Erfindung der Chipkarte, 1968: Ein Chip wird kommen - DER SPIEGEL
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Erfindung der Chipkarte, 1968 Ein Chip wird kommen

Ohne dieses clevere Stück Plastik geht im Alltag wenig, Chipkarten durchdringen unser Leben wie kaum eine andere technische Neuerung. Und wer hat's erfunden? Zwei deutsche Tüftler, anno 1968.
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Lebensgewohnheiten verändert: Chipkarten durchdringen heute unseren Alltag wie keine andere Erfindung der Neuzeit. Bank- und Kreditkarten stecken in fast jedem Portemonnaie, Mobiltelefone funktionieren nur mit SIM-Karten, Chipkarten öffnen Türen, registrieren Arbeitszeiten und rechnen Gebühren ab. Die "Urmutter" der Chipkarte wurde vor 50 Jahren zum Patent angemeldet.

Foto: imago stock&people
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Der hat's erfunden: Jürgen Dethloff (hier auf einem Foto von 1993) war Rundfunkmechaniker, Schiffselektroniker und Erfinder. "Identifizierungsschalter" nannte er sein 1968 angemeldetes Patent, das später als Chipkarte bekannt wurde. Die Mikroprozessorkarte, wie sie heute in Form von Telefon-, Kredit-, Bank- oder Gesundheitskarten in jeder Brieftasche zu finden ist, ließ Dethloff 1977 patentieren.

Foto: Bruno Struif
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Raketenspezialist und Informatiker: Helmut Gröttrup war der bedeutendste deutsche Raketenspezialist, den sich die Sowjetunion für ihr Weltraumprogramm sichern konnte. Er und seine ebenfalls verschleppten Kollegen, die während des Zweiten Weltkriegs in Peenemünde auf der Insel Usedom an der Entwicklung der V2-Rakete beteiligt waren, trugen erheblich zum Erfolg der sowjetischen Raketentechnologie bei, die im Oktober 1957 mit dem Start des ersten Sputnik-Satelliten in eine Umlaufbahn begann. Das Foto zeigt Gröttrup, wie er 1958 in Bremen das Grundprinzip der Rakete erläutert. Danach wandte sich Gröttrup der Informatik zu und erfand mit seinem Geschäftspartner Jürgen Dethloff die Chipkarte.

Foto: CC BY-SA 4.0 / Ursula Grttrup
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Mit PIN-Code: Der französische Wirtschaftsjournalist Roland Moreno, 1945 in Kairo als Sohn ägyptisch-jüdischer Eltern geboren und in Paris aufgewachsen, entwickelte die Idee von Dethloff und Gröttrup weiter. 1974 meldete er ein "System zur Speicherung von Daten in einem unabhängigen tragbaren Gegenstand" zum Patent an. Neu daran: Der Zugriff auf die Daten war erst nach Eingabe eines geheimen Codes möglich, der "Persönlichen Identifikations-Nummer" (PIN). Zu Beginn der Achtzigerjahre wurden die ersten Chipkarten nach diesem System als Telefonkarten in Frankreich erfolgreich erprobt. Moreno starb 2012.

Foto: Frederic REGLAIN/ Gamma-Rapho via Getty Images
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"Intelligente Chipkarte": Die US-Kreditkartengesellschaft Mastercard, die 1985 die von europäischen Banken gegründete Kreditkartenorganisation Eurocard erworben hatte, stellte im selben Jahr eine Kreditkarte mit einem Mikroprozessor-Chip vor.

Foto: Michel Lipchitz/ ASSOCIATED PRESS
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Rohstoff für Chips: Aus Silizium-Scheiben, sogenannten Wafern (englisch für Waffel oder Oblate), werden die integrierten Schaltkreise für Chipkarten hergestellt. Vor 50 Jahren hatten die Scheiben einen Durchmesser von 25 Millimetern, heute sind sie pizzagroß. Dadurch können 300-mal mehr Chips aus einer Scheibe gewonnen werden. Das Bild entstand 2005 in einer IBM-Fabrik in Essex Junction im US-Bundesstaat Vermont.

