Pedelcs mit Camouflage-Technik Das sollen E-Bikes sein?
Schlichte Erscheinung: Das Ten Torino ist das erste Gravelbike des E-Bike-Herstellers Coboc, also ein Rennrad mit dickeren Reifen für den Einsatz jenseits des Asphalts. Man sieht ihm die Elektrifizierung kaum an. Die Akkus sitzen im Unterrohr, der Motor an der hinteren Nabe.
Diese Zeichnung des Coboc-Rahmens verdeutlicht die Tricks, mit denen Hersteller die Technik verschwinden lassen. Das Akkupack des Ten Torino mit 352 Wattstunden befindet sich im Unterrohr, ebenso der Controller, der den Motor steuert. Im Tretlager ist der Drehmomentsensor verbaut, der die Kurbelbewegungen und das vom Fahrer aufgebrachte Drehmoment misst. Auf die Tretkraft des Fahrers wird die Leistung des Antriebs abgestimmt. Die LED-Beleuchtung ist im Sitzrohr integriert, der elektrische Nabenmotor mit 250 Watt Nennleistung im Hinterrad versteckt.
Zur guten Tarnung gehört in dem neuen Coboc-Gravel, wie auch anderen stylischen E-Bikes, dass die Kabel im Inneren der Rohre geführt werden.
Ein als E-Bike ähnlich unscheinbares Rad ist das Desiknio Urban vom spanischen Hersteller Desiknio Cycles. Bei ihm sind die Akkus ebenfalls im Unterrohr verstaut, der Motor von ebikemotion im Heck.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hatte es geheißen, der Motor dieses Rades stamme vom Hersteller Bafang. Wir haben den fehler korrigiert.
Ein ähnliches Konzept verfolgt das Geos Gravel. Der Unterschied ist in der Stange, dem Oberrohr, versteckt. Dort hat der Hersteller neben dem Unterrohr ebenfalls Akkus versteckt. Der Effekt: Die Rohre können bei gleicher Batteriekapazität schlanker werden.
Auch der österreichische Hersteller Geero setzt auf Akkus im Unterrohr plus Hecknabenantrieb. Im Bild das Modell City Classic, das es ab 2800 Euro zu kaufen gibt. Versprochen werden bis zu 125 Kilometer Reichweite. Für seine neuesten Bikes gibt Geero an, die gleichen Panasonic-Zellen mit gesteigerter Leistungsdichte wie Tesla im Model 3 einzusetzen.
Die Firma Fazua hat eine Einheit aus Motor und Akkus entwickelt, die am Unterrohr sitzt. Der Vorteil: Möchte man ohne elektrische Unterstützung fahren, kann man die Einheit ausklicken und hat ein um einige Kilo entlastetes Fahrrad, so wie dieses Focus Paralane2, das so auf Wunsch zum reinen Rennrad wird.
Exot unter den Technik-Tarnern ist der Hersteller Elektrolyte aus Bayern: Motor, Getriebe, Freiläufe, Akkus mit über 300 Wh; alles ist in einer Einarmschwinge untergebracht, die rund vier Kilo wiegt und die klassische Gabel ersetzt. Zwischen 40 und 100 Kilometer Reichweite verspricht der Hersteller je nach Modell. Modelle wie das abgebildete Straßenfeger S4E nennt der Hersteller Hybridbikes, womit betont werden soll, dass neben dem E-Motor auch noch der Muskelmotor zum Einsatz kommt.
Auch das Rücklicht ist bei manchen Rädern unauffällig integriert. Beim Coboc Ten Torino sitzt es in der Sattelstütze.