Erfindung des Superhelden - DER SPIEGEL
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Erfindung des Superhelden Mehr Power!

Große Kraft, ganz große Auflage: Mit Superman fiel 1933 der Startschuss für das Goldene Zeitalter der Comics. Seinen 75. Geburtstag feiert Supis Heimatverlag mit einem wahrhaft übermenschlichen Bildband. Darin wird der allererste Superheld geehrt - und an so manchen durchgeknallten Comic-Heroen erinnert.
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Der erste Superheld der Comic-Geschichte: Mit dem Überraschungserfolg von Superman bei seinem Debüt in der ersten Ausgabe von "Action Comics" im Juni 1938 begann das Goldene Zeitalter der Comics. Superman war der erste Held mit übermenschlichen Kräften - und das Vorbild von ganzen Hundertschaften weiterer Superhelden.

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Ohne Worte: Die Superheldin Dolphin war ein wenig dezenter Versuch der DC-Kreativen, die Phantasien pubertierender Jungs zu bedienen. Das Delfinmädchen fiel als Kind von Bord eines Kreuzfahrtschiffes, wurde von einer mysteriösen Alien-Rasse vor dem Ertrinken gerettet - dafür aber für Experimente missbraucht, eine neue Unterwasser-Spezies zu erschaffen. Das Ergebnis: Dolphin entwickelte Kiemen und Schwimmhäute, alterte langsamer als der Mensch und war resistent gegen den Wasserdruck. Nur eines konnte die Super-Nixe in dem kurzen Jeanshöschen und dem wallenden, weißen Haar nicht: sprechen.

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Ein Mann wie ... naja: 1941 erblickte Plastic Man das Licht der Comic-Welt. Patrick O'Brian kann seit einem Unfall seinen Körper nach Belieben verformen. Der Super-Detektiv im knappen Gymnastikstrampler war als Parodie auf die damals sehr populären Superhelden, wie Batman oder Aquaman, entworfen worden. Obwohl "Plas" nie zu einem kommerziellen Erfolg wurde, hat er bis heute viele populäre Fans in der Comic-Branche - darunter "Maus"-Autor Art Spiegelman und Frank Miller.

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Supermans dunkles Gegenstück: Nach dem Erfolg von Superman gaben die Entscheider bei DC weitere Superhelden und maskierte Rächer in Auftrag. Der Zeichner Bob Kane lieferte einen Helden im Fledermausdress. Batman wurde zum zweiten Dauerbrenner des DC Verlags. Frank Millers stockdüstere Neuinterpretation des dunklen Rächers "The Dark Knight Returns" wurde in den achtziger Jahren zu einem Meilenstein der Comic-Geschichte.

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Nicht mehr nur super, sondern ultra: Bei den vielen Superhelden, die mit immer spektakuläreren Kräften die Aufmerksamkeit der Leser auf sich ziehen sollten, schossen manche Autoren über das Ziel hinaus. Hinter Ultra, dem Multi-Alien, etwa verbirgt sich der Astronaut Ace Arn, der in ferner Zukunft lebt. Bei einer Crashlandung auf einem Planeten in einem anderen Sonnensystem wird er von vier Aliens angegriffen, die ihn mit Laserpistolen beschießen. Nach dieser "Strahlenbehandlung" mutiert Arn zu einem Super-Alien, der über die übermenschlichen Fähigkeiten seiner vier außerirdischen Angreifer verfügt: Sein grün beharrter, rechter Oberkörper ist nun alien-stark, seine linke blaue Hälfte besitzt magnetische Kräfte. Mit seinem rechten Bein, an dem ihm Federn und kleine Flügel gewachsen sind, kann er fliegen. Sein linkes Bein verwandelt sich in einen Blitz.

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Nicht immer war mangelnde Popularität der Grund, warum Charaktere von der Bildfläche verschwanden. So wurde die Figur Spectre, ein Geschöpf vom Superman-Erfinder Jerry Siegel, Anfang der vierziger Jahre wieder aus dem Programm gekippt. Der mit göttlicher Macht ausgestattete Geist, der von sich selbst behauptete der personifizierte Zorn Gottes zu sein, war den Herausgebern einfach zu düster und rachedurstig.

Vergessen ist er deshalb noch lange nicht: Wie vielen anderen Helden bescherten auch ihm die späteren Autoren bis heute immer wieder Gastauftritte in ihren Comics.

