Ewige Wahrheiten - DER SPIEGEL
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Ewige Wahrheiten "Wenn dich die bösen Buben locken, ..."

"... bleib daheim und stopfe Socken." In alten Poesiealben zu stöbern, macht diebischen Spaß - und es bringt eine klare Erkenntnis: Deutschland hatte stets mehr Dichter als Denker. Eine Revue der lustigsten, sentimentalsten und absurdesten Freundschaftsbekundungen aus sieben Jahrzehnten.
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Diddl - Das Buch: Die Mädchen des neuen Jahrtausends besitzen Poesiealben nur noch im Ausnahmefall - und wenn, dann nur noch im Grundschulalter. Sobald sie etwas größer werden, legen sie sich sogenannte Freundebücher zu: vorgefertigte Steckbrief-Alben, die wie ein Formular auszufüllen sind. Ganz oben auf der Hitliste: Diddl- und Felix-Freundebücher.

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Freundschaft: "Lerne erst die Menschen kennen, / denn sie sind veränderlich. / Die sich heute Freunde nennen, / reden morgen über Dich." Der altkluge Poesiealbumspruch einer Mitschülerin.

Foto: Katja Iken
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Nur Du und Ich: Ob der Schreiber dieser Zeilen in die Poesiealbumbesitzerin verliebt war, ist heute nicht mehr bekannt. Aber auf jeden Fall hielt er sich und sie für die einzig guten Menschen auf der Welt.

Foto: Katja Iken
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Traurige Erinnerung: In der Nachkriegszeit waren Einträge ins Poesiealbum noch deutlich von Schmerz und Entbehrung gekennzeichnet.

Foto: Katja Iken
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Pubertätslektüre: Spätestens wenn die Hormone verrückt spielen, pfeffern die Mädchen ihr Poesiealbum in die Ecke, selbst Freundebücher sind vielen dann bereits zu peinlich. Stattdessen netzwerken die Teenager von heute online, auf Seiten wie etwa SchuelerVZ.

Foto: ddp
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Große Dichtung: "Gewitter im Mai, schreit der Bauer juchhei." Da hat einer eine große Wahrheit gelassen ausgesprochen. Gerade Jungs waren bei ihren Einträgen häufig sehr puristisch.

Foto: Katja Iken
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Blumen und Kätzchen: Mädchen hinterließen in den Poesiealben ihrer Freundinnen häufig nicht nur liebe Sprüche, sondern auch Zeichnungen und bunte Aufkleber von Tierbabys und ähnlichem. Je besser man befreundet war, desto mehr wurde reingeklebt.

Foto: Katja Iken
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Von der Lehrerin: Wichtig bei jüngeren Poesiealbumbesitzerinnen waren auch immer die Einträge von der Lieblingslehrerin.

Foto: Katja Iken
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Wie die Sonnenuhr: Seit den fünfziger Jahren tauchen mehr und mehr fröhliche, auf das eigene Glück fokussierte Sprüche im Poesiealbum auf, frei nach dem Motto: "Mach' es wie die Sonnenuhr, zähl die heiteren Stunden nur." Die beiden englischen Mädchen jedenfalls erfreuen sich an der Lektüre des Büchleins (aufgenommen im Jahr 1955).

Foto: Getty Images
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Hitler im Album: "Nichts, was groß ist auf dieser Welt, ist dem Menschen geschenkt worden, alles muss bitter schwer erkämpft werden.", lautet die Poesiealbum-Weisheit, die 1941 hier ihre Verewigung fand. Der Spruchautor: Adolf Hitler.

Foto: Hamburger Schulmuseum
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Freude und Glück: ...waren die Dinge, die in Poesiealben meistens gewünscht werden. Mal mit mehr, mal weniger Worten, aber immer gern mit Zeichnungen von Hufeisen, Glücksklee und Marienkäfern.

Foto: Katja Iken
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Aus Liebe: Dieser Poesiealbumeintrag aus den Fünfzigern mag vielleicht kitschig erscheinen, der Spruch hat sich jedoch noch über Jahrzehnte gehalten.

Foto: Katja Iken
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Drei Engel: In Poesiealben gehören immer kitschige Sprüche und bunte Bilder von Blumen und Tierbabys.

