Entertainer in Haft: Der Fall Cosby - DER SPIEGEL
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Entertainer in Haft Der Fall Cosby

Bill Cosby sitzt wegen sexueller Nötigung im Gefängnis. Nun fordern seine Anwälte die Freilassung des 81-Jährigen: Der Richter brauche zu lange für die Urteilsbegründung. die Urteilsbegründung, argumentieren sie.
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US-Entertainer Bill Coby sitzt seit Monaten im Gefängnis - nun fordert er über seine Anwälte, gegen Kaution freizukommen.

Foto: Matt Rourke/AP
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Im September war er - fünf Monate nach seinem Schuldspruch wegen sexueller Nötigung in drei Fällen - zu drei bis zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Foto: Ricky Fitchett / dpa
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Richter Steven T. O'Neill verkündete in Pennsylvania das Strafmaß für den 81-Jährigen. Die Anwälte des TV-Stars wollen gegen das Urteil Berufung einlegen.

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Cosbys Aufstieg begann in den Sechzigerjahren als Stand-up-Komiker. Er trat in Klubs, unter anderem in San Francisco, Philadelphia und New York auf. Im Sommer 1963 hatte er einen Auftritt in der NBC-"Tonight Show". In der Folge veröffentlichte Warner Brothers 1964 Cosbys Debüt-Album: "Bill Cosby Is a Very Funny Fellow...Right!" Das Bild zeigt Cosby und seine Frau Camille bei den TV Academy Awards in Hollywood im Jahr 1965.

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1965 übernahm Cosby eine der beiden Hauptrollen in der TV-Serie "Tennisschläger und Kanonen". Für seine Darstellung des Alexander Scott gewann er als erster schwarzer Schauspieler im Jahr 1966 einen Emmy (Foto). Für dieselbe Serie wurde er noch zwei Mal ausgezeichnet. Außerdem erhielt er im Laufe seiner Karriere etliche weitere Auszeichnungen, unter anderem mehrere Grammys. Doch schon damals erhob eine 22-jährige Sekretärin einer Talentagentur den ersten Vorwurf sexueller Nötigung gegen Cosby.

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Cosby war nicht nur ein erfolgreicher TV-Star, sondern auch promovierter Pädagoge. Seinen Doktor machte er im Jahr 1976 - im Mittelpunkt der Arbeit stand seine eigene Serie "Fat Albert and the Cosby Kids" und ihr Einsatz im Schulunterricht. Mindestens sieben Frauen behaupten, Cosby habe sie Anfang der Siebzigerjahre unter Drogen gesetzt und vergewaltigt.

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Weltberühmt wurde Cosby dann in den Achtzigerjahren in der Rolle des gutmütigen Familienvaters Dr. Cliff Huxtable in der nach ihm selbst benannten "Cosby Show".

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201 Folgen von "The Cosby Show" liefen von 1984 bis 1992 auf NBC. Sie gilt als eine der erfolgreichsten US-Sitcoms. Im Zentrum der Serie stand eine afroamerikanische Mittelklassefamilie: Eine Neuheit im von weißen Darstellern dominierten US-Fernsehen. Während der "Cosby Show"-Jahre soll Cosby mindestens 16 Frauen unter Drogen gesetzt und sexuell genötigt haben.

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Cosby war über Jahrzehnte einer der beliebtesten TV-Stars des Landes und gern gesehen bei öffentlichen Ereignissen. Beim Playboy Jazz Festival im Jahr 1986 ließ er sich mit Sänger Mel Torme (Mitte) und Hugh Hefner ablichten.

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Etabliert in den höchsten Machtzirkeln: Immer wieder machte sich Cosby für die afroamerikanische Community stark. Das Bild aus dem Jahr 1991 zeigt ihn mit der damaligen First Lady Barbara Bush. Gemeinsam zeichneten sie Dorothy Height, Präsidentin der National Council of Negro Women, für ihr Engagement aus.

Foto: Mario Cabrera / AP
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Schulter an Schulter mit dem Präsidenten: Cosby als Redner im Weißen Haus - 1996 an der Seite des damaligen Präsidenten Bill Clinton bei einer Konferenz zum Thema Kinderfernsehen.

Foto: Joe Marquette / AP
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Cosby engagierte sich für Kinder, Bildung und Obdachlose - passend zu seinem Image als Saubermann.

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Cosby ist Vater von fünf Kindern: Zwei von ihnen sind bereits tot. Im Jahr 1997 wurde Cosbys Sohn Ennis auf offener Straße in Los Angeles erschossen (Foto). Seine Tochter Ensa starb im vergangenen Februar an einem Nierenleiden.

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Cosby, der Show-Mann: Gemeinsam mit Oprah Winfrey führte er im Jahr 2000 in New York durch die Essence Awards in der New Yorker Radio City Music Hall.

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Cosby bei einem Protestmarsch gegen die steigende Mordrate in Philadelphia 2007: Im selben Jahr erschien sein umstrittenes Buch "Come on people - On the path from victims to victors". Teile der schwarzen Community kritisierten Äußerungen wie: "Wir können nicht mehr die weißen Leute für alles verantwortlich machen."

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Cosby bekam zwischen 1992 und 2004 etliche Ehrendoktortitel verliehen, wie beispielsweise an der Universität von Connecticut im Jahr 1996. Sechs Frauen behaupten, Cosby habe sie in diesem Zeitraum sexuell genötigt.

