Exil in der Karibik - DER SPIEGEL
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Exil in der Karibik Letzte Rettung Paradies

Mit billigen Bars und Traumstränden ist die Dominikanische Republik für viele Deutsche Ballermann in der Karibik. Doch vor 70 Jahren war das Land die letzte Hoffnung für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland - obwohl der örtliche Diktator ein brutaler Rassist und glühender Fan Adolf Hitlers war. Von Christoph Gunkel
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Ferienparadies: Motorboote im Nordosten der Dominikanischen Republik beim Playa Sosúa. Im Jahr 2009 kamen etwa 4,4 Millionen Touristen in die Dominikanische Republik - davon gut 200.000 aus Deutschland.

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Lohn der Arbeit: Jüdische Siedler erholen sich am Strand von Sosúa von der harten Arbeit in der Landwirtschaft.

Foto: Christoph Links Verlag/Museo Judío Sosúa
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Ballermann der Karibik: So einsam müssen die Strände in Sosúa ausgesehen haben, als die jüdischen Flüchtlinge aus Europa kamen. Heute ist es mit der Ruhe vorbei. Das einst verträumte Örtchen hat längst den zweifelhaften Ruf als "Ballermann der Karibik".

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Künstler und Landwirte: Die meisten Flüchtlinge kamen aus der Großstadt, viele waren Ärzte, Künstler, Schauspieler oder Schriftsteller - und mussten plötzlich als Landwirte arbeiten. Daher bildete sich in Sosúa schon bald ein reiches kulturelles Leben. Das Foto zeigt eine Laienspielgruppe der Siedler bei einer Theateraufführung in El Batey.

Foto: Christoph Links Verlag/Museo Judío Sosúa
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Pioniere: Die jüdischen Siedler rodeten Wälder, bauten Straßen, pflanzten Obst an oder verlegten Wasserleitungen. Allerdings machten die meist ungelernten Landwirte auch etliche kapitale Anfängerfehler. Ganze Ernten wurden von tropischen Regenmassen wegen fehlender Drainage weggespült oder Gemüse zur falschen Zeit angebaut.

Foto: AP
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Luis Hess: Nach einer jahrelangen Odyssee durch ganz Europa kam Luis Hess 1939 als einer der ersten jüdischen Füchtlinge in der Dominikanischen Republik an. Dort lebt er auch heute noch, inzwischen ist er 101 Jahre alt. Heute ist sogar eine Schule nach Luis Hess, der Sprachen unterrichtete, benannt. Das Bild zeigt ihn im Jahr 2006 am Strand von Sosúa.

Foto: CARSTEN HOLM/DER SPIEGEL
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Kibbuz der Karibik: Die "Dominician Republic Settlement Association" (Dorsa) kaufte dem Diktator Rafael Trujillo brachliegendes Land einer Bananenplantage in Sosúa ab. Hier - mitten in der Einöde, 240 Kilometer von der Hauptstadt Ciudad Trujillo entfernt - sollte das erste Kibbuz in der Karibik entstehen. Das Foto zeigt Arbeiter, die ein Siedlerhaus in Sosúa errichten.

Foto: Christoph Links Verlag/Archivo
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Religiöses Leben: Eingang der Synagoge in Sosúa. Die jüdischen Flüchtlinge errichteten in der Stadt eine lebhafte Gemeinde in der mehrheitlich christlich geprägten Gesellschaft der Dominkanischen Republik. Rechts auf dem Foto ist Oisiki Ghitis zu sehen, bis 2009 religiöser Leiter in Santa Domingo.

Foto: Christoph Linke Verlag/Hans-Ulrich Dillmann
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Fluchtburg Karibik: Jüdische Flüchtlinge auf dem Weg von New York nach Sosúa am 19. Oktober 1940. Auf einer internationalen Flüchtlingskonferenz im Juli 1938 hatte die Dominikanische Republik angeboten, 10.000 Juden aufzunehmen. Später erhöhte sie ihr Angebot sogar auf 100.000.

Foto: Christoph Links Verlag/Joint Distribution Committee
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Rafael Trujillo: Der Präsident der Dominkanischen Republik, der Diktator Rafael Trujillo Molina, war anfangs ein Bewunderer von Adolf Hitler - sogar sein Bart ähnelte dem von Hitler. Trujillo ließ systematisch Oppositionelle und politische Gegner foltern und ermorden. Ausgerechnet er nahm jüdische Flüchtlinge in seinem Land auf - allerdings aus rassistischen Motiven: Damit wollte er die Bevölkerung der Dominikanischen Republik "aufweißen".

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Jüdische Siedlung: Das Bild aus dem Jahr 1941 zeigt ein typisches Siedlerhaus in Sosúa. Das Terrain, auf dem die geflüchteten Juden lebten, war etwa zwanzig Kilometer lang und zehn Kilometer breit.

