EM und WM-Maskottchen: Goleos Desaster - DER SPIEGEL
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WM und EM-Maskottchen Löwe im Blindflug

50 Grad in der Plüschhölle und Gottschalk macht schlechte Witze: Puppenspieler Martin Paas wollte 2006 unbedingt das Maskottchen Goleo spielen - bis er bei seinem ersten Auftritt plötzlich nichts mehr sah.
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Zum Haareraufen: Martin Paas im Goleo-Kostüm zu Gast bei Thomas Gottschalk

Foto:

Christian Fischer/ Bongarts/Getty Images

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Langbeinig: "Diesen Hahn fand ich sehr, sehr nett", schwärmt Puppenspieler Martin Paas - 2006 der Mann im Maskottchen Goleo - über "Peno". Fast lasziv liegt das Maskottchen der EM 1984 in Frankreich auf dem Rasen. Der Gastgeber gewann das Turnier, entschied sich 14 Jahre später bei der WM 1998 wieder für einen Hahn - und siegte erneut. Gut aus deutscher Sicht, dass die Franzosen bei der aktuellen EM keinen Hahn als Glücksbringer haben. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erzählt Paas von hitzigen Auftritten im Riesenlöwen und wie das Maskottchen seine Liebe zum Fußball entfachte.

Foto: Sven Simon / IMAGO
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Teletubbies auf Speed: Bei der ersten WM in Asien haben die Designer wohl gedacht, müssen auch die Maskottchen so aussehen, wie man sich die Warenhäuser der Region klischeehaft vorstellt - schrill, bunt und ein bisschen billig. Doch "Nik", "Kaz" und "Ato" wurden im Jahr 2002 keine Verkaufsschlager. Zu sehr waren die Fußballfans verstört über diese außerirdischen Kreaturen, die im All eine Fußballvariante spielten, die sie Atmoball nannten. Nicht überirdisch, aber ziemlich gut traten die Gastgeber aus Südkorea auf und schafften es bis ins Halbfinale. Weltmeister wurde Brasilien.

Foto: Choo Youn-Kong / AFP
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Bauchnabelfrei: Diese beiden Freunde namens "Tip" und Tap" sollten bei der WM 1974 Deutschland Glück bringen. "Alles andere als hübsch, aber wenigstens sympathisch", findet Martin Paas, der ein paar Weltmeisterschaften später das Maskottchen Goleo spielte. "Sie spiegeln noch die Unbeschwertheit der Siebzigerjahre wieder." Und da man mit Schönheit bekanntlich keine WM gewinnt, holten am Ende die Deutschen den Titel.

Foto: Peter Hillebrecht / AP
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Dieses Früchtchen! Bis 1982 hatten die Maskottchen den Gastgebern oft Glück gebracht. Nicht so "Naranjito", die kleine Orange. "Ist die unförmig!", findet Goleo-Mime Paas. "Ein Orange mit Stummelbeinchen. Aber als Puppenspieler hätte man da wenigstens genug Luft zum Atmen." Auch die Spanier waren unglücklich. Viele hätten sich lieber einen Stier als Maskottchen gewünscht. Saftlos schied Spanien in der zweiten Gruppenphase des Turniers aus; Weltmeister wurde Italien.

Foto: FIFA
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Berni, Nummer eins: Die Bundesrepublik versuchte ihr Glück bei der EM 1988 vergeblich mit "Berni", der irgendwie auch die Hauptrolle in einem Trash-Horrorfilm spielen könnte. "Tiere in Trikots, das ist immer schwierig", meint Martin Paas. "Da bin ich froh, dass ich mit Goleo wenigstens keine Hose anhatte." Damit nicht der Schmach genug: Europameister in Deutschland wurden die Niederlanden.

Foto: Norbert Schmidt / IMAGO
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Nummer zwei: Eine Sparrunde bei der Uefa? Kaum vorstellbar, aber bei der EM 1992 trat tatsächlich derselbe Hase wie vier Jahre zuvor auf und hieß ... Berni. Einzige Änderung: Berni trug diesmal das Trikot des Gastgebers Schweden. Und wer hat hier die besseren Zähne?

Foto: Pressefoto Baumann / IMAGO
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Der Ur-Löwe: Mit dem rothaarigen WCW, wie ihn seine Fans bald nannten, fing der Maskottchenhype 1966 erst an. Das Kürzel stand für "World Cup Willie", erstes Maskottchen bei einer WM. Optisch zählte es zu den eher gelungenen Entwürfen, entworfen von Kinderbuchillustrator Reg Hoye, der dafür angeblich nur zehn Minuten brauchte. Äußerliches Vorbild war dabei sein Sohn, der passenderweise Leo hieß. Mit WCW begann der Merchandising-Boom rund ums Maskottchen erst - wohl auch, weil er für sein Gastgeberland ein echter Glücksbringer war: Großbritannien gewann die WM im eigenen Land.