Foto: Katja Iken
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Mops im Haferstroh: Je weiter das 20. Jahrhundert voranschreitet, desto fröhlicher und glücksbezogener werden die Verse im Poesiealbum. Mehr und mehr verdrängen Sprüche wie "Lebe glücklich, lebe froh, wie der Mops im Haferstroh" die altklugen Lebensweisheiten.

Foto: REUTERS
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Deutschtümelnd: "Ihr aber, ihr Jungen, Lebendigen, setzt weiter Segel auf! Beflaggt euer Schiffe und grüßt die deutsche See, ihr deutschen Jungen." Diesen Spruch schrieb ein Mädchen ihrem Schulkameraden im März 1939 ins Poesiealbum.

Foto: Hamburger Schulmuseum
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Sonnenuhr: Während Mädchen häufig den ganzen, ihnen in einem Poesiealbum zur Verfügung stehenden Platz nutzten, um zu schreiben, kleben und zu malen, hielten sich Jungs eher zurück. Wichtig bei beiden Geschlechtern - es musste sich reimen.

Foto: Katja Iken
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Dein Vater: Weihnachten 1947 durfte der Vater noch Tipps zum Lebenslauf im Poesiealbum verewigen. Später hätten sicherlich die wenigsten noch den Eltern eine Seite zwischen den Freundinnen eingeräumt.

Foto: Katja Iken
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Liebe deine Eltern: Was natürlich in keinem Poesiealbum fehlen darf, sind die frommen Sprüche zum guten Verhalten - wie das man seine Eltern lieben soll.

Foto: Katja Iken
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Schülerinnen auf dem Heimweg: Ganz wichtig war die Reihenfolge im Poesiealbum - die beste Freundin gleich nach Mama und Papa, dann erst alle anderen. Und Jungen hatten lange Zeit gar nichts verloren im Mädchen-Spruchbuch. Erst ab den siebziger Jahren mussten sie sich verstärkt ins Poesiealbum eintragen - meist sehr zu ihrem Leidwesen. Das Foto zeigt Berliner Schülerinnen aus dem Lyzeum Westend 1932 auf dem Heimweg.

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Brauner Sinnspruch: "Recke dich auf, deutscher Wille! Sei Tat! Erfülle die Zeit! Sie ist Opfer und Pflicht!" Reinhold Braun ist der Autor dieses Spruchs - ins Poesiealbum eingetragen im Januar 1939.

Foto: Hamburger Schulmuseum
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Blöd sind Jungs und Brokkoli: Irgendwann kamen die vorgedruckten Poesiealben auf, in denen man nun seine Lieblingsbücher, Lieblingsessen sowie sonstige Vorlieben und Abneigungen kundtun konnte.

Foto: Katja Iken
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Flöten-Freundin: In das Poesiealbum ließ man auf den vorderen Seiten selbstverständlich nur seine engsten Freundinnen reinschreiben. Weiter hinten kamen die Kinder, die man sonst noch so kannte und die eigentlich nur die Seiten füllen sollten, damit man am Ende ein möglichst volles Poesiealbum vorzeigen konnte.

Foto: Katja Iken
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Akuratesse im Album: Während ab den siebziger Jahren im Poesiealbum rumgeschmiert, durchgestrichen und mit dem Tintenkiller gearbeitet wird, geben sich die Mädchen bis dahin große Mühe, ihr Sprüchlein mit äußerster Sorgfalt zu Papier zu bringen (Aufnahme von ca. 1935).

Foto: Getty Images
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Goebbels-Weisheit: "Wer sein Leben hingibt für sein Volk, aus glühender Liebe zu ihm und seinem Lande, dessen Name wird nie vergessen werden." Zur Aufopferung des eigenen Lebens fürs Vaterland ruft 1941 hier Joseph Goebbels auf.

Foto: Hamburger Schulmuseum
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Gegen Tierversuche: So mancher versuchte noch ein politisches Statement zwischen die Zeilen des Vordrucks zu schieben - der Rest hingegen war zumeist ähnlich ausgefüllt.

Foto: Katja Iken
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Helden-Pathos: "Ein Held ist, wer einer großen Sache so dient, daß seine Person gar nicht in Frage kommt." - Rund acht Monate vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs schrieb ein Mitschüler seiner Freundin dieses Sprüchlein ins Album.

