Eve Babitz: "Alles wird Sünde" - vom It-Girl zur Autorin - DER SPIEGEL
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Eve Babitz "Alles wird Sünde" - vom It-Girl zur Autorin

Mit Marcel Duchamp spielte sie nackt Schach, hatte Affären mit Jim Morrison und Harrison Ford. Dann brillierte Partygirl Eve Babitz als Schriftstellerin. Nun liegen ihre grandiosen Los-Angeles-Erinnerungen auf Deutsch vor.
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Dieses Foto machte sie berühmt: "Eve war nicht wie die anderen Groupies. Sie war etwas Besonderes. Außerdem sah sie fantastisch aus, und ich wusste, dass sie Marcel den Kopf verdrehen würde. Und genau das tat sie!" Das bekannte der Fotograf Julian Wasser, nachdem es ihm 1963 gelungen war, die nackte Eve beim Schachspiel mit Marcel Duchamp im Passadena Art Museum abzulichten. Der französische Maler und Objektkünstler willigte spontan in die Inszenierung ein.

Foto: Julian Wasser
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All About Eve: "Die Besitzer von Schönheit sind wortkarg, was ihre Privilegien angeht, oder tun so, als sei es reines Glück gewesen, dass ihnen der Polizist keinen Strafzettel gegeben hat, als habe sie nur ein 'netter' Herr an der Zollkontrolle einfach durchgewinkt, ohne dass sie Schlange stehen mussten" - Eve Babitz über Schönheit, hier im Alter von etwa 15 Jahren beim Posieren für die kleine Ewigkeit. Das tat sie damals mit Vorliebe in Schnellfoto-Automaten. Im Los Angeles der Sechzigerjahre war sie zunächst ein

Foto: The Collection of Mirandi Babitz
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In guten Händen: Eve Babitz in ihrem Geburtsjahr 1943, im Arm ihres Patenonkels Igor Strawinsky. Drei Jahre zuvor hatte der 1882 in Oranienbaum geborene Russe kriegsbedingt seine Heimat verlassen, war endgültig in die USA übergesiedelt und heiratete seine langjährige Geliebte, die Malerin Vera Soudeikina de Bosset. Mit Eves Vater Sol, bis 1937 als Violinist Mitglied des "Los Angeles Philharmonic Orchestra", verband den Komponisten eine enge Freundschaft.

Foto: The Collection of Mirandi Babitz
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Die Babitz-Girls: Eve als 15-Jährige mit Mirandi, ihrer drei Jahre jüngeren Schwester. Mirandi spielte Cembalo, strebte aber nie eine Profi-Karriere an - "dazu fehlte mir das Talent", sagte sie damals. Stattdessen schlug sie die Laufbahn einer Konzert-Promoterin ein und entwarf Kleidung, darunter die berühmten Lederhosen, die Doors-Frontmann Jim Morrison mit Vorliebe trug.

Foto: The Collection of Mirandi Babitz
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Romantisches L.A.-Girl: Eve ließ sich gern fotografieren, hier eine frühe Automatenaufnahme. "Ich liebte es, Rollen und andere Leben auszuprobieren." Earl McGrath, der spätere Chef von Rolling-Stone-Records, sagte über sie: "Im Leben eines jeden jungen Mannes gibt es eine Eve Babitz. Meistens ist es Eve Babitz."

Foto: The Collection of Mirandi Babitz
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The Tambourine Men: Erste künstlerische Meriten sammelte Eve Babitz als Grafikerin. So gestaltete sie dieses Platten-Cover für die die Folk- und Countryband The Byrds - Roger McQuinn, David Crosby, Gram Parsons, Gene Clarke und Chris Hilman. Die Band nahm am 20. Januar 1965 den Dylan-Song "Mr. Tambourine Man" auf, der wenige Wochen nach der Veröffentlichung im April Platz 1 der Billboard-Charts erreichte.

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Neun Buchstaben, die die Welt bedeuten: Der Hollywood-Schriftzug auf den Hügeln von L.A. ist das Symbol der amerikanischen Unterhaltungsbranche. Hier machte Eve ihre ersten Erfahrungen - im zweifellos legendärsten Stadtteil von Los Angeles. Auf einer Fläche von 79,5 Quadratkilometern liegen Ruhm und Niedergang so nah beieinander wie wohl nur in den Filmen von William Wyler oder John Ford, zwei einstigen Giganten der Kitschküche.