Foto: FIFA
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Teufel-Löwe-Durcheinander: Richten zwei Länder die EM aus, wie im Jahr 2000 Belgien und die Niederlande, dann wird die Wahl eines Maskottchens noch schwieriger. Was ist denn das gemeinsame Symbol? Zur Not setzt man auf den bewährten Löwen und mischt noch eine Prise belgischen Teufel dazu - fertig ist "Benelucky". Glück brachte der aber den Franzosen - sie gewannen das Finale gegen Italien per Golden Goal.

Foto: Sven Simon / IMAGO
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Wenig an, viel zu sagen: Das aufwendigste Maskottchen bis heute war bei der WM 2006 der hosenlose "Goleo VI" und sein Ball "Pille", die beide sprechen konnten. Es gab insgesamt vier Goleo-Teams; die Erstbesetzung war extra für Fernsehauftritte konzipiert. Zwei professionelle Puppenspieler (in der Sesamstraße Ernie und Bert) gaben Goleo und Pille ihre Stimmen. "Der hübscheste war er nicht", sagt Löwen-Mime Martin Paas. "Die Fifa hatte sich wohl eher einen oberdynamischen Löwen vorgestellt. Ich habe Goleo lieber als gemütlichen, leicht tollpatschigen Kerl gespielt."

Foto: Alexander Hassenstein / Bongarts / Getty Images
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Endlich mal wieder ein Löwe: Nach dem WM-Sieg 1966 mit Maskottchen "Willie" setzten die Briten 30 Jahre später wieder auf einen Löwen, diesmal auf "Goliath". Aber man weiß ja aus der Bibel, dass das nicht so gut ausgeht mit Goliath. Europameister 1996 wurde Deutschland.

Foto: UEFA / IMAGO
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Fast eine Leopardin: Löwen hatte es ja schon einige bei Welt- und Europameisterschaften gegeben. Also war 2010 die Wahl einer Leopardin ein kluger Gedanke für die erste WM in Afrika. Aber so ganz haben die Designer von "Zakumi" - hier mit Südafrikas Präsident Jakob Zuma - sich doch nicht getraut, sich vom Löwen zu emanzipieren. Sie gaben dem Maskottchen eine kleine Mähne, über die sich jede echte Leopardin wohl scheckig, äh... fleckig gelacht hätte. Auf leisen Sohlen verabschiedete sich Gastgeber Südafrika schon in der Vorrunde aus dem Turnier, das Spanien gewann.

Foto: Anja Niedringhaus / AP
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Licht und Schatten: Vorbildlich vor der Sonne geschützt - zumindest der Kopf, weniger der Bauch - gab sich "Juanito", 1970 das zweite WM-Maskottchen. Die Gastgeber aus Mexiko hätten wohl lieber etwas hitziger auftreten sollen als ihr Maskottchen: Mexiko schied im Viertelfinale aus, Weltmeister wurde Brasilien.

Foto: FIFA
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Sombrero, zweiter Versuch: Wieder Mexiko, und wie bei der WM 1970 fiel den Designern des Maskottchens auch 1986 zu dem Land nicht viel anderes ein als ein Sombrero. Damit die Spieler schärfer als bei der letzten Heim-WM auftraten, kombinierten sie den Hut mit einer grünen Chilischote. Wieder half es nur begrenzt; wie schon 1970 war im Viertelfinale Schluss, wenn auch diesmal im Elfmeterschießen gegen Deutschland. Weltmeister wurde Argentinien.

Foto: FIFA
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Verarscht: Eine Mischung aus Fußball und Ökologie sollte sich in dem Namen "Fuleco" bei der WM 2014 in Brasilien widerspiegeln. Doch bei all der Aufregung im fußballverrückten Land wurde übersehen, dass der Name des Gürteltier-Maskottchens umgangssprachlich auf Portugiesisch auch "Arsch" bedeuten kann. Das war wohl kein gutes Omen: Brasilien schied gegen den späteren Weltmeister Deutschland nach dem schon am Tag danach legendären 1:7-Debakel aus.

