Einführung der Gurtpflicht Anschnallen bitte!
"Könner tragen Gurt": Eines der frühesten Plakatmotive aus der "Könner-Reihe" der Kampagne "Hallo Partner - danke schön": "Könner tragen Gurt" des Deutschen Verkehrssicherheitsrats.
Kindersicher: Das Bild entstammt ebenfalls der Gurtkampagne aus den siebziger Jahren und appelliert an die Eltern, Kinder auf dem Rücksitz anzuschnallen.
Mit Gurt und ohne Fahne: Zur Unterstützung der Gurtkampagne produzierte der Deutsche Verkehrssicherheitsrat im November 1974 eine Unterhaltungsshow im Circus Krone. Titel: "Mit Gurt und ohne Fahne". Sie sollte den Gurt populärer machen und die Autofahrer vom Fahren ohne Alkohol überzeugen. Moderator war Frank Elstner, der am Beginn seiner Fernsehkarriere stand.
Testschlitten im Einsatz: Mit solchen Gurtschlitten tourte der Deutsche Verkehrssicherheitsrat in den siebziger Jahren durch die Bundesrepublik. Der Schlitten prallte am Ende einer schiefen Bahn auf einen Puffer und erreicht somit in etwa die vergleichbare Bremswirkung, die beim Aufprall eines Pkw mit 50 km/h auf ein stehendes Hindernis erreicht wird.
Gurtschlitten mit Vorbildern: Immer wieder wurden Prominente auf den Gurtschlitten geschnallt, um eine Vorbildwirkung zu erreichen - hier 1974 Stuttgarts Oberbürgermeister Manfred Rommel, links, und Lutz Gosepath vom Automobilclub ACE.
Crashtest: Der Sicherheitsgurt wurde in den sechziger Jahren zur Serienreife entwickelt. Parallel arbeiteten die Ingenieure bereits am Airbag. Doch der lief anfangs noch Gefahr, bei hohen Aufprallgeschwindigkeiten zu platzen. Außerdem war das Auslösegeräusch noch so laut, dass die Trommelfelle gefährdet waren. So blieb der Gurt zunächst das praktikabelste Sicherheitssystem. Die Abbildung zeigt einen Crahstest zur Untersuchung der Gurtwirkung Anfang der siebziger Jahre.
Sicher ist sicher: Mit Bildern wie diesen pries Volvo seinen Wettbewerbsvorteil. Als erster Hersteller der Welt hatte der schwedische Automobilbauer Drei-Punkt-Gurte in seinen Modellen Amazon und PV544 ab 1959 zur Standardausrüstung gemacht.
"Gurt - klick - immer": Weil die Zahl der Gurtnutzer stagnierte, legten die Deutsche Verkehrswacht, der Bundesverkehrsministerium und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat 1983 erneut eine Gurtkampagne auf.
Verkehrsminister Lauritzen: Der SPD-Politiker und Bundesverkehrsminister Lauritz Lauritzen, aufgenommen am 22. Februar 1974 in Bonn. Als Verkehrsminister setzte er sich 1972 erfolgreich für ein Tempolimit von 100 km/h auf Landstraßen ein, gegen den Widerstand des ADAC. Wegen der Ölkrise betrieb Lauritzen auch die Einführung eines Tempolimits von 100 km/h auf den Autobahnen im November 1973. Nach einer Kampagne des ADAC und der Bild-Zeitung, die sich auch gegen Lauritzen persönlich richtete, hob der Bundesrat das Tempolimit auf Autobahnen im März 1974 wieder auf.
Lebensretter: Nils Bohlin, geistiger Vater des Drei-Punkt-Gurtes, präsentiert seine Erfindung. Bohlin hatte erst in der Flugzeugsparte von SAAB gearbeitet, war dann aber von Volvo abgeworben worden und entwickelte und patentierte dort als erster Sicherheitsingenieur des schwedischen Herstellers den Drei-Punkt-Gurt. Als erster Autohersteller der Welt installierte Volvo in seinen Typen PV544 und Amazon ab 1959 serienmäßig Drei-Punkt-Gurte.
Anschnall-Werbung: Gurtträger galten Anfang der Siebziger als ängstliche und kleinliche Spießbürger. Wer sich anschnallte, stand überdies im Ruf, mit missionarischem Eifer seine Umwelt zu nerven. Nicht wenige Autofahrer legten anfänglich genau deshalb den Gurt nicht an, weil sie solche ablehnenden Äußerungen vermeiden wollen. Umgedreht bezichtigten überzeugte Gurtträger die Gegner als verantwortungslos, arrogant und egoistisch - und forderten vereinzelt sogar Fahrverbote für Gurtmuffel. Diesen Glaubenskriegen traten Politik und Deutscher Verkehrssicherheitsrat mit immer neuen Pro-Gurt-Kampagnen wie "Bei mir Klickt's" von 1975 entgegen.
Schnickschnack: In vielen Mercedes-Coupés wird der Sicherheitsgurt Fahrer und Beifahrer von der sogenannten Gurtboy-Automatik angereicht.
Gute Argumente: Bereits Anfang 1971 war längst klar, dass in Sachen Verkehrssicherheit etwas gewaltig schief läuft in Deutschland. 21.332 Verkehrstote meldeten die Statistiker in jenem Jahr, mehr als jemals zuvor. Die ganze Dramatik wurde erst im Vergleich deutlich. Im Jahr 2010 starben knapp 4.000 Menschen im Straßenverkehr - allerdings gibt es heute etwa dreimal so viele Fahrzeuge und 20 Millionen mehr Einwohner in Deutschland. Das Bild zeigt eine Werbung für Sicherheitsgurte aus dem Jahre 1973.
Gut verschnürt: Neben dem herkömmlichen Drei-Punkt-Gurt kamen bei verschiedenen Herstellern auch andere, krude Gurtkonzepte zum Einsatz - und sei es nur zu Testzwecken.
Gut begurtet: Mit Anschnall-Werbungen wie dieser versuchte der Deutsche Verkehrssicherheitsrat Mitte der siebziger Jahre, die Gurtmuffel in Deutschland von den Vorzügen des Sicherheitsgurtes zu überzeugen.
Messer gegen die Angst: Viele Autofahrer montierten sich aus Angst, bei einem Unfall das Auto nicht verlassen zu können, ein sogenanntes SOS-Gurtmesser auf das Armaturenbrett. Im Notfall würde sich mit diesem Instrument der Gurt durchtrennen lassen. Das Gurtmesser wurde 1984 auf der IENA, der Internationalen Erfindermesse, in Nürnberg vorgestellt.
SPIEGEL-Titel: Es war vor allem die Angst, durch den Gurt am Auto gefesselt zu sein, die viele von seiner Benutzung abschreckte. Horrorgeschichten machten die Runde. Man würde nach Unfällen im Auto verbrennen oder im Wasser ertrinken, weil man sich nicht befreien kann. Für rationale Argumente war in jenen Tagen kaum noch jemand empfänglich. Den Ängsten der Autofahrer widmete DER SPIEGEL im Dezember 1975 sogar die Titelgeschichte: "Gefesselt an's Auto".