Foto: Toby Talbot / AP
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Staubfrei: Für Anwendungen in der Mikroelektronik, auch für die Chips, wird hochreines, monokristallines Silizium benötigt. In einem Reinraum des Halbleiterherstellers Infenion in Regensburg kontrolliert eine Mitarbeiterin in Schutzkleidung eine Siliziumscheibe, einen sogenannten Wafer. Um Strukturen in der Größenordnung von Mikro- oder gar Nanometern auf das Silizium aufzubringen, dürfen keine Verunreinigungen auf die Wafer gelangen (Foto von 2013).

Foto: Matthias Schrader/ AP
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Qualitätskontrolle: Auf einem Bildschirm werden die Chips auf Fabrikationsfehler untersucht, bevor sie in Plastikkarten eingebettet werden. Das Foto aus dem Jahr 1995 zeigt eine Prüfstelle bei der Münchner Firma Giesecke & Devrient, Deutschlands größtem Chipkartenhersteller.

Foto: DIETHER ENDLICHER/ Associated Press
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"Meine Daten gehören mir": Chipkarten können, wie "Big Brother" in George Orwells Roman "1984" über einen totalitären Überwachungsstaat, zu vielen "kleinen Brüdern" werden, die das Leben der Bürger auf Schritt und Tritt verfolgen. Als die Deutschen noch sensibel für den Datenschutz waren, liefen sie Sturm gegen die 1983 geplante Volkszählung - und das Bundesverfassungsgericht gab den Kritikern recht: Erst setzte es die Volksbefragung per einstweiliger Anordnung aus, dann proklamierte es am 15. Dezember 1983 in seinem Urteil das "Recht auf informationelle Selbstbestimmung" und verbot die Volksbefragung in der damals vorgesehenen Form.

Foto: Heribert Proepper/ AP
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Umstrittene Plastikkarte: Auf Drängen der Sicherheitsbehörden wurde 1987 in der Bundesrepublik ein maschinenlesbarer Personalausweis eingeführt. Kritiker befürchteten, mit Hilfe der Plastikkarte könnten häufig und schnell die Personalien mit den in diversen Behördencomputern gespeicherten Bürgerdaten abgeglichen und Bewegungsprofile der Bürger erstellt werden. Das Muster zeigt den damaligen Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann (CSU). Die Kennkarte enthielt allerdings keinen Chip; maschinenlesbar waren lediglich die beiden Zeilen am unteren Rand.

Foto: ullstein bild/ Sven Simon
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Ritschratschmaschine: Vollkommen mechanisch, ohne jegliche Elektronik, wurden früher Bezahlungen mit Kreditkarten abgerechnet. In das Plastik waren (wie auch heute noch) der Name des Karteninhabers und die Kartennummer erhaben eingeprägt. Der Verkäufer legte die Karte auf einen "Imprinter", darüber einen papierenen Formularsatz, und zog dann den oberen Teil des Geräts, ritschratsch, einmal hin und zurück, wodurch die Angaben auf der Karte auf den Abrechnungsbelegen abgedruckt wurden. Seit Kreditkarten mit Chips ausgestattet sind, kommen solche Geräte nur noch in seltenen Fällen zum Einsatz (Foto aus dem Jahr 1991).

Foto: imago/ Detlev Konnerth
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Schöne neue Welt oder Schreckensvision? Erst 1994, gut 25 Jahre nach der Patentanmeldung, begann der Siegeszug der Chipkarte richtig. Nun wurden gleich "hunderterlei Anwendungen" diskutiert, wie der Smartcard-Experte Bruno Struif feststellte. Manche Technikfreaks schwärmten schon davon, alle denkbaren Funktionen auf eine einzige Karte zu setzen; Kritiker warnten hingegen vor rechtlichen, ökonomischen und gesellschaftspolitischen Folgen. Der SPIEGEL beschrieb in einer Titelgeschichte Ende 1994 Euphorie und Kontrollängste. Erfinder Dethloff freute sich über den späten Erfolg: "Die Lunte brennt."

Foto: DER SPIEGEL
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Fingerprint-Erkennung: Die Firma Siemens entwickelte 1997 einen Berührungssensor, der das Eintippen von Geheimnummern überflüssig macht. Stattdessen genügt es, einen Finger an entsprechender Stelle auf eine Chipkarte zu legen. Die Karte meldet dann beispielsweise dem Geldautomaten, ob Benutzer und Karteninhaber identisch sind.

