Erdbeben in Italien Viel versprochen, nichts gehalten
Der italienische Staat versagt regelmäßig, wenn es darum geht, die Bürger nach Erdbeben zu versorgen. Auch die Opfer der aktuellen Katastrophe auf der Urlaubsinsel Ischia können kaum auf schnelle, unbürokratische Hilfe hoffen.
Das Beben auf der Insel vor Neapel richtete am Montag große Schäden an, zwei Menschen starben.
Helfer in Amatrice im Oktober 2016: Vor einem Jahr zerstörte ein heftiges Erdbeben in Mittelitalien die kleine malerische Stadt Amatrice und weitere Ortschaften in der Umgebung. 299 Menschen starben, Tausende verloren ihr Zuhause.
"Niemand wird alleingelassen", hatte der damalige Regierungschef Matteo Renzi noch versprochen.
Von den benötigten rund 3800 Unterkünften stehen heute aber nicht einmal 500.
L'Aquila 2009: In der Hauptstadt der Abruzzen-Region waren am 6. April 2009 bei einem Erdbeben 309 Menschen ums Leben gekommen, die 70.000-Einwohner-Stadt wurde schwer beschädigt, teilweise zerstört.
Damals regierte noch Silvio Berlusconi Italien. Er versprach sogleich "ein Wunder": Tausende von neuen Wohnungen "binnen 100 Tagen".
Und tatsächlich, fast zweihundert zweistöckige Häuser ließ er in der Peripherie von L'Aquila zügig hochziehen, von ihm "new town" getauft. Allerdings war auch der bald einsetzende Zerfall der Berlusconi-Siedlungen rekordverdächtig. Manche Schnellbauten lösten sich auf, andere liefen voll Wasser, verloren Balkons. Schon bald zogen viele Bewohner, die irgendeine Alternative fanden, weg aus der "new town".