Erfindung des Vibrators - Bsssssssssssssssss - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Orgasmus gegen Hysterie Das etwas andere Haushaltsgerät

Er nannte ihn "Hammer": Ende des 19. Jahrhunderts ließ sich ein britischer Mediziner den ersten elektrischen Vibrator patentieren und beglückte damit vor allem seine männlichen Kollegen. einestages erzählt die Erfolgsgeschichte des surrenden Freudenspenders - und zeigt die sperrigen Modelle der Frühzeit.
1 / 19

Glück per Post: Mit dem Modell "Barker Universal" beglückte die US-Firma James Barker ab 1904 die Frauenwelt. Vermarktet wurden die Vibratoren üblicherweise per Postversand.

Das Foto wurde von Good Vibrations zur Verfügung gestellt.

Foto: Good Vibrations/www.goodvibes.com
2 / 19

Schweres Gerät: Einer der ersten Vibratoren für den Hausgebrauch stammt von der US-Firma Hamilton Beach. Geliefert wurde das Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte Gerät in einem schweren Koffer - inklusive verschiedener Aufsätze und einer ausführlichen Garantieerklärung. Muteten die frühen Vibratoren zunächst noch extrem wuchtig an,...

Foto: Good Vibrations/www.goodvibes.com
3 / 19

…wurden sie in der Folgezeit immer kleiner und handlicher. Mit einem hübschen Holzgriff versehen war der "Chic-Vibrator" von circa 1910.

Foto: Good Vibrations/www.goodvibes.com
4 / 19

"Kämpfer": In den siebziger Jahren feierte der Vibrator dank der Frauenbewegung ein fulminantes Comeback. Modelle wie dieser nimmermüde "Fighter" (hergestellt von der japanischen Firma Teranishi Electric Works Ltd., circa 1970) hielten Einzug in die Schlafzimmer.

Foto: Good Vibrations/www.goodvibes.com
5 / 19

"Vibration ist Leben": Der in den USA mit Abstand am häufigsten beworbene elektrische Lustspender des frühen 20. Jahrhunderts war der Vibrator mit dem christlichen Namen "White Cross", hergestellt von der Firma Lindstrom Smith aus Chicago. Das eher sperrige, mit verschiedenen Aufsätzen lieferbare Gerät…

Foto: Good Vibrations/www.goodvibes.com
6 / 19

…wurde mit blumigen Worten wie "Vibration ist Leben" beworben. Der hier gezeigte, keuscherweise am Kopf eines Stuhls montierte Freudenspender richtete sich an Frauen wie Männer und wurde als stark gesundheitsfördernd angepriesen: "Reichhaltiges, rotes Blut wird durch Ihre Venen gepumpt, und Sie werden die Freuden eines gesunden Lebens entdecken", verhieß die Zeitungsanzeige von 1916.

7 / 19

Handbetriebenes Modell: "Macaura's Blut-Zirkulator" nannte sich dieser handbetriebene Vibrator, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Mode kam.

8 / 19

"Gesundheit und Schönheit": Dieses Vibrationsgerät der Firma Andis Clipper Co. ("Model AV") von circa 1934 richtete sich an Männer und Frauen und versprach beiden "Schönheit und Gesundheit".

9 / 19

"Beckendusche": Vor der Erfindung des Vibrators existierten eine Reihe von Therapieformen, um "hysterische" Patientinnen zu behandeln - unter anderem diese sogenannte Beckendusche (Illustration von circa 1860).

Zahlreiche Heilbäder verfügten über die Apparatur, bei der die Frauen ein starker Wasserstrahl ereilte. Hatten sich die Patientinnen erst einmal an das kalte Wasser gewöhnt, wollten sie gar nicht mehr aufhören und hielten sich mitunter nicht an das vorgeschriebene Zeitlimit von vier bis fünf Minuten, schrieb der französische Arzt Henri Scoutetten im Jahr 1843.

