Elizabeth Holmes Selfmade-Milliardärin vor Gericht
Elizabeth Holmes auf dem Weg zur Gerichtsanhörung. Mit ihrem Medizin-Start-up Theranos wollte sie die Diagnostik revolutionieren. Dafür brach sie mit 19 Jahren ihr Studium in Stanford ab.
Ihre Idee: Ein Tropfen Blut aus einem Stich in den Finger sollte ausreichen, um diverse Tests damit durchzuführen. Auch Krebsmarker sollten richtig erkannt werden - doch das von Theranos entwickelte Gerät zeigte falsche Ergebnisse an.
John Carreyrou, Journalist des "Wall Street Journals", enthüllte 2015 die fehlerhaften Funktionen und den mutmaßlichen Betrug. Sein Buch "Bad Blood - Die wahre Geschichte des größten Betrugs im Silicon Valley" ist nun auf Deutsch erschienen.
Holmes drohen bis zu 20 Jahre Haft und eine Geldstrafe in Höhe von mehr als zwei Millionen Dollar. Auch Behörden und Laborinspektoren soll Theranos getäuscht haben. Die Gründerin zahlte 2018 in einem Vergleich 500.000 Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC und darf in den kommenden zehn Jahren kein börsennotiertes Unternehmen leiten.
Ebenfalls angeklagt ist Holmes Ex-Partner Ramesh "Sunny" Balwani. Die Staatsanwaltschaft wirft Holmes und dem ehemaligen Geschäftsführer von Theranos Betrug an Investoren, Ärzten und Patienten vor. Als alles aufflog, trennte Holmes sich.
Das Idol: Holmes eiferte Apple-Gründer Steve Jobs nach. Ihr Blutanalysesystem bezeichnete sie gern als "iPod des Gesundheitswesens".
Auch ihren Stil passte sie dem des Apple-Gründers an: Sie trug fast ausschließlich schwarze Rollkragenpullover.
Journalist Carreyrou sagt über Holmes: "Sie teilte mit Steve Jobs eine Eigenschaft: Die Fähigkeit, die Zweifel der Menschen zu zerstreuen." Einer ihrer ersten Förderer war der ehemalige US-Außenminister George Shultz, rechts im Bild. Er saß im Aufsichtsrat von Theranos.
Auch US-Staatsmann Henry Kissinger saß im Aufsichtsrat. Vor allem mächtige und wohlhabende alte Männer waren von Holmes' Idee überzeugt und trauten ihr großen Erfolg zu.
Sogar Medienmogul Rupert Murdoch, hier mit seiner Frau Jerry Hall, investierte. Er besitzt auch das "Wall Street Journal" - und widersetzte sich laut Journalist Carreyrou Holmes' Bitte, den ersten Artikel über Theranos' Machenschaften nicht zu veröffentlichen.
Das mediale Interesse an Holmes' Geschichte ist nach wie vor hoch. Neben einer Dokumentation und einem Podcast, die schon erschienen sind, soll es auch einen Film geben. Jennifer Lawrence soll Elizabeth Holmes spielen.
Im Juli will der Richter entscheiden, wann der Prozess gegen Holmes beginnt.