Foto: AP
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Der russische Feuervogel: Igor Strawinsky am 7. Mai 1966 in Hollywood. Der Komponist begann mit Werken in spätromantischer Tradition und wandte sich bald einer neuen Tonsprache zu, die ihn berühmt machen sollte: Auf der Grundlage dominanter Rhythmik und betonter Melodienarmut schuf er Werke wie "Le Sarce du Printemps" und "Histoire du Soldat". Später arbeitete Strawinsky Elemente der Unterhaltungsmusik in seine Kompositionen ein - bis hin zu Flirts mit serieller Musik. 1971 starb er in New York.

Foto: AP/ George Brich
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Zu Strawinskys künstlerischem Universum in L.A. zählte der britische Schriftsteller Aldous Huxley, der mit seinem 1932 erschienenen dystopischen Roman "Schöne neue Welt" berühmt wurde, ebenso wie...

Foto: ullstein bild
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...Schauspieler Charlie Chaplin , hier in seinem prophetischen Meisterwerk "Der große Diktator" (1940) in der Rolle des Herrschers Anton Hynkel, der nach dem Einmarsch seiner Truppen in das von ihm besetzte Land Osterlitsch mit einem Doppelgänger, einem aus dem KZ geflohenen Juden, verwechselt wird. Als "vielleicht bedeutendsten Film, der je produziert wurde", pries die "New York Times" Chaplins großen Erfolg.

Foto: imago/ Cinema Publishers Collection
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Auch Schauspielerin Greta Garbo, die kühle Blonde aus dem Norden, zählte zu den Künstlern, die Strawinsky um sich versammelte und wahrscheinlich Eve Babitz' frühe Erinnerungen prägen. Ihr Buch erzählt auch von den frühen Straßenrand-Picknicks der Strawinskys mit Huxley, Chaplin, Garbo und dem Philosophen Bertrand Russell.

Foto: Getty Images/ Sunset Boulevard
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Einen "Bekenntnisroman" nennt Eve Babitz ihr Buch selbst. "Eve's Hollywood" erschien 1974 beim Verlag Delacorte Press in New York und markierte den Auftakt zu sieben semi-autobiografischen Büchern, in denen sie das wilde Treiben der damaligen Bohème von Hollywood in launigen Geschichten beschreibt. "Babitz zu lesen", schrieb die "New York Times", "ist, als würde man bei Sonnenuntergang mit 60 Meilen pro Stunde über den Highway brausen und hätte die Fenster unten. Man spürt den Wind in den Haaren."

Foto: The Collection of Mirandi Babitz
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Über den Sternen: Der berühmte "Walk Of Fame" - die letzte Destination all derer, die in Hollywood von der Ewigkeit träumen. In Wahrheit: eine stinknormale Straße, der Hollywood-Boulevard, über den tagtäglich Tausende flanieren; hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1958.

Foto: AP/ Harold Filan
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The Great Influencer: Mit mehr als 100 veröffentlichten Platten zählte Frank Zappa zu den maßgeblichen Taktgebern der modernen Popmusik. Mit seiner Band Mothers of Invention galt der Musiker, Komponist und Produzent als musikalisches Sprachrohr der Hippies, grenzte sich aber früh von ihnen ab und nannte ihre Attitüde "aufgeblasen und kindisch". 1993 starb er im Alter von 53 Jahren in Hollywood. Wie er im Affenfell-Mantel in In-Locations Hof hielt, schilderte Eve Babitz in ihrem Hollywood-Buch ebenso wie...

Foto: ESH/ ASSOCIATED PRESS
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...die Verhaftung des LSD-Papstes Timothy Francis Leary. Mit seinem Plädoyer für den freien Zugang zu psychedelischen Drogen wurde der US-Psychologe in den Sechziger- und Siebzigerjahren berühmt und angefeindet - und zum Guru aller Rausch-Seligen. Nachdem man 1965 bei seiner Tochter Susan Marihuana bei einer Grenzüberquerung nach Mexiko fand, wurde Leary wegen Steuerhinterziehung und illegaler Einfuhr von Drogen zunächst zu 33 Jahren Gefängnis verurteilt. 1969 aber hob der Oberste Gerichtshof der USA den Marihuana-Tax-Act als verfassungswidrig auf - woraufhin Leary sich erst mal entspannt einen Joint drehte. 1996 starb der Publizist 75-jährig; im Jahr darauf wurden sieben Gramm seiner Asche in den Weltraum geschossen.

Foto: Getty Images/ Bettmann Archive
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Lichtermeer: Los Angeles auf einer historischen Aufnahme von 1963, zu sehen die Ecke Hollywood Boulevard und Vine Street mit dem markanten Rundturm des Capitol Records Building. Nicht weit weg befindet sich der Sunset Strip, Teil des berühmten Sunset Boulevard. 1984 scheiterte eine Wähler-Initiative, aus dem Sunset Strip eine unabhängige Stadt zu machen. Die zwischen 1958 und 1964 dort gedrehte US-Serie "77 Sunset Strip" geht darauf zurück, Courtney Love widmete dem Strip einen Song.

