Beate Uhse Pilotin, Unternehmerin, Sauberfrau des Sex
Familienfreuden: Uhse posiert mit ihren Söhnen Klaus, Ulrich und Dirk (von links) in ihrem Haus in Flensburg. Klaus und Dirk führten ab 1981 das Versandgeschäft eigenständig weiter, Beate und Ulrich kümmerten sich ums Filmgeschäft. Die Unternehmerin stilisierte sich nach dem Krieg zur Aufklärerin der Nation - lange Jahre zehrte die Firma vom
Jay Ullal/ action press
Fortschrittlich: Beate Uhse, geboren am 25. Oktober 1919 in Wargenau (Ostpreußen), träumte schon als Kind davon, einmal Pilotin zu sein. Sie überführte im Zweiten Weltkrieg als Hauptmann der Luftwaffe Jagdflugzeuge an die Front. Im April 1945 flüchtete Uhse zusammen mit ihrem Sohn Klaus in einem von ihr geflogenen Flugzeug von Berlin aus nach Schleswig-Holstein. Dort wurde sie für sechs Wochen in britischer Kriegsgefangenschaft gehalten.
Tüchtige Geschäftsfrau: Beate Uhse bei einem Meeting mit ihren Mitarbeitern (Foto von 1973). Sie umgab sich am liebsten mit Männern - Frauen hielt sie für die schlechteren Arbeitnehmer und setzte sie bei wichtigen Aufgaben ungern ein.
An der Frankfurter Börse: Firmengründerin Beate Uhse mit zwei rotgewandeten Aktienfeen (Foto von 1999). Der SPIEGEL notierte damals: "Zum Start der Beate-Uhse-Aktie fand am vergangenen Donnerstag zusammen, was zusammengehört: Aktienmarkt und Sexgeschäft. Beide sind erfahren im Rein-und-Raus-Spiel, kommen ungern zu früh oder zu spät und wissen um die blutdruckfördernde Wirkung von Höhepunkten."
Verhüterli gegen den Nationalpark: 1999 wurde Beate Uhse kritisiert wegen ihres Engagements für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Demonstranten organisierten einen Autokorso von Tönning zur Flensburger Zentrale des Erotikkonzerns.
Teamwork: Beate Uhse und ihr Sohn Ulrich 1970 im Versandhaus. Gemeinsam entwickelten sie Ideen für das Unternehmen, so etwa die Kataloge und Kampagnen - das letzte Wort hatte jedoch immer die Chefin. Uhse erklärte in einem "Bunte"-Interview das Pornogeschäft so: "Es gibt in Deutschland keine Tabus mehr. Der Reiz des Verbotenen oder des Neuen ist dadurch längst vergangen. Heute ist Sex ein Geschäft, nichts anderes. Liebe gehört in eine andere Schublade."
Ruhezone: Ihr Haus in Flensburg war für Beate Uhse immer ein Rückzugsort (Aufnahme von 1970). Insbesondere die Arbeit in ihrem großen Garten oder kreative Beschäftigungen wie Malen und Lesen gaben der Unternehmerin die Möglichkeit, sich von ihrem anstrengenden Alltag zu entspannen.
Sportskanone: Uhse vor ihrem Privatjet (undatierte Aufnahme). Zu ihren Hobbys gehörte neben der Fliegerei Tennis, Skilaufen, Fallschirmspringen und Golfen - noch mit 75 Jahren machte sie ihren Tauchschein. Obwohl sie sich aus der Firma zurückgezogen hatte, schaute sie dort jeden Tag nach dem Rechten.
Revolutionär: Beate Uhse eröffnete 1962 in Flensburg ihr "Fachgeschäft für Ehehygiene", den ersten Sexshop der Welt. Auf Anraten ihres Anwaltes legte sie das Eröffnungsdatum ihres Geschäfts auf Weihnachten, da zur Weihnachtszeit keine Übergriffe empörter Bürger zu befürchten seien. Schnell tauchten in vielen deutschen Städten neue Filialen auf - so wie hier in Hamburg (Foto von 1970).
In Szene gesetzt: "Yvette" und "Germaine" waren nur ein kleiner Teil des großen Beate-Uhse-Sortiments (Werbung aus den Fünfzigerjahren). Diese "reizvollen Modelle" aus "duftig-zartem Perlon" und "leichten Schleifen" sollten die Erlebnisse in deutschen Schlafzimmern verbessern. Die Werbetexte in den Katalogen schrieb die Unternehmerin stets selbst.
Grande Dame der Erotik: Beate Uhse verstecke sich nicht hinter einem Pseudonym, sondern stellte sich in ihrem Katalog als "glückliche Ehefrau und Mutter von vier Kindern" vor und lieh der Marke von Anfang an ihr Gesicht. Was viele nicht wissen: Nicht der Sex-Versand, sondern das Fliegen war Uhses größte Leidenschaft. Das Foto zeigt sie 1972 in einer Cessna.
International: Als in Berlin die Mauer fiel, erkannte die Unternehmerin sofort, welche Chancen auf dem noch unerschlossenen DDR-Markt warten. Kurz nach der Öffnung der deutsch-deutschen Grenze besuchten zahlreiche Ostdeutsche Uhses Geschäfte - dieses Foto entstand im Dezember 1989 in der Berliner Kantstraße.
Die Führungsetage: Beate Uhse, ihr Sohn Ulrich (links) sowie ihr Stellvertreter und ehemaliger Versandchef Hans-Werner Melzer vor der Unternehmenszentrale in Flensburg. Melzer war es, der nicht nur den Mythos "Beate Uhse" professionalisierte, sondern auch den Weg des Unternehmens ins Pornogeschäft ebnete.
Sex sells: Im Mai 1999 ging Beate Uhse mit ihrem Unternehmen an die Börse - mit gigantischem Erfolg. Bereits am ersten Tag verdoppelte sich der Wert der Aktien und brachten dem Unternehmen einen Gewinn von knapp 120 Millionen D-Mark.
Vom Internet verdrängt: Beate Uhse (hier ein Shop in Bonn) büßte in den vergangenen Jahren stetig an Umsatz und Gewinn ein, mittlerweile hat das Unternehmen mehrmals Insolvenz angemeldet - was die Erotik-Königin selbst jedoch nicht mehr mitbekam, denn Uhse starb 2001 im Alter von 81 Jahren an einer Lungenentzündung.