EU vs. Türkei Nesteln an der Roten Karte
Poster des türkischen Präsidenten Erdogan: Schwierig waren die Beziehungen zwischen der Türkei und Europa schon immer, doch inzwischen stehen sie kurz vor dem Zusammenbruch. Die Regierung hat nach dem Putschversuch Tausende Beamte aus dem Dienst entfernt, Oppositionelle anklagen lassen, die Medien auf Linie gebracht - trotzdem verhandelt Brüssel noch immer mit Ankara über einen Beitritt.
Süleymaniye-Moschee in Istanbul: Das Europaparlament wird kommende Woche voraussichtlich beantragen, die Gespräche auf Eis zu legen.
"Das Verhalten der türkischen Regierung kann nicht folgenlos bleiben", sagt Manfred Weber (CSU), Chef der EVP-Fraktion im Europaparlament, zu SPIEGEL ONLINE. "Das Mindeste, was wir jetzt tun müssen, ist die Beitrittsverhandlungen auszusetzen. Ein solches Signal brauchen auch die proeuropäischen Kräfte in der Türkei."
Auch von der SPD kommen deutliche Worte. Ankara stehe in einer "privilegierten Partnerschaft" zur EU, sagt der Europaabgeordnete Arne Lietz. "Vielleicht ist es an der Zeit, einmal über diese Privilegien nachzudenken und dort die Gelbe oder auch die Rote Karte zu zeigen."
Über allem schwebt allerdings die Gefahr, dass der Flüchtlingspakt mit der Türkei platzt. Doch dieses Risiko scheinen immer mehr Erdogan-Kritiker eingehen zu wollen.