Erfinder, die durch ihre Erfindung starben - DER SPIEGEL
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Theorie gegen Fakten Fatale Selbstüberschätzungen

Den Stau im Pkw überfliegen? Vom Eiffelturm springen und heil landen? Immer wieder wollten Erfinder mit schrulligen Ideen die Welt verbessern und bezahlten dafür mit dem Leben. einestages erinnert an ihre Schöpfungen - von tödlichen Druckerpressen bis zum U-Boot, das sich selbst versenkte.
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Flug im Wagen wagen: Verkehrsstaus waren dem US-Ingenieur Henry Smolinski ein Gräuel. Darum erfand er Anfang der siebziger Jahre einen Weg, mit seinem Auto einfach über den Stau hinwegzufliegen. Er schuf den "AVE Mizar", einen umgebauten Ford Pinto, an den Flügel und Propeller einer Cessna Skymaster montiert werden konnten, um damit abzuheben. Auch lästiges Warten auf Taxis am Flughafen, so warb sein Unternehmen, entfielen auf diese Weise.

Doch die abnehmbare Bauweise ging offenbar zu Lasten der Stabilität: Bei einem Testflug am 11. September 1973 löste sich ein Flügel des sonderbaren Flugautos - und Smolinski stürzte in den Tod. Nach dem Unfall wurde die geplante Serienproduktion aufgegeben.

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Tödliche Sicherheitsmaßnahme: Eigentlich betrieb der gebürtige Österreicher Franz Reichelt Anfang des 20. Jahrhunderts nur eine kleine Schneiderei in Paris. Doch dann kam er eines Tages auf die Idee, eine Art Superheldenanzug zu nähen, den Piloten in Notfällen als Gleitschirm einsetzen sollten.

Am 4. Februar 1912 wollte der tollkühne Erfinder der erstaunten Öffentlichkeit die Flugfähigkeit seines Rettungsanzugs demonstrieren - indem er vom Eiffelturm sprang. Doch der "Fliegende Schneider", wie Reichelt später genannt wurde, flog keineswegs, sondern stürzte wie ein Stein zu Boden. Er war auf der Stelle tot.

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Erste und letzte Fahrt:1901 schien der Ire Thomas Andrews den Höhepunkt seiner Karriere als Schiffsarchitekt erreicht zu haben. Für die renommierte Werft Harland & Wolff in Belfast sollte er die Luxuskreuzfahrtschiffe der neuen Olympic-Klasse konstruieren. Am 2. April 1912 lief er mit dem bisher prächtigsten Schiff dieser Klasse - der "Titanic" - in Richtung New York aus.

Nachdem das Schiff am 14. April kurz vor Mitternacht mit einem Eisberg kollidiert war und zu sinken begann, erkannte sein Chefkonstrukteur schnell die Ausweglosigkeit der Lage. Als er zum letzten Mal gesichtet wurde, saß Andrews apathisch im Rauchsalon des Schiffs und starrte auf einem Gemälde die Schiffe im Hafen New Yorks an. Er versank mit seiner Schöpfung im eiskalten Nordatlantik (zeitgenössische Darstellung).

Foto: dpa
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Fataler Trick: Auf der ganzen Welt bekannt wurde der legendäre Zauberkünstler Harry Houdini Anfang des 20. Jahrhunderts durch seine spektakulären Entfesselungsnummern wie die Unterwasserbefreiung aus der sogenannten Chinesischen Wasserfolterzelle.

Doch zum Verhängnis wurde ihm eine andere Nummer: Houdini hatte eine Methode entwickelt, die es ihm angeblich erlaubte, beliebige harte Schläge auf seinen Bauch allein durch Anspannen seiner Muskeln ohne Blessuren zu überstehen. Im Oktober 1926 baten zwei College-Studenten in Montreal Houdini, seinen Trick vorzuführen. Er ließ sich bereitwillig mit heftigen Hieben traktieren.

Doch Houdini hatte scheinbar zu diesem Zeitpunkt an einer Blinddarmentzündung gelitten - und die Schläge führten zu einem Blinddarmriss. Unter großen Schmerzen wurde der Zauberer direkt nach seinem Auftritt ins Krankenhaus gebracht. Fünf Tage später, an Halloween, starb er an den Folgen der Verletzung.

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Gefährliche Geschwindigkeit: Der walisische Rennfahrer und Ingenieur John Godfrey Parry-Thomas wollte nichts sehnlicher als den Land-Geschwindigkeitsrekord brechen, den sein Konkurrent Malcolm Campbell aufgestellt hatte. Er konstruierte dazu eigens ein spektakuläres Fahrzeug, das er liebevoll "Babs" taufte. Und tatsächlich gelang es ihm, Campbells Rekord mit Hilfe von Babs am 27. April 1926 zu brechen.

