Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg - DER SPIEGEL
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Familiengeschichte Das Überleben war der Motor für alles Weitere

Ihre Tante wurde hingerichtet, ihr Vater erzählte von nächtlichen Feuergefechten an der Ostfront: Marianne Wellershoff spürte den Weltkriegserlebnissen ihrer Eltern nach - bis sie selbst nicht mehr wusste, ob sie sich als Nachfahre der Opfer oder der Täter fühlen sollte.
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Familie: Dieter Wellershoff sitzt mit seinen Eltern auf der Terrasse des Wohnhauses der Familie in Grevenbroich. Seine Mutter war an Politik nicht interessiert.

Foto: Dieter Wellershoff/supposé Verlag
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Dieter Wellershoff: Marianne Wellershoffs Vater meldete sich mit 17 Jahren 1943 freiwillig zur Wehrmacht. Die Aufnahme zeigt ihn im Sommer desselben Jahres als Rekrut in Holland. Er wollte vermeiden, von der SS eingezogen zu werden, die bereits auf ihn aufmerksam geworden war.

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Posieren für den Fotografen: Das Titelblatt der "Berliner Illustrierten Zeitung" vom November 1943 zeigt Hermann Göring während eines Besuchs der nach ihm benannten Panzerdivision. Dieter Wellershoff hatte sich freiwillig zur Panzerdivision Hermann Göring gemeldet.

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Walter Wellershoff: Marianne Wellershoffs Großvater Walter in Uniform. Als Leiter des Grevenbroicher Bauamts war er in der NSDAP, im Ersten und im Zweiten Weltkrieg diente er als Offizier.

Foto: Dieter Wellershoff/supposé Verlag
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Kindliche Faszination: Dieter Wellershoff mit seinem Bruder Hans Walter, aufgenommen 1939. Marianne Wellershoffs Vater war Jungvolkführer und von den Uniformen der älteren Jungs an seiner Schule beeindruckt.

Foto: Dieter Wellershoff/supposé Verlag
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Maria von Thadden: Marianne Wellershoff beschreibt ihre Mutter, hier als Studentin im Jahr 1942, als "blond, mit ebenmäßigen Gesichtszügen, so schön und deutsch, als hätte ein Nazi-Ideologe sie entworfen".

Foto: Maria Wellershoff/DuMont Verlag
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Adolf von Thadden: Der Mitbegründer und Vorsitzende der NPD hält auf einer Parteiveranstaltung am 1. Oktober 1968 eine Rede. Der ältere Bruder von Marianne Wellershoffs Mutter sorgte mit seiner politischen Gesinnung und seinem widersprüchlichen Verhalten für Entsetzen und Verwirrung in der Familie. Zum einen stand er bereits während des Kriegs den Nazis nahe, zum anderen war eine seiner besten Freundinnen Halbjüdin.

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Literarische Aufarbeitung: Dieter Wellershoff, rechts, mit Günter Grass am 10. September 1964 bei einer Tagungspause des Jahrestreffens der Gruppe 47 in der schwedischen Stadt Sigtuna. Nach dem Krieg studierte Wellershoff in Bonn unter anderem Germanistik, promovierte 1952 und arbeitete im Anschluss als Redakteur und freier Autor. Als freier Schriftsteller hat er sich mit seiner Zeit bei der Wehrmacht auseinandergesetzt.

Foto: dpa
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Pommerscher Landadel: Die Kinder der Familie von Thadden posieren 1932 im heutigen Polen, von links Ado, Gerhard, Baba, Maria und Mona. Marianne Wellershoff schreibt über die Vorfahren ihrer Mutter: "Meine Mutter Maria von Thadden stammt aus sehr evangelischem pommerschem Landadel. Sie war nicht mal im Bund Deutscher Mädchen. Ihre Familie hielt die Nazis für abscheuliche Proleten und politisch für unerträglich."

Foto: Maria Wellershoff/DuMont Verlag
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Marianne Wellershoff: Die 1963 geborene Journalistin ist Ressortleiterin des KulturSPIEGEL und hat sich mit der Rolle ihres Vaters, des Schriftstellers Dieter Wellershoff, im Zweiten Weltkrieg kritisch auseinandergesetzt.

Foto: Torsten Kollmer
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?