Foto: Eraldo Peres / AP
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Siegreicher Gockel: Mischt man Fußball, Obelix, Asterix und das Nationalwappen Hahn zusammen, macht das natürlich ... "Footix". Klingt vielleicht etwas dämlich, aber zumindest der Name ist nicht der Fifa anzulasten, die immer nur über das Maskottchen-Design entscheidet. Bei einer Abstimmung votierte die Mehrzahl der Franzosen für den Namen. Und behielten recht: Frankreich wurde 1998 im eigenen Land Weltmeister.

Foto: Alexander Hassenstein / Bongarts / Getty Images
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Superheld: In Zeiten des Terrors vertraut Frankreich bei der EM 2016 auf einen kindlichen Überflieger, "Super Victor". Der ist ein erst ziemlich unbegabter Fußballer, bis er eines Tages eine Schatztruhe mit magischen Fußballschuhen und einem magischen Umhang findet. Damit fliegt er nun durchs ganze Land und begeistert die Landsleute. "Sieht irgendwie aus, als habe Superman ein Trikot angezogen", meint Puppenspieler Martin Paas. "Da war ich doch lieber Goleo..."

Foto: Thomas Oliva / AFP
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Lange Nase gedreht: Das erste Maskottchen bei einer EM hieß 1980 "Pinocchio", sein hölzerner Zinken war mit den italienischen Nationalfarben angemalt. Damals waren die Maskottchen lediglich gezeichnete Figuren auf Fanartikeln und keine Walking-Acts - lebensgroße Puppen, die in den Stadien auftreten. Pinocchio brachte den Gastgebern nur begrenzt Glück: Von acht Mannschaften wurden sie Vierter. Deutschland gewann die Europameisterschaft.

Foto: UEFA
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Hallo und Tschüß: Das erste moderne Maskottchen hörte auf den Namen "Ciao". Es lief computeranimiert über die Bildschirme, taugte aber naturgemäß kaum als Kuscheltier. Auch Diego Maradona sieht auf dieser Aufnahme so aus, als wisse er nicht so recht, was er mit dem Bausatz machen soll; seine Stärken hatte der Argentinier eher mit runden Dingen. Gegen die Deutschen verlor der Weltstar dennoch das Finale. Gastgeber Italien musste im Turnier erst spät "Ciao" sagen und wurde Dritter.

Foto: Bruno Mosconi / AP
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Wow! "Einen sympathischen Langeweiler" nennt Puppenspieler Paas das Maskottchen der WM 1994 in den USA, Striker genannt. Im Land, in dem immer alles sehr schnell "amazing" ist, setzen die Amerikaner wohl auf einen "Wow"-Effekt. Der aber blieb aus. Die USA schied im Achtelfinale aus - allerdings recht knapp gegen den späteren Weltmeister Brasilien.

Foto: FIFA
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Untergegangen: Selten, dass Maskottchen keine Tiere sind. 2004 wagten die Portugiesen das mit "Kinas". Pech nur, dass die Griechen diese EM sensationell gewannen. Niemand redete mehr von Kinas, sondern alle nur noch vom Griechen-Trainer "Rehakles".

Foto: Shaun Botterill / Getty Images
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Ausgefuchst: Österreich und Schweiz als Zwillinge darzustellen, ist kulturell gesehen zumindest einigermaßen gewagt. Doch die EM 2008 in diesen beiden Ländern bescherte uns die Füchse "Trix und Flix". Besonders klug spielten die Spanier, die Deutschland im Finale bezwangen.

Foto: Hans Punz/ AP
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Zwillinge: Die Brüder Slavek und Slavko standen bei der EM 2012 Pate für die Gastgeber Ukraine und Polen. Erneut, wie bei der EM zuvor mit "Trix und Flix", brachten Zwillinge am Ende Spanien den Titel. Das müsste dem aktuellen Titelverteidiger für die EM 2016 Jahr eigentlich Angst machen. Kein Zwilling in Sicht!

Foto: Alex Grimm/ Getty Images
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Wunderkicker: Kaum nackte Haut zeigte 1978 in Argentinien "Gauchito". Das durfte er womöglich auch nicht, schließlich war sein Namensgeber der Volksheilige Gauchito Gil, ein argentinischer Robin Hood, der während des Bürgerkriegs Reiche bestohlen haben soll, um die Beute den Armen zu geben. Am Ende wurde er gehenkt, vollbrachte aber post mortem weitere Wunder - vielleicht auch das des Titelgewinns des Gastgebers. Böse Zungen aber behaupten, dass es in Wahrheit die argentinische Militärjunta war, die dem Wunder mit Geld und Druck auf Argentinien-Gegner Peru etwas nachgeholfen habe.

Foto: Keystone/ Getty Images
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