Fahrrad-Blog Drei Räder sind eins zu wenig
Mein Titan-Rennrad mit externem Steuersatz und Carbon-Gabel. Ich habe es mir bei Enigma in England maßfertigen lassen. Schlecht für das Konto, aber gut für den Rücken. Ich mag den klassischem Look mit runden Rohren und geradem Oberrohr.
Mit dem 32er Ritzel schaffe selbst ich lange Alpenpässe. Das Rad hat die nötigen Ösen, um mit Schutzblechen und Gepäckträger gefahren zu werden.
Alle meine Räder haben BSA-Innenlager. Die sind zuverlässig, bewährt und erfordern kein teures Spezialwerkzeug. Mit der angeblich mangelnden Steifigkeit habe ich nie Probleme gehabt.
Ich fahre keine Reifen, die schmaler als 28 mm sind. Als ich mir das Rad bauen ließ, war die TRP-957 eine der wenigen hochwertigen Rennradbremsen, die ausreichend Platz dafür ließ. Das gleiche galt für die Columbus Hiver Gabel. Mittlerweile haben sich breitere Reifen auch am Rennrad durchgesetzt.
Die Sram Force 22 Schaltung passt optisch gut zum Rad. Ich mag den Double-Tap-Mechanismus lieber als das Schaltsystem von Shimano, wo der Bremshebel zur Seite geschwenkt werden muss. Von Campagnolo gab es damals keine Schaltung mit ganz großem Ritzel.
Der Brooks B 15 Sattle war der mit Abstand bequemste, den ich probiert habe. Leider war er auch der schwerste. Die Titanstreben machen den Gewichtsnachteil zumindest teilweise wett.
Die Laufräder habe ich mir bauen lassen. Die Hplus Son Felgen sind breiter als herkömmliche Rennradfelgen und fahren sich wunderbar weich. Etwas überrascht war ich vom Klang der Hope-Naben. Sie surren im Leerlauf so laut, dass sie eine Klingel ersetzen.
Mein Stadtrad habe ich mir vor zwei Jahren aus Columbus Zona-Rohren selber gebaut. Der Rahmen ist gemufft und deutlich leichter als der des modernen Treckingrades, das ich davor benutzt habe. Erstaunlicherweise hält er noch immer.
Die Bremsen von Paul habe aus den USA mitgebracht. Ich weiß nicht, ob es die besten Cantilever-Bremsen sind, aber es sind zweifelsohne die schönsten. Wie bei Cantis üblich, war es etwas Fummelei, bis ich ihnen das Quietschen abgewöhnt habe.
Zum Schalten habe ich Rahmenschalthebel auf sogenannte Thumbies montieren lassen. Das passt viel besser zum Rad als moderne Schalthebel und funktioniert bestens. Vorne fahre ich mit einem Kettenblatt, hinten habe ich ein neunfach Ritzel.
Der Moustache-Lenker fährt sich sehr sportlich und trotzdem bequem. Dank der am Lenkerende angebauten Bremsen habe ich viel Platz für verschiedene Handpositionen.
Die Klingel von Spurcycle habe ich während eines Besuchs in New York gekauft. Sieht nicht nur gut aus, sondern hat auch einen wunderbaren Klang. Das sage ich nicht nur, um den absurden Preis zu rechtfertigen.
Das Stahl-Fixie von Wabi-Cycles habe ich mir aus Chicago mitgebracht, wo ich im vergangenen Jahr gelebt habe. Es hat, anders als viele andere Fixies, keine aggressive Bahnrad-Geometrie, sondern ist absolut alltagstauglich. Weil ich nicht lebensmüde bin, fahre ich es mit Bremsen.
Anstelle der ursprünglichen dünnen, harten Reifen habe ich superleichte 32mm Reifen von Compass aufgezogen. Der Effekt ist erstaunlich: Die meisten Unebenheiten bügelt das Rad einfach weg. Selbst Kopfsteinpflaster ist kein Problem.
Das Hinterrad hat eine Flip-Flop-Nabe, so dass ich das Rad auch mit Freilauf fahren könnte, was ich aber noch nie getan habe. Fixed zu fahren macht einfach zu viel Spaß.
Autor Ralf Neukirch auf Ausfahrt. Ab sofort wird er im Blog "Radel verpflichtet" auf SPIEGEL ONLINE über seine Liebe zum Zweirad schreiben.