Analyse von Mobbingfällen Experten zeigen Fehler auf
Warum gerade ich? Wer Opfer einer Mobbing-Attacke wird, stellt sich diese Frage Tag für Tag. Es ist eine bohrende Frage, die einen Menschen fertigmachen kann. Und die Experten oft leicht beantworten können.
Ute Bölke arbeitet als Karrierecoach in Wiesbaden. Einer ihrer Fälle: Produktmanager Yannick, 26, fühlt sich blöd angemacht von oben: Die neue Chefin nimmt ihm wichtige Aufgaben weg, hört ihm nicht zu, irgendwann meiden ihn auch die Kollegen. Was ist passiert? Yannick fühlte sich innerlich bedroht, sagt Bölke. Er weinte dem alten Chef nach, statt sich auf die neue Situation einzustellen. Die neue Vorgesetzte wertete sein Verhalten als Desinteresse. Die Spirale nahm ihren Lauf.
Claudia Kimich arbeitet als Coach und Verhandlungsexpertin in München. Sie analysiert den Fall von Ingenieurin Susi, 38. Sie wird blöd angemacht von der Seite: Ihre Kollegen machen sich über ihr Übergewicht lustig, legen ihr Diätprogramme auf den Schreibtisch, lachen sie aus. Susi ist in die Schaf-Falle gerannt, sagt Kimich. Sie ließ sich anfangs schamlos ausnutzen. Erst, als sie auf einmal nicht mehr alle unangenehmen Arbeiten übernehmen wollte, fingen die Kollegen an, auf ihrem Übergewicht herum zu hacken. Ihr zweiter Fehler: Sie bot nicht konsequent Paroli.
Jörn Tschirne von der CoachAkademie Stuttgart beschäftigt sich mit dem Fall von Gruppenleiter Thorben, 30. Er wird blöd angemacht von unten: Seitdem er befördert wurde, spielen ihm seine Kollegen übel mit. Sie lästern in Foren, lassen ihn bei Präsentationen hängen. Warum? Thorbens erster Fehler war die zu pompöse Einstandsfeier, sagt Tschirne. Der zweite: Er füllte seine Rolle als Chef nicht konsequent aus, wollte weiter der Kumpel sein. So verspielte er den Respekt seiner Mitarbeiter.