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Viele Jahre galt Cosby - hier mit Ehefrau Camille - als Inbegriff des harmlosen, freundlichen Entertainers, moralisch unangreifbar - trotz der Vorwürfe, die gegen ihn im Raum standen. Im Jahr 2000 zeigte eine Schauspielerin ihn wegen sexueller Belästigung an. Die Vorwürfe blieben für Cosby zunächst folgenlos.

Foto: Jacquelyn Martin / AP
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Im Jahr 2014 kamen dann immer mehr Vorwürfe ans Licht, nachdem der Comedian Hannibal Buress auf der Bühne Witze gemacht hatte, wonach Cosby ein Vergewaltiger sei. Der Streamingdienst Netflix und der TV-Sender NBC stellten geplante Cosby-Projekte ein, Wiederholungen der "Cosby Show" wurden gestrichen. Universitäten zogen ihre Ehrendoktortitel zurück, Cosbys Stern am Walk of Fame wurde mit dem Wort "Vergewaltiger" beschmiert.

Foto: Victoria Will / Invision / AP
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Das neue Verfahren gegen Cosby nahm erst Fahrt auf, als Gerichtsunterlagen von 2005 freigegeben wurden. Ihnen ist zu entnehmen, dass Cosby gefragt wurde, ob er Drogen mit dem Ziel besorgt habe, sie jungen Frauen zu geben, mit denen er Sex haben wollte. Der Entertainer bejahte dies.

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Kurz darauf wurde entschieden: Cosby muss erneut wegen schwerer sexueller Nötigung vor Gericht. Konkret ging es um Vorwürfe, er habe 2004 Andrea Constand mit Pillen betäubt und sich dann an ihr vergangen. Das Foto zeigt Constand im Dezember 2015. Die Universitätsmitarbeiterin hatte ihn bereits 2005 verklagt. Cosby sagte unter Eid aus, Beruhigungsmittel für Sex mit Frauen einzusetzen. Beide Seiten einigen sich außergerichtlich auf eine ungenannte Summe.

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Im vergangenen Jahr kam Cosby nach jahrelangem Tauziehen vor Gericht - doch der Prozess endete ergebnislos: Die Jury in Norristown im US-Bundesstaat Pennsylvania konnte sich nicht auf ein Urteil einigen. Die Staatsanwaltschaft klagte Cosby erneut an - es kam wieder zum Prozess.

Foto: Charles Mostoller / REUTERS
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Cosby am 5. April nach Anhörungen zur Auswahl einer neuen Jury: Im neuen Verfahren schwang auch mit, dass durch die #MeToo-Debatte ein anderes gesellschaftliches Klima im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen herrschte.

Foto: Mel Evans / AP
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Zentraler Gegenspieler Cosbys war Staatsanwalt Kevin Steele. Er lud außer Constand fünf weitere Frauen als Zeuginnen vor, um ein generelles "Verhaltensmuster" zu belegen und Constands Aussage zu untermauern. Vielfach wird vermutet, dass die Aussagen dieser Frauen letztlich zum Schuldspruch beigetragen haben - auch wenn die mutmaßlichen Taten bereits verjährt sind.

Foto: Mark Makela / AFP
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Zu den Zeuginnen gehört auch das frühere Model Janice Dickinson. Sie wirft Cosby einen sexuellen Übergriff vor, der sich 1982 zugetragen haben soll.

Foto: Dan Steinberg / AP / dpa
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Im Sommer 2015 veröffentlichte das "New York Magazine" einen Artikel, in dem es 35 mutmaßliche Opfer Cosbys präsentierte. Das Model Chloe Goins behauptet ebenfalls, von Cosby unter Drogen gesetzt worden zu sein, um sexuelle Übergriffe zu vertuschen.

Foto: Nick Ut / AP / dpa
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Cosby mit Ehefrau Camille: Sie ist seit mehr als 50 Jahren mit dem Entertainer verheiratet. Zu den Schlussplädoyers begleitete sie den 81-Jährigen ins Gericht.

Foto: Matt Slocum / AP
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Cosby ließ sich von Staranwalt Tom Mesereau vertreten. Dieser kündigte nach dem Prozessende an, das Urteil nicht zu akzeptieren: "Wir glauben nicht, dass Herr Cosby wegen irgendetwas schuldig ist", sagte er.

Foto: Mark Makela / AFP
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Cosbys Verteidigung versuchte Constand (links) als Trickbetrügerin zu diskreditieren - erfolglos. "Heute können wir endlich sagen, dass der Gerechtigkeit genüge getan wurde", sagte Staatsanwalt Kevin Steele nach dem Urteil.

Foto: Brendan Mcdermid / REUTERS
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Nach dem Schuldspruch wechselte Cosby seine Verteidiger - Joseph Green (Mitte) und Peter Goldberger (r.) sollten ihn nun vertreten.

Foto: Brendan Smialowski / AFP
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Staatsanwalt Steele teilte mit, vor der Festlegung des Strafmaßes würden keine Frauen vor Gericht aussagen, wie Cosbys Taten ihr Leben beeinflusste.

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Zur Verhandlung über das Strafmaß kam auch Andrea Constand.

Foto: David Maialetti / AFP
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Auch Janice Dickinson erschien im Gerichtsgebäude in Norristown im US-Bundesstaat Pennsylvania.

Foto: AP/The Philadelphia Inquirer
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Nach der Verurteilung führten Polizisten den 81-Jährigen in Handschellen aus dem Gerichtssaal in Norristown in Pennsylvania.

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Die zuständige Behörde im Bezirk Montgomery County veröffentlichte kurz darauf dieses Polizeifoto von Cosby.

Foto: Uncredited/Montgomery County Correctional Facility/DPA
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