Foto: Hamburger Schulmuseum
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Online-Treffpunkt: Ob sie spielen, sich präsentieren oder austauschen - mehr und mehr verlagert die Jugend ihre Aktivitäten ins Netz. Statt sich Sprüchlein ins Poesiealbum zu krakeln, präsentiert man sich bei SchuelerVZ, MySpace und anderen Web-Seiten.

Foto: REUTERS
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Diese Frieb Deine mitSchölerrin...: Eintrag aus meinem Poesiealbum 1978. Meine "MitSchölerrin" hatte etwas Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung. Macht nix, für heutige Rechtschreibregeln völlig ausreichend!

Foto: Katja van Zoest
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Goethes Gedicht vom Furzen: Eintrag meines Vaters in mein Poesiealbum. Er hat es schon immer verstanden, einfachste menschliche Bedürfnisse, beschrieben durch grosse Dichter, uns Kindern zu vermitteln. Er kannte unzählige dieser Gedichte und ich muss sagen, das hat mich mit Spass der Dichtkunst näher gebracht.

Foto: Katja van Zoest
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Klassiker: Ein klassischer Spruch und doch eine schöne Erinnerung an meine damals beste Freundin.

Foto: Katja van Zoest
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Ein Edelweiß für die Freundin: Von der Wanderschaft aus Italien, über den Gotthard Pass, brachte Philipp Keuter seiner Freundin Elisabeth Blume dies Geschenk mit. Ob "Blumen pflücken" damals schon verboten war, ich weiß es nicht.

Foto: Ferdi Keuter
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"Berg auf Berg ab ...": Ein sicher sehr ulkiger Eintrag in meinem Poesiealbum. Darum fiel auch meine Auswahl darauf. Nur zur Erheiterung soll das Blatt dienen.

Foto: Ferdi Keuter/Bärbel Keuter
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"Zum Geleit" von meiner Tante Christa: Meine Patentante Christa war eine sehr warmherzige und starke Frau. Wenn ich Gast bei ihr sein konnte, fühlte ich mich sehr wohl.

Foto: Ferdi Keuter/Bärbel Keuter
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Von einer liebenswerten Lehrerin: Ein Text von Goethe, wie er nur zu dieser Zeit im Poesiealbum möglich war.

Foto: Ferdi Keuter/Bärbel Keuter
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Von meinem lieben Cousinchen: Meine Cousine Evi ist durch Ihren Umzug nach Bayern früh aus meinem Gesichtsfeld verschwunden. Mit ihrem Mann zusammen hat sie ihr Geld mit der Erstellung von Kolumnen verdient. Nachts waren sie in der Szene von München unterwegs, auf den Spuren der Schönen, Reichen und Schrillen. Das hatte mit dem Eintrag in mein Album nicht mehr viel zu tun.

Foto: Ferdi Keuter/Bärbel Keuter
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Eigenartige Zitate in einem Poesiealbum: Gleich nach dem Krieg gab es keine neuen Poesiealben und meine Frau benutzte das von ihr 1940 angelegte Exemplar weiter mit dem Hinweis, alle leeren Seiten zu nutzen. In dieser Weise kamen ein Spruch von Adolf Hitler (1943) und einer von Karl Marx (1949) auf zwei gegenüberliegende Buchseiten. Der Schulkamerad (1949 in der Oberschule) war aktives FDJ- Mitglied.

Foto: Ernst Dr. Woll
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Eintrag in ein Poesiealbum 1940: Meine Frau legte 1940 als Achtjährige ihr Poesiealbum an und ließ als erste ihre Mutter eintragen - der Vater war im Krieg. Sie klebte dann schon "Stammbuchbilder" ein – womit die Mädchen wetteiferten, wer die schönsten Bilder besitzt.

Foto: Ernst Dr. Woll
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Eintrag in ein Poesiealbum 1919: Als 14-Jährige hatte meine Schwiegermutter 1919 ein Poesiealbum, in das sie als erstes ihren Vater schreiben ließ. Damals wurden die Seiten selten mit Bildern geschmückt – aber die Erwachsenen hatten meistens eine schöne Handschrift.

Foto: Ernst Dr. Woll
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