Eurovision Song Contest "Sie trugen Angst und Schrecken in jedes Land"
Ein bisschen siegen: Den einzigen deutschen Sieg in über 50 Jahren Wettbewerbsgeschichte holte 1982 ein 17-jähriges Mädchen namens Nicole, das auf seiner schneeweißen Gitarre spielte und mit zitternder Stimme von "Ein bisschen Frieden" sang. Sie wurde damit zu der erfolgreichsten deutschen Teilnehmerin in der Geschichte des Eurovision Song Contest.
Wir sind Papst: Die bisher einzige deutsche Grand-Prix-Gewinnerin Nicole - hier auf einem Foto von 2002 - musizierte nach Gastspielen auf Mallorca in den neunziger Jahren wieder vermehrt in Deutschland. 2009 bereiste sie die Bundesrepublik auf einer musikalischen Kirchentour. Den Eurovision Song Contest hält sie mittlerweile für ungerecht und sinnlos. "Da hätte im letzten Jahr auch der Papst singen können, der hätte auch nicht gewonnen", sagte die Sängerin 2008.
Die politisch Unkorrektesten: Von 1206 bis 1227 verantwortete der mongolische Herrscher Dschingis Khan eine Reihe von blutigen Feldzügen und Massenmorden. Daher war die Unruhe im Vorfeld groß, als Deutschland 1979 zum Eurovision Song Contest in Jerusalem ausgerechnet eine Band namens Dschinghis Khan mit einem gleich betitelten Song sandte. Die Angst vor einem Tritt ins politische Fettnäpfchen erwies sich jedoch als unbegründet - die Israelis liebten die exzentrische Nummer, das Lied "Dschinghis Khan" kam auf Platz vier.
Der Khan geht nicht unter: Noch immer treffen sich die drei verbliebenen Dschinghis-Khan-Mitglieder Leslie Mandoki (hier auf einem Foto vom 9. Februar 2009), Henriette Strobel und Edina Pop gelegentlich für Reunion-Konzerte der Band. Begleitet werden sie dabei von einer zweiten Band namens "The Legacy of Genhis Khan".
Die Meisten: Als 1976 die Les Humphries Singers mit dem Lied "Sing Sang Song" für Deutschland auf dem Grand Prix antraten, war die Gesangsgruppe bereits so groß, dass nicht alle Mitglieder auf die Bühne passten. Die Zuschauer konnten sie jedoch mit ihrer Mannschaftsstärke nicht beeindrucken - sie landeten weit abgeschlagen auf einem 15. von 18 Plätzen.
Musikalisches Vermächtnis: Auch wenn sich die Les Humphries Singers nach dem Misserfolg auf dem Grand Prix 1976 aufgelöst hatten und Bandleader Les Humphries zunächst wegen Steuerschulden aus Deutschland nach England floh, wo er 2007 starb - viele der ehemaligen Bandmitglieder blieben im Musikgeschäft. So wie Schlagerpapst Jürgen Drews, dessen musikalische Karriere in den Siebzigern bei Les Humphries begonnen hatte.
Die schlechteste Frisur: ... in der Geschichte des Eurovision Song Contest hatte zweifellos Diplompädagoge, Schlager-Comedian und Nusseckenliebhaber Guildo Horn, als er 1998 mit dem Song "Guildo hat euch lieb" antrat. Geschrieben hatte den Hit der Showmaster Stefan Raab - unter dem Pseudonym "Alf Igel" als ironischem Seitenhieb auf den Grand-Prix-Stammproduzenten Ralph Siegel. Das Lied erntete einen respektablen siebten Platz.
Guildo hat Operetten lieb: Sein Erfolg beim Eurovision Song Contest gab dem ehemaligen Musikpädagogen Guildo Horn, der eigentlich Horst Köhler heißt, einen entscheidenden Karriereschub. Seither ist er nicht nur als Schlagersänger, sondern auch als Schauspieler, Showmaster und Operettendarsteller tätig gewesen. Die Aufnahme zeigt ihn 2006.
Die Unzertrennlichen: 1974 hieß der deutsche Grand-Prix-Beitrag "Die Sommermelodie", vorgetragen vom Schlagerduo Cindy & Bert. Die beiden Musiker waren auch privat ein Paar: Seit 1967 waren Norbert und Jutta Berger, so ihre bürgerlichen Namen, verheiratet. Obwohl sie gegen die überwältigenden Sieger ABBA bis auf den 17. Platz abrutschten und obwohl sie sich 1988 sogar scheiden ließen, machten die Beiden noch bis Ende der neunziger Jahre gemeinsam Musik.
