Einführung des Bildschirmtextes - DER SPIEGEL
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Technik-Flop BTX Per Fernbedienung ins digitale Bordell

Vom Sessel aus Reisen buchen, Klamotten kaufen oder Überweisungen tätigen: Theoretisch war das schon in den Achtzigern möglich - mit einem Fernseher. 1983 führte die Deutsche Bundespost den Bildschirmtext ein und versprach eine Medienrevolution. Doch der radikale Umbruch endete im Fiasko.
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Schlichter Slogan: Laut BTX-Staatsvertrag durfte die Deutsche Bundespost nicht mit den Angeboten ihrer Kunden werben - dementsprechend lautete der Werbetext über Jahre relativ simpel: "Damit Sie's leichter haben". Genauso...

Signatur im Bundesarchiv: Plak 007-023-062

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...schlicht war das BTX-Logo gehalten. Zumindest versprach das pixelige Telefon-Symbol nicht mehr, als der Nutzer bei der Darstellung des Datendienstes erwarten konnte (Werbeplakat von 1986).

Signatur im Bundesarchiv: Plak 007-023-117

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Technik von gestern: Das Nürnberger Verkehrsmuseum zeigte im Mai 1983 dieses Telefon, das außer der üblichen Nummerntastatur über einen eigenen Bildschirm sowie Buchstabentasten zur Kommunikation im Rahmen des Bildschirmtext-Systems verfügte. Das Museum propagierte damals: "Das Telefon von morgen - so könnte es aussehen".

Foto: dpa
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Bitte einloggen: Mit einer zwölfstelligen Teilnehmernummer und einem Passwort konnte sich der Nutzer und gelangte anschließend auf die...

Foto: Museum für Kommunikation Frankfurt am Main
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...Startseite. Ähnlich wie beim Videotext konnte der BTX-Nutzer mit der Eingabe von Seitenzahlen durch das System navigieren.

Foto: Museum für Kommunikation Frankfurt am Main
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So geht's: Zwischen Telefon und Fernsehgerät schaltete die Post gegen Gebühr ein Modem, das über die Telefonleitungen gesandte Impulse in Datensignale umwandelte und diese an das TV-Gerät schickte. Der Decoder im Fernseher wiederum machte diese Signale in Form von Schrift und Bild auf der Mattscheibe sichtbar. Da aber...

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...nicht alle Fernseher über einen Decoder verfügten, brachte die Deutsche Post Ende der achtziger Jahre Telefone mit dem Namen "MultiTel" auf den Markt, in denen ein BTX-Decoder eingebaut war. "Sie werden staunen, wie wenig es kostet", warb die Post damals - meinte damit aber die Nutzung. Die Endgeräte waren dagegen sehr teuer.

Foto: Museum für Kommunikation Frankfurt am Main
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Helmut Kohl im BTX: Im Bildschirmtext präsentierten sich Behörden, Verbände, Privatunternehmen, Handwerksbetriebe, Versandhäuser sowie Banken und Zeitungsverlage. Auch die Bundesregierung stellte sich mit mehreren Seiten den Lesern vor. Informations- und Werbematerial in Papierform erschienen im BTX-Zeitalter plötzlich obsolet.

Foto: Daniel Rehbein
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Inhaltsverzeichnis: Mitte der neunziger Jahre nutzten etwa 850.000 Menschen das BTX-Angebot, das von Such- und Auskunftssystemen bis Teleshopping reichte. Offiziell wurde der Datendienst am 31. Dezember 2001 abgeschaltet, allein für das Online-Banking wurde eine BTX-Variante noch bis 2007 betrieben.

Foto: Daniel Rehbein
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Lesestation: In den achtziger und neunziger Jahren standen solche Apparate zum Beispiel an Bahnhöfen, wo die Nutzer die aktuellen Fahrplanverbindungen der Deutschen Bahn abrufen konnten (Werbeanzeige von 1987).

Signatur im Bundesarchiv: Plak 007-023-153

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Vorzeitliches SPIEGEL ONLINE: Die Artikel aus dem SPIEGEL-Heft ließen sich auch im Bildschirmtext nachlesen - hier die Ausgabe vom 25. September 1995.

Foto: SPIEGEL ONLINE
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Papierlose Geldgeschäfte: Die Postbank bot seit der Einführung des Bildschirmtextes 1983 das "Homebanking" an. Mit BTX konnten ihre Kunden "sämtliche Bankgeschäfte von zu Hause aus erledigen" - und derweil den Haushalt meistern. Trotzdem setzte sich die Technologie nicht durch. 1994 nutzten gerade mal etwa 300.000 Menschen das BTX-Angebot der Postbank. Ein Jahr später schaltete das Internet den Bildschirmtext aus.

Foto: Deutsche Postbank AG
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Elektronische Kommunikation: Via Bildschirmtext konnten die Nutzer miteinander chatten und Mitteilungen verschicken. Hatten sie eine neue Nachricht erhalten, wurde ihnen das nach der Anmeldung angezeigt.

Foto: Museum für Kommunikation Frankfurt am Main
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Chatpartner: Als erstes Mitglied der Bundesregierung stellte sich der damalige Bundesentwicklungshilfeminister Carl-Dieter Spranger 1996 in seinem Ministerium in Bonn einer öffentlichen Computerkonferenz im Netz T-Online. Die Nutzer des BTX-Dienstes hatten eine Stunde lang die Möglichkeit, Spranger Fragen zum Thema "Wozu Entwicklungszusammenarbeit" zu stellen.

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Stumm und starr: Die Bildschirmtext-Seiten konnten die Anwender in Form und Farbe unterschiedlich gestalten. Allerdings konnten die Bilder nicht animiert und Ton nicht ausgespielt werden - dazu reichte die Übertragungskapazität der Telefonleitungen nicht aus.

Foto: Daniel Rehbein
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?