Explosion zerstörte 1949 Eifelstadt Prüm - DER SPIEGEL
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Loch in der Eifel Warum der Kalvarienberg explodierte

Vor 70 Jahren wurde die Eifelstadt Prüm durch eine Explosion zerstört. Die Überlebenden musste sich verpflichten, die Schuldfrage nicht weiter zu verfolgen.
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Schwarzer Freitag: Eine Explosion verwüstete am 15. Juli 1949 die Eifelstadt Prüm. Das örtliche Krankenhaus war völlig zerstört, die Schule auch. Die 60 Verwundeten wurden in einem Gasthaus versorgt. Es sah aus wie nach dem Krieg - schon wieder.

Foto: DPA
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Zerbombtes Prüm: Um 20 Uhr 22 explodierten 500 Tonnen Munition und jagten einen ganzen Berg in die Luft. Die Bevölkerung hatte das Unglück schon lange kommen sehen und bei der Landesregierung und den Besatzungsbehörden immer wieder um die Beseitigung des Depots gebeten - vergebens. Der zuständige Landrat Johannes Rüdel war von Ministerpräsident Altmeier zur Zurückhaltung ermahnt worden: "Sie reden sich um Kopf und Kragen."

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Heißer Sommer: Ursprünglich wurde angenommen, die extreme Julihitze hätte die Granaten entzündet. Es gab nur zwölf Tote (ein kleines Wunder), neun Schwerverwundete und 51 Leichtverletzte. 970 Menschen waren obdachlos geworden. Die Kinder waren kurz vor der Detonation aus der Stadt gebracht worden. Eltern schützten sie vor den faustgroßen Steinen, die durch die Luft geschleudert wurden. Am Tag danach suchten die Familien in den Trümmern nach ihrem Besitz.

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Kalvarienberg-Kreuz: Ein Kreuzweg mit den Stationen des Leidens Christi hatte hinauf zum Eingang des Depots geführt. Auf dem 569 Meter hohen Berg stand eine Kapelle. Sie wurde bei der Detonation zerstört. 1951 wurde an ihrer Stelle ein Holzbalkenkreuz aus der nahen Basilika aufgestellt - zur Erinnerung an die Katastrophe. Später bekam das Kreuz Leuchtröhren. Seit 1979 steht auf dem Kalvarienberg ein Monument aus Basalt. Es stammt von dem Künstler Johann Baptist Lenz aus Oberkail. Aufschrift: Diene der Versöhnung und dem Frieden.

Foto: Archiv PRÜM AKTUELL/ Lambert Peters
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Wie im Krieg: Von 240 Häusern waren nur noch Geröll und Staub übrig. Hätte der Landrat Rüdel nicht gleich nach Ausbrechen des Brandes im Depot die sofortige Evakuierung aller Einwohner befohlen, hätte ein Großteil die Katastrophe nicht überlebt. Da es keine Sirenen in Prüm gab, wurden die Kirchenglocken geläutet und Ausrufer liefen durch die Stadt. Im Stadtrat tagte die Baukommission; sie hielt das Glockenläuten für einen Waldbrandalarm.

Foto: Archiv PRÜM AKTUELL/ Hans Kreutz
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Nachkriegsruinen: Die gesamte Oberstadt lag unter Trümmern. Ausgerechnet der Straßenzug Langemarckstraße, Stainkaulstraße und Reginostraße, in dem sich die wenigen Prümer Häuser befanden, die den Krieg unbeschadet überstanden hatten, wurde völlig zerstört. Es dauerte Jahre, bis alles wiederaufgebaut war. Finanzielle Hilfen kamen aus Trier und Rom. Nach drei Jahren titelte eine große Boulevardzeitung: "Prümer haben den Schreck überwunden."

Foto: Archiv PRÜM AKTUELL/ Hans Kreutz
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Verzweiflung nach Wiederaufbau: Die Bevölkerung in der jungen Bundesrepublik zeigte sich betroffen von dem Unglück in der Eifelstadt, die 1949 gerade ihre schlimmsten Kriegsschäden beseitigt hatte. Der Unmut war besonders groß, als bekannt wurde, wie heftig sich die Prümer gegen das Munitionslager in ihrer Stadt gewehrt und wie kühl die französische Besatzungsmacht diese Beschwerden immer wieder abgewiesen hatte. Die französische Behörde zahlte nach dem Unglück zwei Millionen Mark Entschädigung. Doch die Prümer wohnten jahrelang in einer Mondlandschaft.

Foto: Archiv PRÜM AKTUELL/ Hans Kreutz
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Trauerzug in der Eifel: Am 20. Juli fand ein Staatsakt zum Gedenken an die Opfer statt. Danach wurden die Toten feierlich zu Grabe getragen. Feuerwehren aus der ganzen Eifel bis nach Koblenz sandten ihre Vertreter mit Kränzen zu den Trauerfeierlichkeiten in die Grenzstadt,...

