Erfindung des Mountainbikes Die Breitreifen-Bande
Alan Bonds in voller Fahrt: Als Erbauer vieler der frühen Bikes war Bonds einer der ersten Mountainbike-Freaks überhaupt - und ein furchtloser Rennfahrer, wie diese Aufnahme aus den späten siebziger Jahren beweist.
Ikonisches Bergpanorama: Charles Kelly (l.) und Joe Breeze pausieren am "Farewell Gap" im Mineral King Valley, Kalifornien. Die Bike-Pioniere benutzen hier bereits von Breeze selbstgefertigte Rahmen und spezielle Komponenten, die viele Attribute der modernen Mountainbikes vorweg nahmen.
Charles Kelly in Aktion: Der Anbau von Moto-Cross-Bremshebeln machte die Bikes kontrollierbarer und ermöglichte - die richtige Technik und eine gute Portion Mut verausgesetzt - höhere Kurvengeschwindigkeiten.
Robuste Bikes für die wilde Bergabhatz: Trommelbremsen und Gangschaltungen machten die Räder schon bald geländetauglich - zumindest ein bisschen.
Gegen die Uhr und das System: Von Polizei und Behörden unbedrängt starteten die Hippies des Marin Country bei San Francisco ihre eigene Revolution - auf zwei Rädern.
Tollkühne Piloten auf ihren modifizierten Bikes: Alan Bonds, Benny Heinricks, Ross Parkerson, Jim Stern und Charles Kelly posieren vor einem Rennen im Jahr 1977 mit ihren "Klunker"-Rädern.
Wer ist der Schnellste: Helme waren bei den Hippie-Rennen eher die Ausnahme, Arbeitshandschuhe und -Overalls mussten meist als Protektoren reichen. Auf den Schotterpisten des Mount Temalpais brachten die Pilote sich selbst und ihr Material an die Grenzen der Belastbarkeit - und regelmäßig darüber hinaus.
Der Rausch der Geschwindigkeit: Auf den Firetrails des Mount Temalpais erreichten die Bike-Freaks auf ihren fragilen Vorkriegsrädern enorme Geschwindigkeiten. Stürze waren, nicht zuletzt durch das mangelhafte Material, an der Tagesordnung. Von verbogenen Gabeln, qualmenden Bremsen und brechenden Lenkern genervt, begannen Gary Fisher, Joe Breeze und Co, schon bald, die Räder zu tunen: Es war die Geburtsstunde des modernen Mountainbikes.
Hippies in luftigen Höhen: Die Kunde von den Off-Road-Abenteuern der schrägen Vögel aus Nordkalifornien verbreitete sich Anfang der achtziger Jahre über die gesamten USA und zierte schon bald die Titel der einschlägigen Fachpresse.
Stahlrösser: Auf Basis ausgedienter Vorkriegsräder bastelte sich die Gang um Gary Fisher, Joe Breeze und Charles Kelly ihre "Klunker", die mit Schaltung, besseren Bremsen und Zubehör aus der Moto-Cross-Szene für die halsbrecherischen Talfahrten gerüstet wurden.
Immer noch der Bergkönig: Gary Fisher hält den Rekord auf dem "Repack"-Downhill-Rennen. In 4:22 Minuten absolvierte er knapp zwei Meilen über Schotter, Geröll und durch Haarnadelkurven. Noch heute produziert Fisher Räder unter seinem Namen, verkaufte aber während des Mountainbike-Booms Anteile seiner Firma an einen Fahrrad-Großkonzern und wurde dafür äußerst großzügig entlohnt. Fisher gilt als einer der Hippie-Urväter des Sports, die aus ihrer Erfindung den größten kommerziellen Nutzen gezogen haben.
Ein Trend geht um: Mit optimierten Rahmengeometrien, leichteren Materialien und speziell gefertigten Komponenten erinnerten die Räder Anfang der achtziger Jahre an die modernen Mountainbikes von heute.
Gegen die Uhr: Wie auf diesem Poster angedeutet, organisierten die Hippies sogar ein Zeitnahme-System für das "Repack"-Rennen. Den Rekord hält immer noch Bike-Urvater Gary Fisher.
Hippies hoch hinaus: Mit zunehmender Offroadtauglichkeit der Räder wuchs auch der Radius der Ausflüge der Gang aus Marin Country. Sogar bis nach Colorado verschlug es Mitglieder der Gruppe.
Retrotrend: Nachdem sich die modernen Mountainbikes technisch und optisch immer mehr Moto-Cross-Maschinen annähern, suchen viele Bike-Freaks den Weg zurück zu den Wurzeln. So ist inzwischen ein florierender Markt für "Klunker"-Replikas entstanden, die den Mountainbikes der siebziger Jahre nachempfunden sind.
Ankündigung zur Bergab-Hatz: Mit selbstgestalteten Plakaten warben die Organisatoren der legendären "Repack"-Rennen für den Wettbewerb am Mount Tamalpais. Ein eingeweihter Kreis von Gleichgesinnten brachte seine "Klunker"-Bikes auf die Spitze des Berges und das halsbrecherische Downhill konnte beginnen. Seinen Namen verdankt das Rennen dem Umstand, dass die Bremsen nach jeder Abfahrt so heiß wurden, dass das Fett aus den Naben lief - und diese neu befüllt ("repacked") werden mussten.
Spezialisierung: Explodierende Verkaufszahlen und immer neue Hersteller auf dem Markt verlangten nach Orientierung - schon bald tauchten deswegen die ersten Fachmagazine auf.
Heiße Reifen: Das "Repack"-Rennen zog seinen Titel aus der Tatsache, dass die simplen Rücktrittbremsen der Bikes während der Schussfahrt durch die staubigen Kehren regelmäßig überhitzten. Im Ziel mussten die Piloten die Naben dann neu mit Fett befüllen (englisch "to repack").
Historisches Schildwerk: Auf dem "Repack"-Downhill an der Flanke des Mount Tamalpais begann der Mountainbike-Trend, der sich in wenigen Jahrzehnten zum Multi-Millarden-Dollar-Business entwickeln sollte.
Die Helden von damals: Billy Savage, Alan Bonds, Charlie Kelly, Gary Fisher (v.l.) posieren im Jahr 2007 mit einigen ihrer Bikes von früher. Noch heute treffen sich die Radsport-Pioniere, von denen viele weiter im Marin County leben, zu Ausritten auf den Trails, auf denen sie vor knapp 30 Jahre, quasi aus Versehen, eine Revolution ins Rollen brachten, die die Radsportwelt auf den Kopf stellte.