Erfindung der Cornflakes - DER SPIEGEL
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Erfindung der Cornflakes Doktor Kelloggs irre Anstalt

Wechselbäder, Gottesdienste, Sexentzug: Ende des 19. Jahrhunderts kämpfte John Harvey Kellogg in einem umstrittenen Sanatorium gegen den Verfall der Zivilisation und schlechte Ernährung. Durch Zufall erfand er die Cornflakes. Zum Welthit wurden die Flocken aber erst durch den Verrat des eigenen Bruders.
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Und eins, und zwei, und eins, und... Regelmäßige Gymnastik sollte den Kreislauf der Patienten in Schwung bringen - und die waren im Battle Creek Sanitarium nahezu jedem Alter anzutreffen. Hier ist eine Gruppe beim Workout mit Handgewichten zu sehen.

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Gesund werden in Battle Creek: Erstaunliche Behandlungserfolge vermeldete das Battle Creek Sanitarium unter Kelloggs Leitung. Kritiker allerdings meinten, das läge daran, dass ernsthaft Kranke erst gar nicht zugelassen wurden. "Viele der Leute sahen aus, als ob sie völlig in Ordnung wären", bemerkte der Journalist Julian Street bei einem Besuch im Jahr 1914. "In der Tat sah ich eine junge Frau, die so gut aussah, dass ich meine Augen nicht von ihr abwenden konnte."

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Gesunder Körper, gesunder Geist: Ganzheitliche Heilung war das Ziel der Therapie in Battle Creek. Ein Ansatz, der um die Jahrhundertwende (nicht nur) in den USA weit verbreitet war. "Jeder Aspekt des Lebens wollte beobachtet und kontrolliert sein", analysierte der Harvarddozent Charles E. Rosenberg. "Ernährung, Bewegung, Luft und Schlaf konnten alle im Lauf der Zeit krank machen oder aber, im Gegenteil, die Gesundheit erhalten."

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John Harvey Kellogg, der Mann und die Legende: Ernährungsreformer, Pionier, Quacksalber oder Despot? Seine unorthodoxen und oft zweifelhaften Ansichten (insbesondere zur Sexualität) brachten den Mediziner nicht selten auf Konfrontationskurs mit liberaleren Vertretern seines Berufsstandes. Auch seine religiösen Überzeugungen (Kellogg war Anhänger der Adventisten des Siebten Tages) und seine manchmal rassistischen Positionen konnten und wollten viele nicht teilen. Doch Dr. Kellogg war nicht der Mann, der sich von solchem Widerstand hätte bremsen lassen. Ohne sich mit Selbstzweifeln aufzuhalten, verfolgte er seine Mission.

Foto: Library of Congress / PD
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Willkommen in Wellville: 1993 machte der amerikanische Bestsellerautor T.C. Boyle John Harvey Kellogg zum Protagonisten seines Satireromans "The Road to Wellville". Der Roman wurde später verfilmt, mit Anthony Hopkins in der Rolle des exzentrischen Gesundheitsdoktors und Matthew Broderick (im Bild) als einer seiner Patienten.

Foto: ddp images
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Hydrotherapie: Ob als Fuß- oder Vollbad, Wickel oder Kompresse - John Harvey Kellogg glaubte an die heilende Kraft des Wassers und war ein überzeugter Vetreter dieser Naturheilmethode.

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Lichttherapie: Nicht nur Wasser, auch Licht war eine wichtige Grundlage in Dr. Kelloggs Behandlungsinstrumentarium. Dabei wurden sowohl natürliche Sonnenstrahlen als auch elektrische Lichtquellen genutzt. 1927 veröffentlichte Kellogg sein Buch "Light Therapeutics", in dem er in epischer Länge die Vorzüge der heilenden Wirkung des Lichts ausbreitete.

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Krankenhaus? Kaserne? Luxushotel? 1876, als John Harvey Kellogg den Posten als Direktor übernahm, stand das Battle Creek Sanitarium (damals noch Western Health Reform Institute) kurz vor der Schließung. Mit ihm stieg es zu einer der bekanntesten Kurkliniken des Landes auf. In ihren besten Zeiten betreute die Einrichtung mehr als tausend Patienten und beschäftigte 800 Mitarbeiter.

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Betreuung rund um die Uhr: Das Arbeitspensum der Klinikangestellten, Krankenschwestern und Ärzte war hoch. Will Keith Kellogg, der spätere Cornflakesmagnat und Bruder des Direktors, der seit 1880 ebenfalls in Battle Creek beschäftigt war, erinnerte sich an eine 120-Stunden-Woche.

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Männer unter sich: Auch für Unterhaltung war in Battle Creek gesorgt. Der "Men's Club" des Sanatoriums bei einer festlichen Zusammenkunft.

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In Schräglage: Weil nicht nur aktive Bewegung dem Muskelapparat hilft, führte John Harvey Kellogg Vibrierstühle und Massagebänke ein. Diese ergänzten die Gymnastikübungen, die die Patienten in den Turnstunden zu absolvieren hatten.

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Atemübungen: Gruppenaktivitäten verschiedenster Art prägten den Tagesablauf in Battle Creek: Ob kollektives Turnen, Spaziermärsche oder Rollstuhlgesellschaften - John Harvey Kellogg wusste, was der Gesundheit seiner Patienten förderlich war.

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Kochunterricht: Neben Cornflakes und Erdnussbutter gehörten auch Neuheiten wie "Nuttolene" und "Protose" zu den kulinarischen Erfindungen Kelloggs, die den Gästen in Battle Creek serviert wurden. Vegetarisch, nahrhaft und bekömmlich - das waren die von Kellogg verordneten Eckpfeiler des Klinikspeiseplans.

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Beim Essen: Der Speisesaal des Battle Creek Sanitariums war ein weitläufiger Raum. Als die U.S. Army die Anlage 1959 in ein "Federal Center" umwandelte, richtete sie dort einen Ballsaal ein.

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Sport und Spaß: In der geräumigen Turnhalle des Battle Creek Sanitariums konnten sich Patienten im Badminton unterweisen lassen.

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Die ideale Therapie: Beim Schwimmunterricht im Freien kamen die Klinikgäste in den Genuss gleich mehrerer gesundheitsfördernder Faktoren: Bewegung, Sonne und Wasser.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?