Foto: Archiv PRÜM AKTUELL/ Hans Kreutz
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...die Anteilnahme am Leid der Prümer war groß. Die Särge der zwölf Opfer wurden von Pferden auf Lafetten durch die Stadt gezogen. Unter den Toten war auch die 72-jährige Katharina Zimmer. Das Prümer Original hatte sich immer gewünscht, vom Bischof aus Trier beerdigt zu werden.

Foto: Archiv PRÜM AKTUELL/ Hans Kreutz
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Endzeitlandschaft: 250.000 Kubikmeter Gestein waren aus dem Berg geschleudert und auf einer Fläche von fast 100 Hektar verteilt worden. Der feine, rote Staub der Vulkanerde verteilte sich im Umkreis von mehr als 20 Kilometern - die Presse sprach von "Rotem Schnee". Als "loderndes Fanal der Grenzlandnot" bezeichneten 1949 Zeitungen die verwüstete Region.

Foto: Archiv PRÜM AKTUELL/ August Altenburg/ Monika Rolef
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Obdachlose Prümer: 965 Bewohner der Stadt hatten nach dem Unglück kein Dach mehr über dem Kopf und ihren gesamten Besitz verloren. Sie mussten sich das Nötigste in den Trümmerbergen zusammensuchen. Und natürlich wollten sie wissen, wieso ihre Stadt zerstört worden war. Man munkelte von einer außer Kontrolle geratenen Sprengung, vom Schlendrian der Wachmannschaften und provisorisch verlegten Elektroleitungen. Die Behörden vermuteten aber auch Sabotage.

Foto: Archiv PRÜM AKTUELL/ August Altenburg/ Monika Rolef
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Deutschland 1949: In der kleinen Stadt bleibt kein Stein mehr auf dem anderen, nachdem "Betonklötze halb so groß wie Häuser" bis ins benachbarte Niederprüm geschleudert worden waren. Trümmer aus dem Berg hätten "Dachböden und Zimmerdecken durchschlagen", wie Augenzeugen berichteten. Und eine "Kampfgruppe zur Erzwingung eines gerechten Lastenausgleichs" behauptete, das Depot in die Luft gesprengt zu haben - um auf die ungerechte Behandlung der Deutschen hinzuweisen. Die Behörden hielten das für eine Finte.

Foto: Archiv PRÜM AKTUELL/ August Altenburg/ Monika Rolef
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Prümer Loch: Das Loch in der Eifel gehört zu den größten Kratern, die durch Menschenhand entstanden sind: 190 Meter lang, 90 Meter breit und 27 Meter tief. Auf dem Foto von 1959 sieht man, dass die Natur sich den kahlen Unglücksort schon fast wieder zurückgeholt hatte. Später wurde jahrelang im Stadtrat beraten. Man plante, den Krater zuzuschütten und ein Sportstadion zu errichten. Nichts dergleichen geschah. Heute ist die Stelle bewaldet, es ist dort ein Naherholungsgebiet entstanden.

Foto: Archiv Prüm früher
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Offener Berg: Das Bunkersystem, das die Nazis 1939 in den Kalvarienberg gegraben hatten und das im Juli 1949 in die Luft flog, hatte aus einem 100 Meter langen und 60 Meter breiten Hauptstollen und mehreren Querstollen bestanden. Es hatte 30 Meter in den Berg hineingereicht. 1949 glaubte man noch, im Stollensystem des Kalvarienbergs sei Munition der Wehrmacht gelagert. Der Bunker hatte vor dem Krieg als Mannschaftsunterkunft gedient - in der Nähe von Prüm entstand der Westwall. Bis zu 1000 Arbeiter sollen in den Stollen untergebracht gewesen sein.

Foto: Archiv PRÜM AKTUELL/ Hannelore Langzauner
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Zeitgeschichte in Echtzeit: Dem Klosterschüler Greitmann aus dem drei Kilometer entfernten Niederprüm gelang um 20 Uhr 20, also während der Explosion im Kalvarienberg, diese Aufnahme. Der Lokaljournalist Carl Andres erwarb diese und andere Aufnahmen für den "Trierischen Volksfreund". Als die Redaktion den Film des Klosterschülers entwickelte, waren keine Fotos drauf. Ein Reporter der Konkurrenz-Zeitung "Kölnische Rundschau" hatte die Explosionsbilder heimlich an sich genommen und durch unbelichtetes Material ersetzt.

Foto: Archiv PRÜM AKTUELL/Schröder
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Eifel-Idylle: Prüm war 1949 eine ruhige Stadt im äußersten Westen der jungen Bundesrepublik. Doch am 15. Juli um 20 Uhr 22 geschah das, was die Prümer seit Jahren befürchtet hatten: 500 Tonnen Munition explodierten und jagten einen ganzen Berg in die Luft. Im Juli 1949 hatte die Stadt Prüm eigentlich 2700 Einwohner. Aber ein Großteil davon - nämlich 900 Menschen - war zum Zeitpunkt der Explosion noch evakuiert und lebte im Umland. Es hätte sonst viel mehr Tote gegeben.

