Eindrücke eines Parteitags Westerwelle, FDP, ade
Neuer Mann an der Spitze: Mit 95,08 Prozent der Stimmen hat die FDP Philipp Rösler zum Bundesvorsitzenden gewählt. 619 von 651 Delegierten auf dem Bundesparteitag in Rostock gaben Rösler ihre Stimme. 22 Personen votierten gegen ihn, es gab zehn Enthaltungen. Damit ist er der 13. Mann an der Spitze der Freien Demokraten.
Der scheidende Parteivorsitzende: Guido Westerwelle beim Bundesparteitag der FDP in Rostock. Eine Ära geht zu Ende. 17 Jahre in Spitzenfunktionen in der Partei - zunächst als Generalsekretär, dann als Vorsitzender.
Sie führen künftig Fraktion und Partei: Rainer Brüderle und Philipp Rösler. Die FDP will in Rostock ein Signal setzen. Sie will mit einem neuen Team nach Westerwelle verlorenes Terrain zurückerobern. Sie braucht es dringend, die Umfragen sind weiter schlecht.
Allerdings geht Westerwelle nicht freiwillig: Der 49-Jährige wurde von der jüngeren Garde in der FDP von der Brücke gedrängt. In Rostock hielt der Außenminister seine letzte Rede als Parteichef.
Es war eine flammende Rede, mit durchaus selbstkritischen Worten: "Wer so lange eine Partei führt, der macht auch Fehler." Er stehe zu jedem Fehler, den er gemacht habe. "Aber bitte erlauben Sie mir, dass ich auch mit Selbstbewusstsein hinzufüge: Die letzten zehn Jahre, sie waren unterm Strich durchaus positiv in der Bilanz. Wir haben mehr richtig als falsch gemacht."
Der scheidende Parteivorsitzende umarmt nach seiner Rede Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel. Auch als Außenminister ist Westerwelle umstritten, sogar in den eigenen Reihen.
Die rund einstündige Rede endete sehr sentimental. "Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt's einen, der die Sache regelt, und das bin ich - jetzt nicht mehr", sagte er zum Abschluss. Anschließend gab von den rund 660 Delegierten sieben Minuten lang Standing Ovations.
Von seinem Nachfolger, Philipp Rösler, erhielt der scheidende Parteivorsitzende Westerwelle eine Stierskulptur als Abschiedsgeschenk. "Das eigentliche Geschenk, das wir dir schuldig sind, ist der Respekt vor deiner Leistung, deiner Person und deinem Amt als Außenminister", sagte Rösler in seiner Dankesrede.
Er hat gut lachen: Philipp Rösler, 38, legte bei der FDP eine steile Karriere hin. Nach anderthalb Jahren als Gesundheitsminister wurde er Wirtschaftsminister und Vizekanzler - und nun auch FDP-Parteichef. Der Arzt aus Niedersachsen gehört zu der jüngeren Garde, die Westerwelle von der Brücke gedrängt haben.
Sie haben nun mehr Macht in der FDP: Der neue Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle (l.) und der neue Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Brüderle rief seine Parteifreunde in Rostock auf, Eigeninteressen zurückzustellen und gemeinsam für einen Erfolg der Freidemokraten zu kämpfen. "Wir müssen unsere Brot-und-Butter-Themen klar und deutlich machen."
Parteitag mit emotionalen Momenten: Philipp Rösler küsst seine Frau Wiebke.
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wurde von Parteikollege Rainer Brüderle geherzt, Daniel Bahr beobachtete die Szenerie amüsiert.
Neue Garde, alte Garde: der neue Bundesvorsitzende Philipp Rösler (l.) und der FDP-Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher
Rainer Brüderle hebt die Hand zum Gruß, als ein Helfer vorbeikommt. Die FDP will auf ihrem Parteitag bis zum Sonntag ihre inhaltliche Position bei den wichtigen Themen Euro-Rettung, Energiewende und Bildungspolitik neu festlegen.
Auch Daniel Bahr, hier im Gespräch mit dem Ex-Außenminister und FDP-Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher, gehört zur jungen Garde: Der 34-jährige NRW-Landeschef steigt vom Staatssekretär zum Gesundheitsminister auf.
Einer stärkt ihm den Rücken: Westerwelle mit seinem Lebenspartner Michael Mronz.
Parteikollegen applaudieren: Stehende Ovationen bei der Verabschiedung von Hermann-Otto Solms nach 24 Jahren als Schatzmeister.
Der neue Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr machte deutlich, die Partei solle am Sonntag in Rostock geschlossen auseinandergehen.