Foto: AP
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Teutonengrill: Ein Urlauber und eine junge Dominikanerin sitzen am Verkaufstresen einer deutschen Imbissbar in Sosúa. In der Hoffnung auf schnelles Geld haben sich immer mehr deutsche Geschäftsleute und Kneipiers in der Dominikanischen Republik niedergelassen. In Sosúa gibt es nicht nur deutsches Bier und deutsche Schweinshaxe, sondern auch Kampftrinker-Bars.

Foto: dpa
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Schule des Lebens: Die Kinder jüdischer Siedler erhielten in ihrer Schulzeit auch Unterricht im Gartenbau und halfen bei der harten Arbeit unter der Tropensonne. Im August 1941 lebten etwa 400 jüdische Siedler auf dem Inselstaat.

Foto: Christoph Links Verlag/Archivo General de la Nácion, Santo Domingo
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Tabubruch: Luis Hess mit seiner Frau Ana Julia Silva vor der Feuerwehrstation in Puerto Plata. Hess war der erste der jüdischen Flüchtlinge, der eine Dominikanerin heiratete - und damit ein Tabu brach. Denn viele Juden lehnten aus religiösen Gründen eine gemischt-konfessionelle Heirat ab.

Foto: Christoph Links Verlag/Archiv Luis Hess
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Rasanter Wandel: In der Nähe des Strands von Sosúa bieten Dominikanerinnen Bilder für die Touristen an. Heute ist fast völlig in Vergessenheit geraten, dass der Touristenmagnet Sosúa einst ein verschlafener Ort und die letzte Fluchtburg für von den Nazis verfolgte Juden war.

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Kolonie-Kantine: Jüdische Siedler beim koscher zubereiteten Essen. Die Flüchtlinge wollten in der Karibik eine landwirtschaftliche Mustersiedlung errichten. Dazu bekamen sie von einer speziell gegründeten Organisation finanzielle und logistische Unterstützung. Rinder, Kühe, Pferde und Traktoren wurden gekauft. Die Kosten für ihre Überfahrt aus Europa oder für die technische Ausrüstung mussten die Siedler später zurückerstatten.

Foto: Getty Images
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Ende der Idylle: Seit den siebziger Jahren kam der Massentourismus in das lange vergessene Örtchen Sosúa - und mit ihm besonders viele deutsche Pauschaltouristen. "Zuerst wurden wir aus Deutschland vertrieben und dann war Sosúa voll mit Deutschen", sagte Martin Katz (2.v.r.) einmal in einem Interview und empfand das als "Ironie der Geschichte".

Foto: Christoph Links Verlag/Museo Judío Sosúa
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Diktatoren unter sich: Herzlich begrüßen sich der spanische Staatschef, General Franco (l.), und Rafael Trujillo Molina im Sommer 1954 in Madrid. Ende der dreißiger Jahre hatte Trujillo vergeblich versucht, eine große Anzahl spanischer Siedler auf seinen Inselstaat zu locken: Seine Berater hatten ihm "reinrassige Spanier" zur "rassischen Verbesserung unserer Bevölkerung" empfohlen.

Foto: AP
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Kindergarten: Im idyllisch gelegenen Örtchen Sosúa leisteten die von den Nazis vertriebenen Juden eine enorme kulturelle Pionierleistung. Schon bald hatten die Flüchtlinge, Tausende Kilometer von ihrer Heimat Deutschland entfernt, eine florierende Kleinstadt geschaffen - das Foto zeigt den Kindergarten.

Foto: Christoph Links Verlag/Archivo General de la Nácion, Santo Domingo
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Feierabend am Strand: 1938, bevor die jüdischen Siedler kamen, lebten gerade einmal 75 Juden in der Dominkanischen Republik. Bis Ende 1942 sollten sich etwa 800 Juden und Jüdinnen in dem Karibikstaat niederlassen - viele verließen ihn aber wieder nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

Foto: AP
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Jüdische Kleinstadt: Eine Siedlerfrau mit ihrer Tochter in Sosúa. Schon bald gab es in dem Ort eine Apotheke, eine Bibliothek, eine Synagoge, ein Friseursalon und eine Schule; später sogar eine eigene Käserei und Wurstabrik. Getanzt und gefeiert wurde in der Bar "Oasis".

Foto: AP
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Strandbar: In den siebziger Jahren entdeckte der Massentourismus das Sonnenparadies Dominikanische Republik. Hotelburgen wurden in kürzester Zeit hoch gezogen, Touristen reisten in Scharen an, darunter auch viele Kampftrinker, angelockt von den günstigen Bars und Getränken.

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