Foto: Siemens_Handout/ picture-alliance / dpa
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Müllschleusen: In einigen Städten wie hier in Saarbrücken wurden Chipkarten eingesetzt, um gerechtere Gebührensysteme für die Abfallbeseitigung zu testen. Statt pauschale Gebühren pro Wohneinheit zu erheben, kann damit der Müll nach Gewicht abgerechnet werden.

Foto: Werner_Baum/ picture-alliance / dpa
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Spielzeug: Auch in Kinderzimmer hielt die Chipkarte Einzug. Siemens entwickelte 1998 einen elektronischen Geschichtenerzähler. Der sogenannte Storyteller in der Größe eines Kinderweckers wird durch eine Chipkarte gesteuert, die oben in einen Schlitz gesteckt wird. Durch Sprachbefehle kann ein Kind das Gerät steuern, das Geschichten erzählt, Musik spielt oder Rätselfragen stellt.

Foto: Siemens/ picture-alliance / dpa
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Elektronische Stechuhr: Eine der vielen Anwendungsmöglichkeiten der Chipkarte ist die Erfassung der Arbeitszeit. So wird die Uhrzeit beim Betreten und Verlassen des Arbeitsplatzes gespeichert, was einen Anwesenheitsnachweis bei flexiblen Arbeitszeiten ermöglicht, hier während einer Testphase 1999 in einem Ministerium des Saarlandes.

Foto: Werner_Baum/ picture-alliance / dpa
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Miniaturisierung: Für Mobiltelefone und Tablets wurden immer kleinere SIM-Karten entwickelt. SIM steht für "subscriber identity module" (Teilnehmer-Identitätsmodul) und ist ein kleiner Prozessor mit Speicher. Heute gebräuchlich sind Micro SIM (15 x 12 mm) und Nano SIM (12,3 x 8,8 mm).

Foto: Bernd Thissen/ picture alliance / dpa
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Recycling-Kontrolle: Nach Einführung der Pfandpflicht für Einweggetränkeverpackungen im Jahr 2003 wurde am Brandenburger Tor in Berlin ein Container aufgestellt, in den Dosen und PET-Flaschen eingeworfen werden konnten. Per Chipkarte konnten die Menge des Leerguts und der Wert des Pfands registriert werden.

Foto: imago/ PEMAX
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Stimmkarten: Anstelle von Stimmzetteln aus Papier können Chipkarten auch für Wahlen und Abstimmungen verwendet werden. Bei einer Landesmitgliederversammlung von Bündnis 90/Die Grünen in Berlin 2013 wurden die Kandidaten für die Landesliste zur Bundestagswahl durch elektronische Abstimmungen aufgestellt. Die Delegierten steckten eine Chipkarte, die als Berechtigungsausweis diente, in ein elektronisches Abstimmungsgerät.

Foto: imago/ Jens Jeske
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Elektronische Krankenakte: Bereits 2006 sollte eine Gesundheitskarte mit Chip die 1995 in Deutschland eingeführte Versichertenkarte ersetzen. Doch die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte, die einen umfassenden Austausch von Informationen zwischen Patienten, Arztpraxen und Krankenhäusern ermöglichen soll und in deren Entwicklung bisher rund 1,2 Milliarden Euro investiert wurden, scheiterte bisher an datenschutzrechtlichen Bedenken: Bisher gibt es keine sichere Telematik-Infrastruktur für die sensiblen Gesundheitsdaten. Das Bild zeigt Chipkarten verschiedener Krankenkassen im Jahr 2012.

Foto: Robert Schlesinger/ picture alliance / dpa
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Electronic Cash: Längst üblich ist das bargeldlose Bezahlen an Supermarktkassen. Nach Angaben der Bundesbank werden inzwischen weniger als die Hälfte aller Einzelhandelsumsätze mit Scheinen oder Münzen getätigt. Oft muss man die Bank- oder Kreditkarte nicht einmal mehr in ein Lesegerät stecken: Supermärkte bieten Terminals für kontaktloses Zahlen mit Karte oder Handy an, und mit dem Cashback-Service kann man an der Supermarktkasse sogar Geld vom Konto abheben. Doch mit jedem Zahlungsvorgang erhalten die Handelsunternehmen Aufschlüsse über das Verbraucherverhalten - clevere Algorithmen können genaue Kundenprofile erstellen.

Foto: Daniel Karmann/ picture alliance / Daniel Karman
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