Polens EM-Team Schwache Abwehr, Star im Sturm
Bei der WM 1974 standen sich Polen und Deutschland erstmals bei einem großen Turnier gegenüber. Das Zwischenrundenspiel ging als "Wasserschlacht von Frankfurt" in die Geschichte ein. Durch extreme Regenfälle war der Platz eigentlich unbespielbar, die Partie fand trotzdem statt. Das DFB-Team gewann durch ein Tor von Gerd Müller, schaffte dadurch den Finaleinzug und gewann anschließend den Titel.
Polen wurde 1974 Dritter, besser schnitt die Nation bei einem Großturnier nie wieder ab. Grzegorz Lato (Foto) spielte ein überragendes Turnier. In sieben Partien erzielte er sieben Treffer und wurde Torschützenkönig.
Acht Jahre später holte Polen zum zweiten Mal Bronze. Diesmal führte Zbigniew Boniek das Team zu Bronze. Beim 3:0 in der Zwischenrunde gegen Belgien (Foto) erzielte der Mittelfeldspieler alle drei Tore. Im Spiel um Platz drei gewann Polen 3:2 gegen Frankreich mit Michel Platini.
Jetzt hat die polnische Nationalmannschaft erneut einen Star: Robert Lewandowski, Angreifer des FC Bayern und Bundesliga-Torschützenkönig. Er ist zum zweiten Mal mit Polen bei einem großen Turnier dabei und führt seine Mannschaft als Kapitän nach Frankreich.
2012 scheiterte Polen im eigenen Land bereits in der Vorrunde - nach zwei Unentschieden gegen Griechenland und Russland und einer Niederlage gegen Tschechien. Lewandowski, damals noch bei Borussia Dortmund aktiv, traf nur gegen die Russen (Foto).
Das soll in Frankreich anders laufen - und die Qualifikation verlief vielversprechend: Polen setzte sich als Gruppenzweiter hinter Deutschland durch und besiegte die DFB-Elf im Hinspiel sogar. Arkadiusz Milik (Foto) köpfte beim 2:0-Erfolg die Führung für Polen. Mit Lewandowski (13 Treffer) und Milik (sechs) überzeugte während der Qualifikation vor allem die Offensive der Polen.
Artur Sobiech verpasste hingegen den Sprung in die Offensive des Kaders. Es ist der Tiefpunkt einer bitteren Saison. Mit Hannover 96 war der Angreifer aus der Bundesliga abgestiegen, nun fährt er nicht mit nach Frankreich, obwohl Sobiech im vorläufigen Kader dabei war.
Przemyslaw Tyton hat einiges gemein mit Artur Sobiech: Auch der Torwart ist aus der Bundesliga abgestiegen, stand im vorläufigen Kader und ist dennoch nicht bei der EM dabei. Der Keeper vom VfB Stuttgart wurde ebenfalls noch aussortiert.
Vor allem an ihm kommt Tyton nicht vorbei: Wojciech Sczesny, in der vergangenen Saison vom FC Arsenal an AS Rom in die Serie A verliehen. Er wird wohl als Nummer eins ins Turnier gehen. Sein größter Konkurrent ist Lukasz Fabianski von Swansea City.
Ein großes Problem des polnischen Teams: Es ist nicht ausgewogen. Der Angriff ist deutlich stärker als die Defensive.
Eine Ausnahme in der Abwehr bildet da noch Lukasz Piszczek. Der Außenverteidiger von Borussia Dortmund ist der einzige Abwehrspieler im Kader, der bei einem Verein von internationaler Größe spielt.
Jakub Blaszczykowski hat jahrelang zusammen mit Piszczek die rechte Angriffsseite beim BVB gespielt. In der vergangenen Spielzeit war das anders, Mittelfeldspieler Blaszczykowski war an den AC Florenz ausgeliehen, kam dort zuletzt aber nur selten zum Einsatz. Auch in der EM-Qualifikation mit Polen gehörte er nicht immer zum Stammpersonal - auch weil er zeitweise verletzt war. Blaszczykowski ist der Spieler aus dem aktuellen Kader mit den meisten Länderspielen (78, Stand 3. Juni).
Er wird wohl mehr Spielanteile bekommen: Grzegorz Krychowiak von Europa-League-Sieger FC Sevilla erzielte im entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Irland die Führung für Polen, die Partie endete 2:1. Aktuell ist Krychowiak noch angeschlagen, er fährt aber mit zur EM.