Edelhure Nitribitt Rätsel im Negligé
Die Nitribitt und das Geschäft: Wie man die eigene Haut raffiniert zu Markte trägt, wusste sie genau: Dieses laszive Motiv ließ Rosemarie Nitribitt im Sommer 1955 von einem Profi-Fotografen machen. Sie posierte in ihrem Opel Kapitän, den sie später durch ein Mercedes-Coupé ersetzte.
Das Mädchen aus Mendig: Rosemarie Nitribitt auf einem Polizeifoto von 1951. Die 18-Jährige aus dem Dorf Mendig in der Eifel ist beim Frankfurter Sittendezernat keine Unbekannte. Immer wieder versucht sie im Milieu Fuß zu fassen, wird dann aufgegriffen, in Heime gesteckt - und haut wieder ab. Als sie volljährig ist, mit 21 Jahren, wird sie schließlich in Frankfurt bleiben - und Karriere machen.
Die Verführerin: Rosemarie Nitribitt in Dessous - für prüde Fünfziger-Jahre-Gemüter ein unerhört erotischer Schnappschuss, den wahrscheinlich einer ihrer Kunden von ihr machte. Gleichzeitig dokumentiert das Foto, wie Rosemarie Nitribitt sich am liebsten inszenierte - sexy und doch damenhaft, teuer gekleidet, in edlem, geschmackvollen Ambiente.
Die Nitribitt und ihr Gefährt: Der Mercedes 190 SL, den die Nitribitt 1956 für 18.000 Mark kauft, ist ihr Markenzeichen, ihre Visitenkarte. Ein Statussymbol, ähnlich wie ihr weißer Pudel, den sie "Joe" rief. Mit beiden ließ sie sich gerne fotografieren.
Grand Dame Rosemarie: Die Nitribitt mit ihrem Pudel "Joe" - das Foto könnte auch eine Society-Debütantin zeigen. Rosemarie Nitribitt achtete penibel auf ihre Erscheinung, nahm Sprachunterricht, lernte in Mannequin-Kursen, wie man sich damenhaft in besseren Kreisen bewegt.
Die blonde Rosie: Rosemarie Nitribitt privat. Ausgelassen und neckisch lässt sie sich beim Tänzchen in ihrer Wohnung in der Stiftstraße ablichten. Nur wenig später war die 24-Jährige tot.
Die Jagd auf den Mörder: Die Gier der Medien nach Neuigkeiten im "Fall Nitribitt" war unersättlich. Die "Quick" kaufte nicht nur den Hauptverdächtigen Heinz Christian Pohlmann für eine mehrteilige Enthüllungsstory ein, sie setzte zudem eine Belohnung über 50.000 Euro zur Ergreifung des Mörders aus.
Der Verdächtige: Heinz Christian Pohlmann, enger Freund der Nitribitt, galt lange als verdächtig, Frankfurts bekannteste Hure aus Habgier ermordet zu haben. Der chronisch verschuldete Pohlmann hatte nach Rosemarie Nitribitts Tod - und dem Verschwinden einer fünfstelligen Summe aus ihrem Apartment - plötzlich viel Geld. Der Prozess gegen Pohlmann endete jedoch mit einem Freispruch.
Rosemarie Nitribitt - die Spurensuche: Zum 50. Todestag erscheint nun eine neue fundierte Nitribitt-Biographie*. Auch Autor Christian Steiger muss die Antwort auf die Frage nach dem Mörder schuldig bleiben, zeichnet jedoch ein beklemmendes Bild der Adenauer-Republik, ihres größten Skandals und entlarvt das peinliche Versagen von Polizei und Justiz.
Christian Steiger: "Rosemarie Nitribitt - Die Autopsie eines Deutschen Skandals", Heel Verlag; Königswinter 2007; 200 Seiten; 19,95 Euro.