Erstwähler über Wahlwerbung - DER SPIEGEL
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Bundestagswahl Wer wirbt am besten?

Sie sind auf Instagram, Facebook und YouTube aktiv. Sie verteilen Flyer, treten in Talkshows auf, sind auf Plakaten zu sehen. Doch erreichen Politiker damit auch junge Wähler? Welche Werbung kommt bei ihnen überhaupt an?
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Kathi, 22: "Überall hängen die Plakate, die erschlagen einen ja förmlich. Ich fühle mich durch sie zwar nicht belästigt, aber es sind einfach zu viele. Nur wenn ich auf den Bus warte, lese ich mir durch, was da steht.
Politiker versprechen immer was, aber wenn sie dann gewählt werden, passiert doch etwas ganz anderes. Deswegen weiß ich noch nicht, ob ich wählen gehe.
Wir hatten mal einen Flyer im Briefkasten, den habe ich mir gar nicht durchgelesen. Und auf der Straße möchte ich auch nicht angesprochen werden. Politiker sollten mehr auf Facebook oder Instagram posten, so könnten sie noch am ehesten meine Aufmerksamkeit erregen."

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Tara, 23: "Die Plakate der AfD sind ziemlich gruselig: 'Burkas? Wir stehen auf Bikinis' oder 'Neue Deutsche? Machen wir selber'. Wenn man nicht möchte, dass diese Partei so viele Stimmen bekommt, muss man was dagegen tun. Also wählen gehen.
CDU und SPD haben sehr aussagelose Plakate, und im TV-Duell und in Talkshows ist mir aufgefallen, dass Angela Merkel und Martin Schulz sehr gestellt wirken. Die Politiker kleinerer Parteien kommen bei ihren Auftritten echter rüber. Durch die Interviews, die ich gesehen habe, habe ich das Gefühl, dass ich weiß, wofür die Parteien stehen."

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Lukas, 20: "Die meisten Plakate sprechen mich nicht an, weil sie keine Botschaften vermitteln. Bei CDU und SPD sehe ich nur Gesichter und Politiker im Anzug. Das wirkt sehr spießig.
Da finde ich die Plakate der Linken noch am aussagekräftigsten, weil da Statements draufstehen. Die FDP versucht mit ihren Plakaten hip zu sein, aber das ging nach hinten los. Nur weil deren Bilder schöner sind, sind sie nicht aussagekräftiger.
Auch in den Social-Media-Kanälen gab es schon viele Diskussionen um die FDP-Plakate, gerade auf Twitter haben sich viele darüber lustig gemacht."

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Caro, 19: "Über die Wahl habe ich mich über das Internet informiert, ich habe auch Berichte im Fernsehen gesehen, dabei ist mir der CDU-Spot aufgefallen, den fand ich kühl und nichtssagend.
Auf Facebook bin ich auf einzelne Statements der Parteien aufmerksam geworden, die waren aber wirklich ziemlich kurz und knapp.
Und die Plakate: Es gibt viel zu viele von ihnen, da wird so viel Papier verschwendet. Die von der AfD sind mir besonders aufgefallen, die sind ja super provozierend. Auf einem sind tatsächlich Ärsche abgebildet! Das ist einfach nur lächerlich, das kann man nicht ernst nehmen."

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Janika, 19: "Wahlwerbung ist für mich nicht entscheidend. Auf den Plakaten steht meistens nur ein prägnanter Satz, aber deswegen würde ich mich nicht für oder gegen eine Partei entscheiden.
Ich habe im Fernsehen und über die Tagesschau-App die Berichterstattung über die Parteien verfolgt.
Über Facebook informiere ich mich nicht über Politik. Stattdessen schaue ich auf der jeweiligen Homepage der Partei, wofür sie steht und was sie für einen Hintergrund hat. Man muss sich wirklich hinsetzen und die Programme lesen. Die Plakate allein reichen nicht für eine Wahlentscheidung aus."

