Erstaunliche Speisekarten - DER SPIEGEL
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Erstaunliche Speisekarten Iss mal was Anderes

Irr lachende Eier und nackte Frauen auf Goldfischen: Beim Buhlen um Kunden zogen Restaurantbetreiber bei der Gestaltung ihrer Speisekarten früher alle Register. Manche setzten auf berühmte Designer - andere auf so unanständige Motive, dass ihre Lokale nicht mehr jugendfrei waren.
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Irritierend: Presst diese Dame im Adamskostüm tatsächlich Champagner aus ihrem Busen auf die kleinen Herren zu ihren Füßen? Diese Grafik von 1935 auf der Speisekarte des New Yorker French Casino überraschte mit ihrer Frivolität.

Foto: Taschen Verlag
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"Neger-Hühnchen Gasthaus": Die Karte des Coon Chicken Inn in Seattle war eine erfolgreiche Imbisskette - an der Karikatur des Schwarzen auf der Karte und dem rassistischen Namen des Etablissements störten sich in den dreißiger Jahren offenbar nur Wenige.

Foto: Taschen Verlag
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Darf's ein bisschen Meer sein: Die Menükarte des Bimbo's 365 in San Francisco von 1963 zeigt die größte Attraktion des legendären Clubs - Dolfina, eine nackte Schönheit, die dank eines optischen Tricks aussah, als würde sie in einem Fischglas schwimmen.

Foto: Kollektion Jim Heimann / Taschen Verlag
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Echt fettes Logo statt Schlankheitswahn: Die Drive-In-Kette Fat Boy warb mit einem dicken, kleinen Jungen für seine Double Hamburger, die die Gründer des Fast-Food-Restaurants - Bob Wian und Arnold Peterson - 1936 im kalifornischen Glendale erfunden hatten.

Foto: Taschen Verlag
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Ein Lächeln am Morgen: Das Northern Hotel in Billings, Montana, beauftragte 1963 den Zeichner Richard Bell damit, das Cover der Frühstückskarte zu illustrieren. Es entstand dieser Smiley aus den Zutaten einer der liebsten US-Frühstücksspeisen - Spiegeleier mit Bacon.

Foto: Taschen Verlag
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Königliches Mahl für einen Präsidenten: Zu Ehren des 17. US-Präsidenten Andrew Johnson wurde am 11. September 1866 für ihn und sein Kabinett ein Bankett im Louisville Hotel, Kentucky, gegeben. Hier wurde scheinbar aufgetragen bis sich die Tischplatte bog. Noch vor der Hauptspeise konnten die Gäste unter 15 unterschiedlich zubereiteten Sorten Austern wählen.

Foto: Taschen Verlag
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Zum begossenen Pudel: Manche der schönen Speisepläne sind heute Gedenktafeln für einst berüchtigte Lokalitäten. Etwa das Original Poodle Dog, ein sechsgeschössiges Nobelrestaurant in San Francisco, das zwar nach dem verheerenden Erdbeben 1906 wieder aufgebaut wurde, doch die Prohibition in den zwanziger Jahren nicht überstand. "Herausragendes Essen", stellte der Koch Calixte Lalanne verzweifelt fest, "kann nicht ohne Wein serviert werden".

Foto: Taschen Verlag
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Ein Lügner lädt zum Dinner: 1937 kam ein litauischer Immigrant namens Harry Gerguson in die Filmstadt Los Angeles - und beschloss selbst eine Rolle zu spielen. Er behauptete einfach, er sei Prinz Michael Romanoff, Cousin des Zaren von Russland - und wurde zum Liebling Hollywoods.

1941 eröffnete er am Rodeo Drive das Romanoff's. Zu seinen Geldgebern gehörten Cary Grant und die Produzenten Darryl Zanuck und Jack Warner. Das Lokal wurde zum Treffpunkt der Filmstars - und er konnte das geliehene Geld innerhalb eines Jahres zurückzahlen. Das Foto auf der Menükarte zeigt natürlich - den Prinzen selbst.

Foto: Kollektion Jim Heimann / Taschen Verlag
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"Irgendwo in Frankreich": Das Menü zu einem Thanksgiving-Essen des 94. Jagdgeschwaders während des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918. Wo genau in Frankreich allerdings dieses Mahl mit Schweinebraten, "amerkanischem Gemüse" und "Zigarren und Zigaretten" kredenzt wurde, stand nicht auf der Speisekarte - für den Fall, dass diese in die Hände des Feindes fallen würde.

Foto: Taschen Verlag
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Edle Karte, stolze Preise: Wer im Café Martin in New York ein Essen ohne Wein bestellte, musste auf den stolzen Preis von 1,50 Dollar noch 25 Cent Aufschlag zahlen. Anfang des 20. Jahrhunderts konnte sich das nur die New Yorker High Society leisten.

Dafür stammt die Illustration der Speisekarte aus der Feder des berühmten tschechischen Jugendstilgrafikers Alfons Mucha, der in seiner Heimat zahlreiche Orden, Briefmarken und Banknoten gestaltet hatte.

Foto: Taschen Verlag
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Taube Sawyer und Hackbraten Finn? Amerikanische Schriftsteller eröffneten 1870 den Lotos Club in New York - einer der Gründer war Samuel Langhorn Clemens, alias Mark Twain, über dessen Kopf hier in einer Lotusblüte die Menüs geschrieben stehen.

Foto: Taschen Verlag
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In einem Zug: Auch Eisenbahnlinien legten Wert auf die Gestaltung ihrer Menükarten. Diese wurde 1932 von John Held Jr., einem bekannten Zeichner der Jazz-Ära für die Hartford Eisenbahnlinie gestaltet. Heute ist es eine Gedenktafel für die Firma. Die Eisenbahngesellschaft ging 1935 pleite.

Foto: Privatkollektion / Taschen Verlag
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"Zuhause des Club-Burgers": Ab den vierziger Jahren kamen Menükarten in Form der Spezialitäten, die in den Läden serviert wurden, in Mode.

Foto: Kollektion Jim Heimann / Taschen Verlag
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Neues Jahr, neues Essen: Die Speisekarte, mit der das Waldorf-Astoria in New York das Jahr 1939 begrüßte.

Foto: Privatkollektion / Taschen Verlag
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Superstars im Vogelkäfig: Menükarte des Mocambo in Hollywood von 1945. Der Nachtclub war ein Treffpunkt der Hollywood-Größen und Stars aus dem Musikgeschäft. Hier sangen Edith Piaf, Eartha Kitt, Bob Hope und Frank Sinatra.

Laut der Betreiber war der Club gestaltet wie "eine Kreuzung aus dem dekadenten Rom der Kaiserzeit, Salvador Dalís Bildern und einem Vogelkäfig".

Foto: Kollektion Jim Heimann / Taschen Verlag
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Na dann, frohe Weihnachten: 1912 lud der französische Club Cercle de L'Union in San Francisco zu einem vorweihnachtlichen Dinner ein. Die Menükarte schmückte eine Zeichnung, auf der bocksbeinige Pangestalten mit Kochmützen eine nackte, an den Füßen gefesselte Blondine wie ein frischgefangenes Kalb in die Küche schleppen.

Foto: Taschen Verlag
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Ein Steak bitte - aber ohne Fleisch! Das Restaurant The Vegetarian in Los Angeles bot bereits 1902 ausschließlich fleischlose Kost an. Revolutionär war das sogenannte Protose Steak auf der Speisekarte, das aus Nüssen und Weizengluten hergestellt war. Cornflakes-Erfinder John Harvey Kellogg hatte diesen Fleischersatz entwickelt.

Foto: Taschen Verlag
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