Erster Weltkrieg - DER SPIEGEL
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Blankoscheck zum Krieg "Ja, wir würden es schaffen"

Warum gab Kaiser Wilhelm II. Österreich-Ungarn am 5. Juli 1914 einen "Blankoscheck" zum Krieg? Was genau hatten in den kritischen Tagen zuvor die Berliner Spitzen von Militär, Regierung und Diplomatie besprochen? Die Memoiren der Beteiligten schweigen sich über den Schlüsselmoment aus. Von Dieter Hoffmann
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Wilhelm II. und Franz Ferdinand: Der deutsche Kaiser Wilhelm II. (zu Pferde) war empört über die Ermordung seines "Freundes" Franz Ferdinand (l.), weshalb er in den Tagen nach dem Attentat leicht zu weitreichenden Zusagen für seinen Verbündeten Österreich-Ungarn zu bewegen war. Das Bild dürfte anlässlich eines Kaisermanövers entstanden sein; es zeigt Franz Ferdinand in der Uniform eines preußischen Ulanen.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Oscar Tellgmann
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"Die Katastrophe von Sarajewo": Die Wiener "Kronenzeitung" berichtete vom Attentat als "Katastrophe" - die endgültige Katastrophe sollte gut einen Monat später beginnen, als in direkter Konsequent des Attentats der Erste Weltkrieg aubrach.

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SMY "Hohenzollern": Nach dem er Österreich-Ungarn am 5. Juli 1914 einen "Blankoscheck" für das vorgehen gegen Serbien gegeben hatte, kreuzte Wilhelm II. mit seinem Gefolge wochenlang vor Norwegens Küste. Dort wurde er telegrafisch auf dem laufenden gehalten und sandte auch Anweisungen nach Berlin, wohin er aber erst am 27. Juli zurückkehrte, wenige Tage vor Kriegsausbruch.

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Reichskanzler Bethmann Hollweg: In den entscheidenden Tagen vor dem deutschen "Blankoscheck" für Wien beriet sich Reichskanzler Theodor von Bethmann Hollweg wiederholt mit Kaiser Wilhelm II. Den Aufzeichnungen seines Sekretärs Kurt Riezler zufolge verließ sich der Kanzler auf die Aussage des Generalstabschefs Moltke, Frankreich werde schnell besiegt werden. Die fatalen Folgen der freien Hand für Wien sah er als einer der ersten voraus. Es stehe ein "Sprung ins Dunkle" bevor, notierte Bethmann Hollweg nach dem österreichischen Ultimatum an Serbien, es drohe die "Umwälzung alles Bestehenden".

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Generalstabschef von Moltke: Er sei nach dem Attentat von Sarajevo nicht nach seiner Meinung gefragt worden, erklärte Moltke nach dem Scheitern des deutschen Vormarschs auf Paris. Wäre dies der Fall gewesen, so hätte er vor einem Blankoscheck für Wien gewarnt. Wilhelm II. berichtete nach dem Krieg in seinen Memoiren allerdings, sich noch mit Moltke beraten zu haben.

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Sturmangriff: Im Grabenkrieg an der Westfront treten britische Soldaten zum Angriff an. Der Erste Weltkrieg, in Gang gesetzt durch die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajevo im Juni 1914, endete erst nach fast viereinhalb Jahren im November 1918. Rund 17 Millionen Menschen fielen dem Konflikt zum Opfer.

Foto: AP
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Botschafter Szögyény: Als k.u.k. Botschafter in Berlin überreichte Ladilaus von Szögyény dem deutschen Kaiser Wilhelm II. am 5. Juli 1914 den Brief, in dem der österreichische Kaiser Franz Joseph verlangte, dass Serbien "als politischer Machtfaktor am Balkan ausgeschaltet wird".

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Kaiser Franz Joseph: In einem Brief an den deutschen Kaiser Wilhelm II. bezeichnete Franz Joseph das Attentat von Sarajevo als direkte Folge "der von den russischen und serbischen Panslawisten betriebenen Agitation, deren einziges Ziel die Schwächung des Dreibundes und die Zertrümmerung meines Reiches ist". Er forderte, dass Serbien, "welches gegenwärtig den Angelpunkt der panslawistischen Politik bildet, als politischer Machtfaktor am Balkan ausgeschaltet wird".

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Kaiserliche Yacht "Hohenzollern": Mit seinem Schiff unternahm Wilhelm II. jedes Jahr eine "Nordmeerfahrt" vor die Küsten Skandinaviens. So auch 1914 - nur einen Tag nachdem er Wien die schicksalschwere Zusage gegeben hatte, Deutschland werde Österreich-Ungarn bei einem Vorgehen gegen Serbien unterstützen. Diese Szene malte der Künstler Carl Saltzmann 1904.

Foto: Carl Saltzmann
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