Anson hatte die professionelle Hilfe durchaus nötig: In einer spektakulären Szene des Films "The Impossible Mrs. Bellow" stürzte sie sich zusammen mit 100 anderen Schwimmerinnen ins Wasser. Kahanamoku stand 1925 erstmals selbst vor der Kamera, "Adventure" wurde der erste von insgesamt 19 Filmen. Zum großen Durchbruch in Hollywood reichte es allerdings nicht.
Von Tarzan überholt: 1924 bei Olympia in Paris musste sich Duke Kahanamoku über 100 Meter Freistil nur einem Mann geschlagen geben - Jonny Peter Weissmüller, dem späteren "Tarzan"-Filmhelden. Die beiden Schwimmer wurden bei den Spielen zu guten Freunden und trafen sich in den folgenden Jahren immer wieder bei Schwimm- oder Charity-Veranstaltungen.
Am Strand von Waikiki: Duke Kahanamoku 1925 mit den Schwimmerinnen Charlotte Boyle (links) und Ethelda Bleibtrey bei den Vorbereitungen zu den nationalen Meisterschaften über die 100 Yards. Die Badeanzüge sitzen schon einmal meisterhaft.
Gleich drei Wahrzeichen von Hawaii auf einem Bild: Der - erstens - bekannteste Sohn der Insel reitet eine Welle am - zweitens - legendären Strand von Waikiki. Im Hintergrund grüßt - drittens - der 232 Meter hohe Diamond Head, Wahrzeichen der Hauptstadt Honolulu. Seine Karriere als Olympiaschwimmer hatte Kahanamoku 1929 bereits beendet. 1932 trat er noch einmal bei Olympia in Los Angeles an, allerdings als Ersatzmann für das US-Wasserball-Team, das Bronze gewann.
Mit Familie Kahanamoku unterwegs: Gäste eines kleinen Kanu-Ausflugs sind in dieser Szene von 1932 der berühmte US-Rechtsanwalt Clarence Darrow (ganz in Weiß) und der Journalist Russell Owen (zweiter von vorne). Hinten sitzt Duke Kahanamoku. Den ungewöhnlichen Vornamen erbte er übrigens von seinem Vater Duke Halapu Kahanamoku. Der erhielt den Namen "Duke" im Jahr seiner Geburt 1869 anlässlich eines Besuchs von Alfred Ernst Albert, dem Duke of Edinburgh und zweiten Sohn von Queen Victoria.
Verteidiger Clarence Darrow war nicht aus touristischen Gründen auf der Insel, sondern hatte 1932 ein Mandat im "Massie-Prozess" übernommen, bei dem es um den Mord an einem angeblichen Vergewaltiger ging.
Flirt der Olympiahelden: Bei den Spielen von 1932 in Los Angeles beglückwünscht Kahanamoku den weiblichen Star dieser Olympiade, Helene Madison. Die Amerikanerin holte Gold über 100 und 400 Meter Freistil und auch noch mit der 100-Meter-Freistil-Staffel.
Halb Mensch, halb Fisch: Eine der ikonischen Aufnahmen des Nationalhelden von Hawaii, 1933 in einem Pool in Los Angeles. Auch nach seinem letzten olympischen Auftritt reiste er auf Einladung von Schwimmverbänden durch die Welt.
Den berühmtesten Sohn der Insel wollte jeder treffen, der in den Dreißigerjahren nach Hawaii kam und etwas auf sich hielt. Hier sind es im Jahr 1934 die Söhne des zwei Jahre zuvor erstmals zum US-Präsidenten ernannten Franklin D. Roosevelt: Franklin Jr. (links) und John. Soeben hat der Duke dem Bruderpaar eine Übungsstunde mit dem auf Hawaii äußerst beliebten Outrigger-Kanu gegeben.
Kahanamoku galt auch als einer der Vorreiter aller modernen Rettungsschwimmer. Bereits während des Ersten Weltkriegs hatte er angehende Helfer an den Stränden von Kalifornien darin geschult, mit dem Surfbrett Menschen in Seenot zu retten. Die Aufnahme zeigt ihn bei einem Rettungsschwimmer-Lehrgang am Bondi Beach in Sydney 1936.
Legenden zu Luft und zu Wasser: Duke Kahanamoku unterrichtet Amelia Earhart in der korrekten Zubereitung einer Ananas (1935). Sie galt als "Königin der Lüfte", 1932 war der Amerikanerin als erster Pilotin ein Flug über den Atlantik gelungen. Am 2. Juli 1937 verschwand Earharts Flugzeug bei ihrem Versuch, als erste Frau den Äquator zu umrunden, vom Radar. Fortan galt sie als verschollen - wieder eine andere Geschichte.
Die wahre Frau an Dukes Seite war allerdings diese: Nadine Alexander, Tochter eines reichen amerikanischen Geschäftsmannes. Sie lernte Kahanamoku auf Hawaii kennen - natürlich bei einer Surfstunde. 1940 heiratete das Paar am Strand von Waikiki.
Was ein anständiger Hausmann sein will, der kümmert sich auch um die fachgerechte Pflege all der über Jahrzehnte gesammelten Silberlinge im Trophäenschrank. Im Jahr dieser Aufnahme, 1959, wurde Hawaii ganz offiziell zum 50. Staat der USA; Duke Kahanamoku wurde ebenfalls ganz offiziell zum Botschafter von Hawaii ernannt. Was er eigentlich schon seit Jahrzehnten war. Mit dem Unterschied, dass er nun dafür bezahlt wurde, wenn er ausländischen Staatsgästen seine Insel zeigte. Zuvor hatte er zeitweise sogar als Tankwart arbeiten müssen und seine Popularität kaum ummünzen können.
Die Wucht der Wellen: Hawaii gilt als Surfparadies, als traumhaftes Revier für Anfänger wie Profis. Dieses Foto von 1973 zeigt den einheimischen Surfer Jeff Hakman vor Oahu, beim Wettbewerb "Duke Kahanamoku Surfing Classic", der dem fünf Jahre zuvor verstorbenen Pionier des Sports gewidmet war.
Fun Fact: "The Big Kahuna" war der Spitzname von Duke Kahanamoku - und "Big Kahuna Burger" nannte Regisseur Quentin Tarantino eine fiktive Fastfood-Kette, die in mehreren seiner Filmen auftaucht. Zuerst 1992 in "Resevoir Dogs", zwei Jahre später auch in "Pulp Fiction" (Szenenbild). Im Soundtrack verstaute Tarantino auch einige große Surf-Songs - etwa "Misirlou" von Dick Dale & His Del-Tones, "Surf Rider" von The Lively Ones und "Bustin' Surfboards" von The Tornadoes.