Am Ende doch getrennt: Nach den Neunzigern gingen Cindy & Bert - hier auf einem Bild aus dem Jahr 2000 - schließlich getrennte Wege. Cindy alias Jutta Berger ist immer noch als Sängerin tätig und brachte zuletzt 2007 das Soloalbum "Zeitlos" heraus. Bert alias Norbert Berger arbeitet heute vor allem als Produzent, Texter und Songschreiber.
Der geheimste Ausgang: 1956 vertrat Freddy Quinn Deutschland mit dem Lied "So geht das jede Nacht" auf dem ersten Eurovision Song Contest in Lugano - der damals noch "Gran Premio Eurovisione della Canzone Europea" hieß. Bekanntgegeben wurde von der Schweizer Jury nur der Gewinner des Wettbewerbs - pikanterweise der Schweizer Beitrag "Refrain" von Lys Assia. Die Bewertungsunterlagen der Jury wurden nach der Abstimmung vernichtet, so dass nie bestimmt werden konnte, wie Quinns Lied bei ihnen angekommen war.
Steuermann: Zuletzt machte der Wahlhamburger Quinn - der eigentlich aus Österreich stammt - 2004 von sich reden, als ihm Steuerhinterziehung in Höhe von 900.000 Euro vorgeworfen wurde. Er hatte einen Hauptwohnsitz in der Schweiz angemeldet, obwohl er sich nachweislich im betreffenden Zeitraum hauptsächlich in Hamburg aufgehalten hatte.
Wadde singe dudde da? 2000 wurde der deutsche Grand-Prix-Beitrag vom Fernsehmoderator Stefan Raab vorgetragen - und lautete "Wadde hadde dudde da". Den Grand Prix gewann der Entertainer damit zwar nicht - holt aber unseren Ehrenpreis für den absurdesten Songtext. Die Idee für den Song kam Raab angeblich, als er eine Dame beim Spaziergang mit ihrem Hund beobachtete, die es mit einem begeisterten "Wadde hadde dudde da?" quittierte, als ihr kleiner Liebling einen unerkennbaren Gegenstand anschleppte.
Quatschkopf mit Quetschkommode: Nach dem exzentrischen Auftritt des von ihm protegierten Guildo Horn 1998 und seinem eigenen Grand-Prix-Song "Wadde hadde dudde da?" zwei Jahre später haftete Stefan Raab das Image des Anarcho-Comedians an, der die spießige Sendung satirisch untergraben wollte. Mittlerweile ist er jedoch zum Retter der Veranstaltung geworden - 2010 wandte sich die ARD an Raab, um die Einschaltquoten des Wettbewerbs zu retten.
Die Identischsten: 1959 sangen Alice und Ellen Kaessler als die "Kessler-Zwillinge" für Deutschland "Heute Abend wolln wir tanzen geh'n" auf dem Eurovision Song Contest - und landeten auf dem achten von elf Plätzen.
Gleich und gleich gesellt sich gern: Über Jahrzehnte hielten sich die Kessler-Zwillinge im Showgeschäft - ob als Balletttänzerinnen am Münchner Gärtnerplatztheater, als 40-jährige Pin-Ups im italienischen "Playboy" oder 2009 auf Gesangstournee mit Bill Ramsey und der SWR-Bigband. Das Foto entstand 2006.
Der Unpatriotischste: 1975 trat ein nordrhein-westfälischer Schlosser namens Jürgen Marcus mit dem Lied "Ein Lied zieht hinaus in die Welt" für Deutschland beim Grand Prix an - oder wollte es zumindest. Denn Jürgen Marcus kam über die Vorausscheidung nie hinaus. Daraufhin trat er kurzerhand im nächsten Jahr noch einmal an - nun aber für Luxemburg. Er erreichte Platz 14.
Ein Luxemburger in München: Noch immer macht Jürgen Marcus Musik - wie etwa hier bei einem Auftritt auf der ZDF-Stargala am 19. Oktober 2006. Er lebt heute gemeinsam mit seinem Lebenspartner und Manager Nikolaus Fischer in München.
Die Hartnäckigste: Viermal war Karin Witkiewicz, besser bekannt als Katja Ebstein, für Deutschland beim Eurovision Song Contest dabei - 1970 mit "Wunder gibt es immer wieder" und 1971 mit "Diese Welt", die beide auf dem dritten Platz landeten. 1980 kletterte sie mit "Theater" immerhin bis auf Platz zwei. 1981 schließlich durfte sie aufgrund ihres besonderen Verdienstes um den Grand Prix den Vorausscheid moderieren.
... bleibt hartnäckig: Noch immer tourt Katja Ebstein - hier auf einer Aufnahme von 2009 - als Musikerin durch Deutschland. Gegenwärtig schreibt sie an einer Autobiografie unter dem Titel "Das Leben - ein Tanz".