10 / 19

Haushaltshelfer: Der Erfinder Percy O. Deringer ließ sich diesen elektrischen Vibrator im Dezember 1936 patentieren - nachdem er im Jahr zuvor einen neuartigen Toaster entwickelt hatte.

11 / 19

Therapeutisches Reiten: Zur Behandlung der an "Hysterie" erkrankten Frauen empfahlen Ärzte unter anderem ausgiebige Ausritte mit dem Pferd.

Wer keines hatte, konnte sich ein solches Gerät anschaffen. Das sanfte Rütteln auf dem Pferdesimulator, möglich in den Abstufungen Schritt, Trab und Galopp, wurde als medizinische Therapie anerkannt, die, wie diese Zeitungsannonce von circa 1900 versprach, gegen Adipositas und Gicht genauso wirke wie gegen Hysterie. Sogar die Prinzessin von Wales höchstpersönlich habe diesen "Horse Action Saddler" bestellt, rühmt sich die Werbeanzeige.

12 / 19

Modell Arnold: "Hält die Frauen jung und die Familie gesund" - Werbung für den elektrischen Massagevibrator "Arnold" von 1913.

13 / 19

Geteilte Freude: Blick in ein US-amerikanisches Arztzimmer von circa 1904, in dem mehrere Patientinnen auf einmal gegen "Hysterie" behandelt werden konnten. Doch auch Männer kamen in den Genuss einer Vibrator-Therapie, galten elektrisch erzeugte Schwingungen in jener Zeit doch als Wunderwaffe gegen alle möglichen Leiden - von Verstopfung über Haarausfall bis hin zu Impotenz.

14 / 19

Archaischer Freudenspender: Zeichnung des ersten elektrischen Vibrators von 1883. Das Gerät erinnert an einen Bohrer, der per Kabel mit einer wuchtigen Batterie verbunden war. Entwickelt hatte den Apparat...

15 / 19

...der britische Arzt Joseph Mortimer Granville (1833-1900), hier auf einer undatierten Aufnahme. Sein Vibrator wurde von John Weiss & Son hergestellt: einer auf den Bau medizinischer Geräte und Instrumente spezialisierten Firma.

16 / 19

Trauriger Akt: Nicht gerade fröhlich wirken Arzt und Patientin auf diesem historischen Plakat, mit dem das Berkeley Repertory Theatre in Kalifornien im Februar 2009 für sein neues Stück warb. Es heißt "In the next Room (or the Vibrator Play)", stammt aus der Feder von US-Dramatikerin Sarah Ruhl - und kreist, wie der Kinofilm von Tanya Wexler, um die Entwicklung des elektrischen Vibrators.

17 / 19

Werbegag: Um die Damenwelt zum Kauf eines Staubsaugers zu animieren, hat sich dieser Hersteller den Namen "Vibrator" für sein Modell ausgedacht - erhältlich für 14,95 Dollar (undatierte Illustration).

18 / 19

"Nützlich und befriedigend": Mit dem Slogan "Hilfen, die jede Frau zu schätzen weiß", warb die US-Firma Sears, Roebuck and Company 1918 für ihre elektrischen Haushaltsgeräte. Dazu gehörten unter anderem Nähmaschinen, Ventilatoren, Mixer - und Vibratoren. Etwa der oben abgebildete "hübsche, kompakte Vibrator" für 5,95 Dollar, der als "sehr nützlich und befriedigend für den Hausgebrauch" angepriesen wurde.

19 / 19

"In guten Händen": Szene aus dem Kinofilm "In guten Händen" von US-Regisseurin Tanya Wexler über die Historie des Vibrators. Stolz hält Schauspieler Hugh Dancy alias Joseph Mortimer Granville seine Kreation in den Händen, es assistiert, ebenfalls mit alberner Schutzbrille, Jonathan Pryce alias Dr. Dalrymple.

Foto: dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?