Doch nachdem der den Rekord zurückerobert hatte, kam es zu einer fatalen Wiederholung von Parry-Thomas' Rekordfahrt: Bei dem Versuch, Campbell erneut zu übertrumpfen, riss eine der offen angebrachten Antriebsketten an den Rädern des Wagens - und enthauptete den Fahrer.

Foto: Getty Images
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Blutbad in der Druckerei: Eigentlich hätte die größte Gefahr, die von William Bullocks Erfindung ausging, schwarze Finger sein sollen. Der Amerikaner hatte um 1860 die Rollen-Rotationspresse erfunden, die den Zeitungsdruck revolutionierte.

Doch am 3. April 1867, bei der Installation einer seiner Maschinen in den Räumen des "Public Ledger" in Philadelphia, verfing sich Bullocks Bein in der Presse und wurde hineingezogen. Der Erfinder starb wenig später bei dem Versuch der Ärzte, sein verletztes Bein zu amputieren.

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Himmelsstürmer: 1891 wurde der deutsche Ingenieur Otto Lilienthal weltberühmt, als es ihm gelang, in einem selbstgebauten Fluggerät einen Gleitflug auszuführen. Über Jahre forschte er systematisch weiter an Flügelformen und Materialien und brachte mit dem "Normalsegelapparat" das erste in Serie gefertigte Flugzeug auf den Markt.

Nach Tausenden von Testflügen stürzte der Erfinder am 9. August 1896 bei einem seiner Gleitversuche aus 15 Metern Höhe auf den Boden und brach sich die Wirbelsäule. Einen Tag später erlag er seinen Verletzungen.

Foto: dpa
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Tonne des Todes: Acht Jahre lang hatte der tschechisch-kanadische Stuntman Karel Soucek an der Konstruktion seiner einzigartigen Sicherheitskapsel getüftelt. In ihrem gepolsterten Inneren, so der Plan, sollte er Stürze selbst aus gewaltigen Höhen unbeschadet überstehen. Und scheinbar funktionierte es: Am 3. Juli 1984 stürzte er sich in seiner Schutztonne von den Niagarafällen - und überlebte.

Sein Stunt machte ihn weltberühmt. Und so machte er sich an die Planung eines noch gefährlicheren Stunts: Am 19. Januar 1985 ließ er sich von der Spitze eines Stadions in Houston rund 55 Meter tief in ein Wasserbecken stürzen. Doch die Kapsel wurde zu früh fallen gelassen, kam ins Trudeln und schlug statt in der Beckenmitte auf dem Rand auf. Soucek erlag am nächsten Tag seinen schweren Verletzungen.

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Nasses Grab: Unnachgiebig verfolgte der US-Marine-Ingenieur Horace Lawson Hunley Mitte des 19. Jahrhunderts sein Ziel, das erste Kampf-U-Boot der Welt zu schaffen. Und tatsächlich schien es ihm zu glücken - mit der nach ihrem Schöpfer getauften "H.L. Hunley". Zwar war das Boot bei einer frühen Testfahrt überschwemmt worden und hatte fünf Menschenleben gefordert, doch davon ließ Hunley sich nicht beirren.

Bei einer weiteren Probefahrt am 15. Oktober 1863 sank sein U-Boot erneut. Alle neun Crew-Mitglieder, darunter der Konstrukteur selbst, starben. Und selbst nach Hunleys Tod blieb sein Untersee-Kampfboot vom Pech verfolgt: Das gesunkene Schiff wurde geborgen und erneut im Kampf eingesetzt.

1864 versenkte es dann zwar als erstes U-Boot der Schifffahrtsgeschichte erfolgreich ein feindliches Schiff - sank aber direkt danach ein drittes Mal.

Zeichnung von R. G. Skerrett, 1902

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Flugzeug statt U-Bahn: Der Traum des britischen Piloten Michael Dacre war es, eine Art fliegendes Taxi zu erfinden, das auf sehr kurzen Distanzen starten und landen kann. Und so erfand er das "Jetpod Airtaxi", ein äußerst kompaktes, achtsitziges Düsenflugzeug, das 2010 in Serienproduktion gehen und den Personenverkehr revolutionieren sollte.

Doch beim Jungfernflug am 16. August 2009 stürzte Dacre mit seiner Maschine 150 Meilen nördlich von Kuala Lumpur ab. Der 53-Jährige überlebte den Aufprall nicht.

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Nicht getürmt vor dem Unwetter: Der britische Kaufmann Henry Winstanley erboste sich Ende des 17. Jahrhunderts darüber, dass immer wieder Schiffe seiner Handelsflotte an den Eddystone Rocks vor Plymouth zerschellten. Da er ein vermögender Mann war, errichtete er dort 1696 kurzerhand einen großen Leuchtturm - das Eddystone Lighthouse.

