Erfolgsgeschichte Kathi Aufback Ost
Kuchen aus dem Karton: Das DDR-Unternehmen "Kathi Nährmittelfabrik Kurt Thiele" wurde 1951 als Familienbetrieb gegründet und schnell bekannt als erster deutscher Hersteller einer Backmischung. Daneben produzierte Kathi auch kochfertige Suppen, Saucen oder Kuchenmehl her. Werbeplakat von 1957.
Signatur im Bundesarchiv: Plak 103-017-016
Zum digitalen Bildarchiv des Bundesarchivs
Die Gründer: Der Firmenname "Kathi" setzt sich aus dem Vor- und Nachnamen von Käthe Thiele zusammen (hier im Bild mit Ehemann Kurt). Während Käthe, ohne studiert zu haben, eine kreative Produktentwicklerin wurde, kümmerte sich ihr Mann um den kaufmännischen Teil des Unternehmens.
Rainer Thiele: Das einzige Kind der Unternehmensgründer Käthe und Kurt Thiele kämpfte nach der Wende 1989 monatelang darum, den Betrieb wieder in Familienbesitz zu bekommen - und wurde 1991 neuer Firmenchef von Kathi (Foto von 2001). Im Jahr 1972 hatte die DDR das erfolgreiche Familienunternehmen entschädigungslos enteignet.
Im Back-Labor: Zwei Kathi-Mitarbeiterinnen testen im Labor in Halle eine neue Rezeptur (Foto von 1998). Während nach dem Mauerfall das Massensterben traditioneller Ost-Marken begann, konnte Kathi schon 1991 schwarze Zahlen schreiben und seinen Umsatz in den Jahren danach deutlich steigern. Heute hat das Unternehmen aus Halle 90 Mitarbeiter.
Schneller Erfolg: Ende März 1951 wird das Unternehmen Kathi in Halle an der Saale gegründet. Anfangs produzieren Firmengründer Kurt und Käthe Thiele ihre Backmischungen einfach in einer Garage ihres Mietshauses. Wegen des großen Erfolgs ihres kleinen Betriebs müssen sie aber bald umziehen und legen einen größeren Firmensitz an. Die Aufnahme stammt vom Anfang der fünfziger Jahre.
Kreativität aus Not: Weil es in der DDR häufig an Zutaten für Kuchen mangelte, kam Käthe Thiele auf die simple Idee, alle Bestandteile für einen Kuchen irgendwie in eine Tüte zu packen und haltbar zu machen. Daraus entwickelte die Autodidaktin 1951 die erste deutsche Backmischung - zwei Jahrzehnte, bevor die westdeutsche Konkurrenz mit solchen Produkten auf den Markt drängte.
In dritter Generation: 1991 übernahm Rainer Thiele (links, mit Sohn Marco) die Geschäftsführung von Kathi und übergab die Firmenleitung vor wenigen Jahren an seine Söhne. Heute ist Thiele stolz darauf, dass Kathi die Wendezeit als Familienbetrieb überlebt hat, ohne von einem Großinvestor aufgekauft zu werden. Im Hintergrund die Porträts der Firmengründer Käthe und Kurt Thiele.
"Koche und backe mit Kathi": Kuchenmehle sowie Pulver für Suppen und Katoffelklöße gehörten seit Beginn der fünfziger Jahre zu den Produkten der Kathi-Nährmittelfabrik - und wurden so beliebt, dass sie in der DDR als "Bückware" galten.
Sorgloser Auftakt: In den ersten Jahren nach Gründung der DDR schien der Staat Privatunternehmen und Familienbetriebe mit Eigenkapital einfach wirtschaften lassen - trotz ideologischer Widersprüche. Doch ab Mitte der fünfziger Jahre zog das Regime die Zügel an; viele mittelständische Betriebe, darunter auch Kathi, wurden verstaatlicht und enteignet.
Arbeitsteilung: Ein Mitarbeiter von Kathi (Foto aus den fünfziger Jahren) neben einem Lkw seiner Firma. Während Kurt Thiele sich um das Kaufmännische kümmerte, war seine Frau Käthe für die Produktentwicklung zuständig. Um über die Not der Nachkriegszeit zu kommen, hatte sie schon 1948 angefangen, eigene Lebensmittelkreationen zu entwerfen.
Der "Dr. Oetker des Ostens": Eine Mitarbeiterin in der Produktionsabteilung der Firma Kathi in Halle (undatiertes Foto). In Ostdeutschland schaffte es Kathi, schon wenige Jahre nach der Wende wieder Marktführer zu werden. In ganz Deutschland ist das einstige DDR-Unternehmen unter den Herstellern von Backmischungen die Nummer drei hinter der westdeutschen Konkurrenz von Dr. Oetker und Ruf.