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Fräuleinwunder: Die berühmteste weibliche Superheldin war lange Zeit Wonder Woman. Die Amazonenprinzessin mit dem unsichtbaren Flugzeug und ihrem goldenen Wahrheitslasso hatte viele Fans unter den Feministinnen. So hievte die Journalistin und Frauenrechtlerin Gloria Steinem die Heldin auf das Cover ihres Magazins "Ms." und forderte: "Wonder Woman for President".

Foto: Taschen Verlag
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Der unsterbliche Tote: Mitunter waren die Geschichten der Superhelden ziemlich abwegig. Deadman, der im Oktober 1967 sein Debüt gab, war der Geist eines Zirkusakrobaten, der bei einer Trapeznummer erschossen worden war. Die hinduistische Göttin Rama Kushna hält den "toten Mann" nun im Diesseits und verleiht ihm die Macht, in die Körper der Lebenden zu schlüpfen und diese vorübergehend zu beherrschen.

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Ein tierischer Held: Animal Man wurde 1965 erdacht, brachte es aber bis in die achtziger Jahre lediglich zu elf Auftritten in verschiedenen Comic-Serien. Dabei verfügte er über erstaunliche Kräfte: Durch die Berührung eines Tieres übernimmt er deren Fähigkeiten. So kann er fliegen wie ein Vogel, wird widerstandsfähig wie eine Kakerlake oder - kein Witz - schön wie ein Schmetterling.

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Wer war der Namenspate?: Den "Detective Comics" verdankt DC seinen Namen. Schließlich waren die Detektivgeschichten die erste Serie des Verlags. So lautet zumindest die offizielle Erklärung. Intern munkelte man allerdings, dass sich mit dieser Abkürzung Harry Donenfeld, der damalige Besitzer von DC, verewigen wollte.

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Die Flop-Five: Die "Inferior Five" hatten ein Problem, dass viele Kinder von Film- und Rockstars kennen. Sie waren einfach nicht so gut wie ihre Eltern. Die Söhne und Töchter berühmter Helden mussten das böse gemeinsam bekämpfen, weil keiner allein stark genug gewesen wäre. Das Superhelden-Quintett bestand aus dem fröhlichen "Merryman" im Narrenkostüm, dem tollpatschigen "Awkwardman", dem übergewichtigen "The Blimp" ("Das Luftschiff"), dem talentierten, aber sehr menschenscheuen und nervösen Bogenschützen White Feather und Dumb Bunny - der superstarken, aber leider auch superdämlichen Heldin unter den Fünf.

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Ein Mann für eine Stunde: Doctor Fate und der Hourman waren DC-Superhelden der ersten Stunde - und tauchten immer wieder im DC-Universum auf. Großer Erfolg war ihnen jedoch nie beschieden. Doctor Fate kann nicht nur fliegen, ist übernatürlich stark und unverletzlich. Er beherrscht auch die Kunst der Telepathie, Teleportation und der Telekinese - zumindest solange er den Helm des Magiers Nabu, seines Ziehvaters, trägt. Der Hourman hingegen muss sich einen Vitamin-Hormon-Cocktail spritzen, um für eine Stunde super zu sein.

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Superdrall: Achtung, Power Girl ist nicht zu verwechseln mit Supergirl! Beide können zwar aus eigener Kraft fliegen und verfügen über Superstärke. Das liegt daran, dass Power Girl der Gegenpart zu Supergirl in einem alternativen Universum ist. Dort rettet Power Girl die Welt allerdings in einem Kostüm mit tieferem Ausschnitt.

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Geflasht: Seit seine Geschichten in Deutschland veröffentlicht werden, hatte der rotkostümierte, superschnelle Flitzer schon drei verschiedene Namen. Seit den neunziger Jahren heißt er wie in den USA Flash, in den Siebzigern und Achtzigern wurde er Roter Blitz getauft - und als der 1940 erfundene Held in den sechziger Jahren das erste Mal hierzulande erschien, gaben ihm die Verantwortlichen bei Top Comics den beknackten Namen Blitzmann.

Foto: Taschen Verlag
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Der Insider: Paul Levitz steuerte die Texte zu "75 Jahre DC Comics: The Art Of Modern Mythmaking" bei. 35 Jahre hat er für DC gearbeitet. In dieser Zeit ist er nicht nur zum Präsidenten und Verlagsleiter aufgestiegen, sondern hat mehr als 300 Superhelden-Storys selbst verfasst.

Foto: Taschen Verlag
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