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Benjamin, 21: "Ich weiß schon, wen ich wählen werde. Wahlwerbung beeinflusst mich dabei überhaupt nicht. Ich nehme die Plakate zwar wahr, weiß etwa, wie die Kandidaten der Parteien in meinem Stadtteil heißen, aber für mich sind die Parteiprogramme wichtiger.
Das TV-Duell und Wahlwerbespots habe ich nicht gesehen, aber dafür TV-Ausschnitte von Politikern. Wenn die in Talkshows zu sehen sind, bekommt man ja auch ganz gut mit, für welche Inhalte die stehen.
Den Wahl-O-Mat habe ich auch gemacht und mir durchgelesen, wie die Parteien Themen kommentieren, das fand ich sehr aufschlussreich."

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Kristina, 20: "Bis auf die Plakate, die alle irgendwie gleich sind, bin ich kaum mit Wahlwerbung in Berührung gekommen. Ich halte nicht so viel von Medien.
Im Fernsehen wird doch alles so geschnitten, dass man sich nur eine falsche Meinung bilden kann. Und Talkshows interessieren mich nicht.
Generell finde ich wählen wichtig. Wenn man das nicht tut, darf man sich hinterher auch nicht über das Ergebnis beschweren."

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Robin, 18: "Ich habe mir auf YouTube Videos angeschaut, in denen das Programm der Parteien in fünf Minuten erklärt wird. In einigen Videos wurden auch Abgeordnete angerufen, zum Beispiel Malu Dreyer von der SPD oder Julia Klöckner von der CDU. Das fand ich sehr interessant.
Ansonsten habe ich mir die Programme der Parteien angeschaut und in der Zeitung den Politikteil gelesen.
Wahlplakate sagen ja nicht so viel aus. Aber mir haben die FDP-Plakate gut gefallen, die wirken mit ihren bunten Slogans modern und nicht so altmodisch wie die der SPD.
Auf Facebook und Instagram ist mir vor allem der Thüringer SPD-Kandidat Christoph Zimmermann aufgefallen. Der ist mit seinen Posts wirklich herausgestochen."

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Rebecca, 19: "Ich habe auf Instagram ein paar Wahlwerbespots gesehen. Der von den Grünen ist mir besonders aufgefallen, weil er so skurril ist. Die Plakate der Grünen finde ich aber nicht so gelungen, da ist zu viel Text drauf.
Die einzige Partei, die sich mit ihren Plakaten abgrenzt, ist die FDP. Viele Leute sagen zwar, dass die Plakate so aussehen wie eine Werbung von H&M, aber wenigstens haben sie es versucht. Ich weiß noch nicht, wen ich wählen werde, aber da arbeite ich noch dran: Ich schaue mir die Wahlprogramme an und rede viel mit meiner Oma, die immer bestens informiert ist."

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Marie, 22: "Ich weiß noch nicht genau, wen ich wählen soll. Vor der Wahl will ich mich auf jeden Fall noch besser informieren. Ich will mir die Homepages der Parteien anschauen und mir Wahlprogramme durchlesen.
Den Wahl-O-Mat habe ich schon gemacht. Auf die Plakate achte ich gar nicht, viele von ihnen sehen einfach zu ähnlich aus. Da ist ein Mensch drauf und ein Spruch. Das schaue ich mir nicht weiter an.
Viele Politiker drehen ja jetzt YouTube-Videos, das ist eine gute Methode, um jüngere Wähler zu erreichen.
Wenn ich mir was von den Politkern wünschen würde, dann dass die Ausbildungsberufe besser bezahlt werden."

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Klara, 18: "Christian Lindner wirkt eher wie ein Dressman als ein Politiker. Die FDP-Plakate sind wirklich furchtbar. Richtig morbide finde ich auch die von der AfD. Manchmal kann man glatt vergessen, dass die ernst meinen, was sie auf ihre Plakate drucken.
Die Linken machen zu sehr auf jung. Aber von den Plakaten her würde ich ohnehin nicht entscheiden, wen ich wähle. Die Inhalte sind wichtiger.
Auf Social Media bekomme ich viel von der SPD mit, das hängt bestimmt damit zusammen, was ich like. Auf jeden Fall finde ich die SPD in ihrem Programm etwas aussagekräftiger als die CDU."

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?