Winstanley war so zufrieden mit seinem Werk und hatte solche Zuversicht in dessen Stabilität, dass er behauptet haben soll, dort den "größten Sturm aller Zeiten" erleben zu wollen. Und tatsächlich, als in einer Novembernacht 1703 der "Great Storm of 1703" die Eddystone Rocks traf - die schwerste Naturkatastrophe, die je Südengland heimgesucht haben soll -, war Winstanley in seinem Turm. Doch das Gebäude brach in sich zusammen und begrub seinen Bauherren unter sich.

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Tödliche Experimente: Weltberühmt wurde die französische Physikerin Marie Curie für die Entdeckung und Erforschung der Radioaktivität gemeinsam mit ihrem Mann Pierre. 1903 erhielt die gebürtige Polin dafür als erste Frau überhaupt den Nobelpreis für Physik - und 1911 den für Chemie.

Doch ihr langjähriger Umgang mit radioaktiven Elementen hinterließ seine Spuren: Am 4. Juli 1934 starb die Forscherin an einer Anämie - höchstwahrscheinlich ausgelöst durch die Strahlung, der sie bei ihrer Arbeit immer wieder ausgesetzt gewesen war.

Foto: AP
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Gesundheitsbewusst in den Tod: Jim F. Fixx gilt als einer der Initiatoren des Fitness-Booms in den USA während der siebziger Jahre. Mit seinem Bestseller "Das komplette Buch vom Laufen" brachte er den Amerikanern die Gesundheitsvorteile des regelmäßigen Joggens nahe und löste eine riesige Jogging-Modewelle aus. Das Joggen, so Fixx, erhöhe die Lebenserwartung.

Doch Fixx selbst wurde nicht alt: Am 20. Juli 1984 starb er mit nur 52 Jahren direkt nach einem seiner täglichen Läufe an einem Herzanfall. Bei der Obduktion wurde eine schwere Arteriosklerose aller drei Koronararterien festgestellt.

Foto: AP
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Rasender Forscher: Der österreichische Forscher Max Valier liebte Geschwindigkeit - extreme Geschwindigkeit. In den zwanziger Jahren wurde der Forscher zu einem der Pioniere des Raketenbaus durch die Erfindung des mit Flüssigkraftstoff betriebenen Raketenantriebs, hier spektakulär eingesetzt in seinem Raketenwagen "Valier RAK 6".

Doch seine Forschung wurde auch ihm zum Verhängnis: Am 17. Mai 1930 starb Valier, als es bei einem Test für einen Raketenantrieb zu einer Explosion kam.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 102-01338

Foto: Das Bundesarchiv/Georg Pahl
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Doppeltes Unglück: Der Chemiker Thomas Midgley jr. (rechts) brachte sich gleich zweimal mit seinen eigenen Erfindungen in tödliche Gefahr. Zum ersten Mal, als er 1921 das verbleite Benzin erfand. Zwar verkaufte sich sein Produkt blendend, doch nur zwei Jahre später erlitt er aufgrund seiner anhaltenden Arbeit mit dem Kraftstoffzusatz eine schwere Bleivergiftung - und musste seine Arbeit niederlegen.

Das Schicksal spielte ihm übel mit: Mit 51 Jahren erkrankte er 1940 an Kinderlähmung. Durch schwere Behinderungen eingeschränkt, ersann der unermüdliche Denker ein komplexes Seilzugsystem, das es anderen erleichterte, ihn aus seinem Krankenbett zu heben. Doch es wurde zur tödlichen Falle: 1944 verfing Midgley sich so unglücklich in dem Gewirr aus Seilen, dass es ihn strangulierte.

Foto: AP
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Blutiges Ende: Alexander Bogdanow (links) war nicht nur einer der führenden Denker des Bolschewismus und philosophischer Gegenspieler von Lenin (rechts), gegen den er hier während eines Besuches beim russischen Schriftsteller Maxim Gorki 1908 Schach spielt. Bogdanow zeigte auch reges Interesse an der Erforschung der Bluttransfusion, zu deren Ergründung er 1926 ein eigenes Institut gründete.

Bogdanow erhoffte sich, mit dem Blutaustausch eine Art medizinischen Jungbrunnen entdecken zu können. Nachdem er elf Transfusionen im Selbstversuch an sich durchgeführt hatte, war er begeistert über seine vermeintliche körperliche Verjüngung. Doch die zwölfte, durchgeführt im April 1928, kostete ihn sein Leben. Ob sein Tod auf eine infizierte Blutkonserve oder eine Unverträglichkeit der Blutgruppen zurückzuführen war, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?