Vergessener Entdecker Der Wasserfall, der die Welt sprachlos machte
Naturwunder: Der Salto Ángel im Südosten Venezuelas ist mit 979 Metern der höchste Wasserfall der Welt.
Glücksritter, Abenteurer, Frauenheld: Buschpilot Jimmie Angel mit seiner ersten Ehefrau Virginia vor einer "Fokker D VII" im Jahr 1928 in Fresno, Kalifornien. Angel verdiente sich sein Geld nach dem Ersten Weltkrieg unter anderem als Pilot für wagemutige Luftakrobaten, die ihre Kunststücke während des Fluges auf den Tragflächen seiner Maschine aufführten.
Die historischen Aufnahmen wurden uns von dem
Jimmie Angel Historical Project
zur Verfügung gestellt.
Vor dem Unglück: Buschpilot Jimmy Angel, rechts, im Kamarata-Tal kurz vor seinem Abflug zum Tafelberg Auyán-Tepui am Morgen des 9. Oktobers 1937. Neben ihm stehen Pemón-Indianer sowie der spanische Abenteurer und Venezuela-Spezialist Félix Cardona Puig, Mitte, Miguel Angel Delgado, links, und sein Flugzeug "El Rio Caroni".
Noch niemand hatte zuvor eine Landung auf dem 700 Quadratkilometer großen Tafelberg gewagt - und auch die Pioniertat misslang gründlich. Angels Maschine bohrte sich mit der Nase tief in den schlammigen Untergrund und war derart demoliert, dass sie nicht wieder startklar zu machen war. Die Besatzung blieb unverletzt, musste sich aber zu Fuß bis zum Basis-Camp am Fuße des Bergs durchschlagen.
Schrottreif: Miguel Delgado versucht Jimmie Angels Flugzeug "El Rio Caroni" nach der Bruchlandung auf dem schlammigen Grund des Tafelbergs Auyán-Tepui am 9. Oktober 1937 wieder freizubuddeln.
Die vierköpfige Mannschaft musste nun irgendwie einen Weg von dem 2500 Meter hohen Tafelberg mit seinen senkrecht abfallenden Steilwänden finden.
Dusche für betuchte Touristen: Ein Helikopter mit Urlaubern fliegt am 23. August 2009 vor dem Salto Ángel entlang.
Im Jahr der Aufnahme versuchte der damalige Präsident Hugo Chávez erfolglos, eine Namensänderung durchzusetzen - vermutlich ärgerte es ihn, dass die bekannteste Naturattraktion in seinem Land ausgerechnet nach einem US-Amerikaner benannt worden war. Fortan sollte der Ángel-Fall in der Sprache der lokalen Pémon-Indios "Kerpakupai-Merú" heißen, doch eine offizielle Umbenennung blieb aus.
Letzte Nachricht: Am 11. Oktober 1937 hinterließ Buschpilot Jimmie Angel diese Botschaft in dem Cockpit seiner flugunfähigen Maschine auf dem Tafelberg Auyán-Tepui.
Darin teilt er möglichen Suchmannschaften mit, dass er "absichtlich" auf dem Tafelberg gelandet, die Maschine aber bei der Landung irreparabel beschädigt worden sei. "Heute ist der elfte Oktober (1937) und wir laufen bei guter Gesundheit los Richtung Camarata Camp." Was so gutgelaunt klang, war in Wahrheit ein lebensgefährlicher Abstieg auf bisher unbekanntem Terrain.
"Das achte Weltwunder": Der Salto Ángel, im Englischen "Angel Fall" genannt, begeisterte nach seiner Entdeckung 1933 viele Wissenschaftler. Gleich mehrere große Expeditionen versuchten Ende der dreißiger Jahre - zunächst erfolglos - auf dem Landweg bis zum Fuß des Wasserfalls vorzudringen. Der renommierte amerikanische Ornithologe Thomas Gilliard nannte den Wasserfall in einem Aufsatz das "achte Weltwunder" - noch bevor er ihn mit eigenen Augen gesehen hatte.
Flugnarr: Jimmie Angel im März 1939 mit seiner zweiten Frau Marie und dem venezolanischen Fotografen Carlos Herrera vor seinem Hamilton-Flugzeug NC-854E. Der Buschpilot liebte die Natur Venezuelas ebenso wie die Fliegerei, war aber auch ein cleverer Geschäftsmann. Seine Auftraggeber waren finanzstarke US-Bergbauunternehmen, die in Südamerika auf der Suche nach Rohstoffen wie Gold und Öl waren.
Weltsensation: Dies ist das erste Bild des Salto Ángel, aufgenommen vom Venezolaner Carlos Freeman am 1. Mai 1939. Freeman war einer von vier Leitern der Gran Sabana-Expedition in der Region des Wasserfalls; er ließ sich für die Aufnahme vom Buschpiloten und Entdecker Jimmie Angel zu dem Naturwunder fliegen.
Dieses und ein weiteres Foto wurden im Dezember 1939 im Magazin "Exploración de la Gran Sabana" gedruckt und waren damit die ersten veröffentlichten Aufnahmen der Kaskade. Sie überzeugten die letzten Skeptiker, die bezweifelt hatten, dass es den riesigen Wasserfall überhaupt gibt.
Wasser marsch: Besonders in der Regenzeit ist der Salto Ángel beeindruckend. Jedes Jahr besuchen Tausende Touristen den höchsten Wasserfall der Welt im entlegenen Südosten Venezuelas.
Auch Jimmie Angels Nichte Karen, die eine Studie über das Leben ihres Onkels veröffentlicht hat, war schon mehrmals dort. Ihren nächsten Trip zum Naturwunder will die Rentnerin nächstes Jahr unternehmen.
In der Wildnis: Carlos A. Freeman, Jimmie Angel (M.) und dessen zweite Frau Marie im Jahr 1939 mit Mitgliedern des Chirijara-Stammes in einem Camp am Rio Caura. Buschflieger Angel versorgte diese aufwendige Expedition durch die Hochebene Gran Sabana, zu der auch der Tafelberg Auyán-Tepui gehört, aus der Luft. Bergbauingenieur Freeman war einer von vier Leitern des Unternehmens.
Dünner Wasserstrahl: Der Salto Ángel zur Trockenzeit im Januar 2011, aufgenommen aus einem Flugzeug.