Edle Instrumente Monatelange Handarbeit
Am Anfang ist das Holz: Monate-, teils jahrelang gelagert, möglichst mit Luft dazwischen, damit die Bretter gut trocknen können. Die unterschiedlichen Holzarten für die Gehäuse sowie für edle Furniere kommen aus der ganzen Welt. Die Resonanzböden sind immer aus langsam gewachsenem Fichtenholz aus hohen Lagen, überwiegend aus der Alpenregion, aber auch aus Alaska - aus Klanggründen, wie die Klavierbauer sagen.
Instrument aus 12.000 Teilen: Ein Klavierbauer setzt in Großpösna bei Leipzig die Mechanik für einen Flügel zusammen. Die Einzelteile für die Mechanik lassen sich alle Klavierhersteller in Deutschland zuliefern. Bei Blüthner, Bechstein, Steinway & Co. betont man, dass "so viel wie möglich" im eigenen Hause hergestellt wird, um nicht auf fremdes Know-How angewiesen zu sein.
Schweres Bauteil: Die Gussmetallrahmen stellt heute auch keiner der Klaverproduzenten mehr selbst her. Sie werden in Rohzustand von Fremdfirmen, aus Deutschland, Osteuropa und bei Steinway & Sons auch aus den USA angeliefert. Die Klavierbauer bringen die Metallteile schließlich in die richtige Form, polieren sie und geben ihr am Ende die bronzene Farbe.
Kunststoff statt Elfenbein: Die Tastatur heißt im Klavierbau Klaviatur. In Deutschland haben sich Firmen auf die Herstellung dieser Bauteile spezialisiert. Sie bestehen heute ausschließlich aus Holz und Kunststoff. Auf dem Markt gebrauchter Klaviere finden sich aber nach wie vor Instrumente mit Klaviaturen aus Elfenbein.
Der Flügelrahmen wird aus mehreren Lagen Holz gebogen. Nach mehreren Stunden bleibt er in der richtigen Form und bildet die Grundlage für das künftige Instrument.
In Handarbeit baut ein Klavierbauer Spreizen in den fertigen Rahmen. Der Anteil an Handarbeit ist bei den deutschen Herstellern nach wie vor extrem hoch - bis zu 95 Prozent. Beim Zuschneiden von großen Bauteilen werden allerdings zunehmend computergesteuerte Geräte verwendet. Etwa 450 Stunden Arbeit stecken in einem Flügel, 240 Stunden in einem herkömmlichen Klavier. Asiatische Firmen mit einem größeren Anteil an maschineller Produktion kommen mit jeweils einem Viertel der Zeit aus.
Ein Handwerker befestigt den sogenannten Steg auf dem Resonanzboden. Bei großen Salon- und Konzertflügeln besteht er aus einem Stück Holz, bei kleineren Instrumenten, sogenannten Stutzflügeln, aus zwei Teilen. Pianisten sagen deshalb gern: Ein richtiger Flügel beginnt ab 1,80 Meter Länge.
Verzierungen am Instrument: Die Klavierhersteller erfüllen nahezu alle Kundenwünsche. Schnitzarbeiten, Lederapplikationen, Vergoldungen, eingesetzte Edelsteine - was der Kunde wünscht und bezahlen kann, ist möglich.
Glänzende Erscheinung: Ist der Klavierlack, den die Handwerker Polyesterlack nennen, in mehreren Schichten aufgeprüht und getrocknet, kommt die Feinarbeit per Hand. Die Oberfläche wird erst mit Schleifpapier, anschließend mit der Poliermaschine bearbeitet - bis der richtige Glanz entsteht.
Das fertige Instrument in strahlender Schönheit (im Bild ein 2,80 Meter langer Konzertflügel von Blüthner): Der überwiegende Anteil aller gebauten Flügel sind schwarz. Holzfarbene Instrumente werden aber wieder beliebter.
Der Klang des Instruments wird reguliert. Ein Handwerker schaut, ob die Mechanik einwandfrei funktioniert. Ein Intoniermeister sorgt mit der Intoniernadel für den "richtigen" Klang. Dieser unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller, sogar von Instrument zu Instrument - über den "besten" Klang entscheidet allein der Geschmack, ein bisschen auch die Vorliebe für eine Marke.
Vorbereitung vor der Auslieferung: Das Instrument wird erstmals gestimmt - der Korrektheit halber. Bis das Instrument in der Wohnung des Endkäufers steht - womöglich am anderen Ende der Welt -, dürfte es erneut stimmbedürftig sein.
Chinesische Fertigung: China ist inzwischen mit 250.000 Klavieren pro Jahr der weltgrößte Hersteller. Arbeitskraft in Fernost ist billiger, der Anteil maschineller Fertigung größer als in Deutschland. Deshalb sind Klaviere aus Asien deutlich preiswerter als Instrumente aus deutscher Herstellung, allerdings auch von geringerer Qualität. Weil die Nachfrage nach den günstigen Instrumenten dennoch groß ist, lassen auch die meisten deutschen Klavierhersteller in Fernost produzieren.