Foto: Archiv PRÜM AKTUELL/ Schröder/ Lange
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Kreuz am Kraterrand: Der Kalvarienberg, dessen Name an die Leiden von Jesus Christus erinnern sollte, lag nordwestlich von Prüm. Das Kreuz blieb - angeblich - stehen. Die Munition, die in dem heiligen Berg gelagert worden war, war keine Altlast der Wehrmacht gewesen. Es handelte sich, wie sich später herausstellte, größtenteils um moderne amerikanische Granaten, mit denen der Westwall gesprengt werden sollte. Bis Ende 1946 waren durch den Krieg obdachlos gewordene Prümer Bürger in dem Bergbunker untergebracht gewesen.

Foto: Archiv PRÜM AKTUELL/ Katja Schreiter
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Schweres Gerät: Bei den Prümer Aufräumungsarbeiten waren auch wieder Raupen-Bagger der Firma Orenstein & Koppel (O & K) im Einsatz. Das große deutsche Maschinenbau-Unternehmen war zwischen 1933 und 1935 von einem Kameraden Görings, hinter dem die Dresdner Bank stand, arisiert worden und hatte sich ab 1940 MBA (Maschinenbau und Bahnbedarf Aktiengesellschaft) genannt. Doch ab 1949 arbeitete die Firma in Westdeutschland wieder unter dem alten Namen O & K.

Foto: Archiv PRÜM AKTUELL/ Roland Münz
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Machtlose Polizei: Noch Anfang Juli 1949 hatten der Polizeichef von Trier und der Leiter der Gendarmerie des Kreises die Sicherheit des Munitionslagers inspizieren wollen. Doch die beiden höchsten Polizeioffiziere der Region waren von der französischen Besatzungsmacht einfach weggeschickt worden. Wenige Tage später entstand ein Feuer im Depot und der Berg mit der Munition explodierte.

Foto: Archiv PRÜM AKTUELL/ Roland Münz
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Doppeltes Unglück: Die Stadt Prüm war von alliierten Bombenangriffen besonders betroffen gewesen. Weihnachten 1944 hatten US-Flugzeuge 92 Prozent aller Häuser zerstört. Zwei Tage lang hatte das Bombardement gedauert, die Flieger kamen in sieben Wellen. Möglicherweise war das Munitionsdepot im Kalvarienberg damals das Ziel des Angriffs. In den schwierigen Nachkriegsjahren hatten die Prümer die Kriegsschäden schon fast beseitigt, als 1949 in ihrer Stadt erneut Bomben explodierten.

Foto: Archiv Prüm früher
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Abgestütztes Polizeirevier: Vom Gebäude der örtlichen Polizei standen nur noch Außenmauern. Der dort stationierte Gendarmerie-Hauptmann Meyer hatte kurz vor der Explosion die Glocken der evangelischen Kirche Sturm läuten lassen, damit die Prümer ihre Stadt verließen. So rettete er vielen das Leben. Am Tag darauf wurden die Opfer der Explosion in der gleichen Kirche aufgebahrt.

Foto: Archiv Prüm früher
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Held von Prüm: Der Gendarmeriechef Meyer wurde von der Presse für sein entschiedenes Eintreten gefeiert. Dabei hatte der von der Landesregierung gedeckelte Landrat Rüdel die Evakuierung befohlen. Müller-Marein von der "Zeit" (von 1957 bis 1968 Chefredakteur) besichtigte die zerstörte Eifelstadt und wollte Meyer sogar ein Denkmal setzen, vergaß aber sein Vorhaben, als er wieder in der Hamburger Redaktion war. Immerhin dichtete er in seinem Prüm-Artikel: "Die Leute von Prüm saßen in den Wäldern. Acht Uhr dreiundzwanzig abends."

Foto: Archiv Prüm früher
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Unpassierbare Hauptstraße: Die Tiergartenstraße - heute die B 265 - war besonders stark zerstört. Es fehlte an Bauholz und anderen Materialien, mit denen die Ruinen abgestützt und gesichert hätten werden können. Der Gesamt-Schaden in Prüm wurde 1949 auf fünf Millionen Mark geschätzt.

Foto: Archiv Prüm früher
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Presse-Echo: Die Explosion von Prüm war 1949 auch ein Medienereignis. Die Zeitungen überschlugen sich: "Die Hölle von Prüm" titelte die "Trierische Landeszeitung" am 16. Juli 1949. Die berühmten Eifel-Maare sind durch Vulkane entstanden - also wurde auch der Kalvarienberg "zum Vulkan", und der "Himmel weinte blutige Tränen", schrieb "Die Zeit".

Foto: Archiv Prüm früher
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