Erster Weltkrieg Exzess um Mitternacht
Brüder von Bülow: Fürst Bernhard von Bülow, Mitte, spaziert 1907 mit seinen Brüdern Alfred und Karl Ulrich von Bülow (vorn links im Bild) und Alfred von Tirpitz (vorne rechts), Staatssekretär des Reichsmarineamts, von Santa Margherita nach Rapallo in der italienischen Provinz Genua. Es ist eine der wenigen Aufnahmen, die von dem jüngeren Bruder des Reichskanzlers existieren.
Im Gespräch: Karl Ulrich von Bülow (in der Kutsche gegenüber seiner Schwägerin Maria) 1909 mit dem Fürstenpaar auf der Nordseeinsel Norderney. Während seiner Militärattachézeit von 1899 bis 1907 in Wien hatte Karl Ulrich, dessen homosexuelle Neigungen in Militärkreisen bekannt waren, seinem älteren Bruder als wichtiger Informant gedient.
Am 1. August 1914 wurde die Kriegserklärung öffentlich bekanntgegeben. Der deutsche Kaiser hatte für den Folgetag die Mobilmachung von Heer und Flotte angeordnet.
Verabschiedung: Die ersten Truppen aus Berlin zogen nach der angeordneten Mobilmachung am 2. August 1914 in den Krieg.
"Freie Fahrt über Lüttich nach Paris": Deutsche Soldaten fuhren im August 1914 kurz nach Kriegsbeginn in freudiger Stimmung an die Front im Westen - mit Kreide hatten sie optimistische Sprüche an die Eisenbahnwaggons geschrieben.
Kriegsanfang: Soldaten marschieren 1914 durch ein kleines belgisches Dorf in der Nähe von Brüssel. Von Bülows Bruder Carl Ulrich, Kommandeur der in Münster stationierten Neunten Kavalleriedivision, traf mit seinen Truppen drei Tage nach der Mobilmachung in Lincé ein - und richtete dort ein blutiges Massaker an.
Vor der Verwüstung: Der kleine Ort Lincé, südostlich von Lüttich, auf einer Aufnahme von 1914. Anfang August jenes Jahres befahl von Bülow die Zerstörung des Dorfes.
Abmarsch nach Belgien: Durchzug deutscher Infanterie- und Kavallerietruppen von Antwerpen nach Gent im Oktober 1914.
Bild der Zerstörung: Nach dem deutschen Angriff blieben von der 800-Seelen-Gemeinde Lincé nur noch die Ruinen übrig.
Bürger von Lincé begutachten nach der blutigen Kriegsnacht das Ausmaß der Verwüstung. Am 6. August 1914 hatte Karl Ulrich von Bülow die Zerstörung des Dorfes angeordnet - in der Annahme, von belgischen Heckenschützen angegriffen worden zu sein. Die Beschuldigten ließ der Generalmajor in einem improvisierten Kriegsgerichtsverfahren per Genickschuss hinrichten.
Trauerzug: In Gedenken jener, die in der Kriegsnacht und am Tag darauf ums Leben gekommen waren, versammelten sich 1914 in Lincé...
...Hunderte Bürger und zogen in einem Trauerzug durch das belgische Dorf. Generalmajor von Bülow, der für das Massaker verantwortlich war, konnte offenbar mit seiner fatalen militärischen Fehlentscheidung nicht leben - und beging Selbstmord. Man fand seine Leiche, mit einer Kugel im Kopf, in einem nahe gelegenen Wäldchen von Lincé.
Mahnmal für die Opfer: 34 Einwohner zwischen zehn und 73 Jahren waren am 6. August 1914 in dem belgischen Dorf Lincé dem blindwütigen Gemetzel eines überforderten deutschen Generals und seiner Männer zum Opfer gefallen - die feindlichen Truppen waren zu diesem Zeitpunkt noch kilometerweit entfernt.
Drohende Kriegsgefahr: Die deutsche Regierung verkündet den "Zustand der drohenden Kriegsgefahr" gegen Russland wegen dessen Mobilmachung. Nach alter Sitte erfolgte die Bekanntgabe durch einen Offizier in Begleitung eines Spielmannszugs. Am 1. August 1914 wurde dann die Mobilmachung des Heeres und der Flotte befohlen.
Französischer Staatschef zu Besuch: Am 20. Juli 1914 traf Raymond Poincaré beim Zaren in Kronstadt ein. Die Zusammenkunft war von großer Bedeutung, da Frankreich und Russland ihr Bündnis aufs Neue bekräftigten. Wenige Tage nach diesem Treffen kam der Erste Weltkrieg zum Ausbruch.