Foto: Getty Images/ Bettmann Archive
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Eve's Eyes: Jim Morrison schrieb einen Song über sie, mit Harrison Ford hatte sie eine Affäre, Ed Ruscha hat sie umworben, und mit Duchamp spielte sie nackt Schach. Ihr Motto: "Ich segele und lebe dahin, bereit für die Faust, die durch die Windschutzscheibe knallt - oder das ganz große Ding!"

Foto: The Collection of Mirandi Babitz
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Ein Bad mit Harrison: Ob Eve ihm gleich ein Handtuch reichen wird, ist nicht verbürgt. Die Affäre aber, die sie mit dem damals noch strahlend jungen Harrison Ford in L. A. hatte, ist ein gesicherter Teil ihrer an Männergeschichten reichen Privathistorie. Ford wurde später zu einem der kommerziell erfolgreichsten Darsteller der Kinogeschichte und erhielt 2003 seinen Stern auf dem Walk Of Fame.

Foto: Getty Images/ Nancy Moran
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Auf dem Sunset Strip begegneten Eve Babitz auch Steve Martin. Es muss 1963 während seines Studiums an der California State University gewesen sein. Und wahrscheinlich hat er sie mit seinem komischen Talent derart betört, dass Eve ihm eine Zeitlang ihre Gunst - und mehr schenkte.

Foto: Getty Images/ Fred Hermansky/ NBC/ NBCU Photo Bank
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Der Sturmreiter: Als immer leicht somnambul wirkender Frontmann der "Doors" wurde James "Jim" Douglas Morrison zu einer der meist verehrten Ikonen der Pop-Geschichte. Noch heute versammeln sich Fans an seinem Todestag regelmäßig an seinem Pariser Grab auf dem Père Lachaise, um seiner zu gedenken. Eve teilte eine Zeitlang mehr mit ihm als nur seinen Ruhm. Für sie schrieb er den Song "L.A.-Woman".

Foto: imago/ ZUMA/ Keystone
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Das Cover: Das sechste Album der "Doors" erschien 1971 und gilt als das am stärksten vom Blues beeinflusste der Band. Die meisten Stücke wurden direkt eingespielt und gesungen, doch es wurde nie auf einer Tour live als Ganzes performed. Kurz nach den Aufnahmen ging Morrison nach Paris, wo er am 3. Juli 1971 starb.

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Eve in Form: Das Foto zeigt Eve im April 1997 mit ihrem Buch "L.A.- Woman", eines der letzten öffentlichen von ihr. Denn nach ihrem Unfall im selben Jahr zog Eve Babitz sich komplett aus der Öffentlichkeit zurück. Beim Versuch, sich eine Zigarette anzustecken, hatte ihr Kleid Feuer gefangen - sie erlitt großflächig Verbrennungen dritten Grades. Was bleibt, sind ihre Bilder, wie dieses von Paul Harris.

Foto: Getty Images/ Paul Harris
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L.A. von oben - oder mit den Worten Charles Bukowskis: "Ich hockte da und wartete auf meinen Zug nach Los Angeles, der einzigen Stadt in der Welt. Ich meine, sicher, sie enthielt mehr Scheiße als jede andere Stadt, und das war das Komische daran. Es war meine Stadt, fast liebte ich sie."

Foto: Getty Images/ Harvey Meston
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The Woman And The Cat: Eve Babitz in den Achtzigerjahren mit ihrer Katze in ihrem Garten in Los Angeles, ein Foto aus der Sammlung von Mirandi Babitz. "Dort war ich immer heimisch, in der Stadt der Engel mit ihrem schützenden Plastikheiligenschein namens Hollywood."

Foto: The Collection of Mirandi Babitz
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Beruf: Rebell. Bis zu seinem Tod 1987 schrieb der deutsche Schriftsteller Jörg Fauser die wahrscheinlich besten Essays und Reportagen jener Jahre. Fauser, der immer ein Faible für amerikanische Literatur hatte, lebte, wie er schrieb: schnell, direkt - und ohne großes Lamento, wenn es gerade mal nicht so lief. Sein Text "American Highballs" gehört zu den besten Stücken über Los Angeles, die es in deutscher Sprache zu lesen gibt. Und sein viel zu kurzes Leben ist eine Legende, die bis heute fasziniert.

Foto: ullstein bild/ Teutopress
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