Volkstrauertag in Berlin Macron fordert mehr Eigenständigkeit für Europa
Die Staatspräsidenten Deutschlands und Frankreichs, Frank-Walter Steinmeier und Emmanuel Macron, winken umringt von Jugendlichen. Insgesamt 500 junge Menschen aus 48 Ländern hatten seit Mittwoch in Workshops über ihre Vorstellungen zum Frieden in Europa und der Welt debattiert.
Organisiert wurde die internationale Jugendbegegnung "Youth for Peace - 100 Jahre Ende Erster Weltkrieg, 100 Ideen für den Frieden" vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) und Partnerorganisationen. Die Jugend könne nicht die Zukunft aufbauen, "wenn sie nicht weiß, woher sie kommt", sagte Macron bei der Abschlussveranstaltung.
Emmanuel Macron lobte die Ideen, die den beiden Staatsoberhäuptern beispielhaft als Ergebnisse der viertägigen Begegnung präsentiert wurden, als "sehr konkret". Bei einem Vorschlag geht es darum, eine "Friedenslinie" quer durch Europa entlang der wichtigsten Mahnmale und Erinnerungsorte der beiden Weltkriege zu ziehen. Er könne sich vorstellen, gemeinsam mit Steinmeier die Jugendlichen an einigen dieser Orte zu treffen, schlug Macron vor.
Nach der Begegnung mit der Jugend gedachten die Präsidenten gemeinsam mit der Bundeskanzlerin, der Bundestagsvizepräsidentin und dem Bundesratspräsidenten an der Gedenkstätte Neue Wache den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft.
Die Politiker legten Kränze nieder anlässlich des Volkstrauertages. Der Volkstrauertag wurde vor 100 Jahren 1919 eingeführt, um Solidarität mit den Hinterbliebenen der Opfer des Ersten Weltkriegs zu zeigen.
Inzwischen gedenkt man am Volkstrauertag aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.
Bei der Trauerzeremonie anwesend waren (von links) Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundesratspräsident Daniel Günther und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Vosskuhle.
Kränze der deutschen und französischen Staatsoberhäupter vor der Skulptur "Mutter mit totem Sohn" von Käthe Kollwitz, die seit 1993 im Inneren der Gedenkstätte platziert ist.
Nach der Kranzniederlegung besuchte Emmanuel Macron den Deutschen Bundestag. Er sprach dort als erster französischer Staatschef seit gut 18 Jahren.
Macron forderte Deutschland in seiner Rede zu einer Kraftanstrengung auf, um Europa in Zeiten eines neuen Nationalismus krisenfester zu machen. "Heute müssen wir ein neues Kapitel aufschlagen", sagte er: "Das schulden wir Europa."
"Es lebe Frankreich. Es lebe die Bundesrepublik. Es lebe die deutsch-französische Freundschaft. Es lebe Europa." - Das waren Macrons Schlussworte im Bundestag.
Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte Macron zu seiner Rede. Im Laufe des Tages wollten sich beide zu Gesprächen und einer anschließenden Presseerklärung treffen.