Fall Kurras - DER SPIEGEL
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Fall Kurras Der Staatsschützer und der Stasi-Friseur

West-Berliner Kripo-Beamte waren ein beliebtes Spitzelziel der Stasi. Neu ausgewertete Protokolle geben nun auch überraschende Einblicke in das Leben der am Tod von Benno Ohnesorg Beteiligten. Ein Friseur lieferte erschreckende Informationen über einen rabiaten Vorgesetzten des Todesschützen Kurras.
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Gesellige Runde: Helmut Starke (mit Hut) bei einer feucht-fröhlichen Feier im Kreise von Staatsschutzkollegen in West-Berlin. Laut Stasi-Akte tranken der Kripo-Beamte und seine ganze Abteilung "wie ein Loch".

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"Ordentlicher Draufgänger": Helmut Starke (rechts), hier mit einem Kriegskameraden, bekam für seine Einsätze als Frontsoldat in Frankreich, Italien und Russland diverse Orden und Auszeichnungen.

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Geprägt vom Krieg: Der spätere Kriminalpolizist Helmut Starke (Mitte) mit Kriegskameraden in einer Aufnahme von 1942. Als 18-Jähriger war Starke zu den Fallschirmjägern einberufen worden.

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Ein ausgezeichneter Mann: Für seinen Einsatz als Frontsoldat im Zweiten Weltkrieg hatte Helmut Starke zahlreiche Orden bekommen. Auch die Alliierten wollte sich bei ihm mit einem Orden bedanken - für die "Niederschlagung von Demonstrationen, die sich gegen den Krieg in Vietnam richteten", wie sein Freund Hans Bauchwitz der Stasi berichtete. Starke wäre aber "eine Reise in die USA lieber" gewesen.

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Lukrativer Nebenjob: Der Friseur und inoffizielle Mitarbeiter der Stasi, Hans Bauchwitz, hatte sich im Auftrag des ostdeutschen Geheimdiensts mit seinem Fußballkumpel Helmut Starke angefreundet und berichtete über den Kripo-Beamten nach Ost-Berlin.

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Helmut Starke: Der Staatsschützer leitete den Einsatz der Kripo beim Staatsbesuch des Schahs von Persien am Abend des 2. Juni 1967 in Berlin. Die private Aufnahme, während der er mit seinem Freund Hans Bauchwitz am Fenster herumalberte, entstand im gleichen Jahr.

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Gut gelaunt: Staatsschützer Helmut Starke bei einer Feier 1967. Der Polizeieinsatzleiter vertuschte den Todesschuss auf den Studenten Benno Ohnesorg.

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Jubeln und prügeln: Mehrfach kam es während der Demonstrationen gegen den Besuch des persischen Herrscherpaares Kaiser Schah Reza Mohammed Pahlavi und Kaiserin Farah Diba bei ihrem Besuch 1967 in West-Berlin zu Tumulten. Vor dem Schöneberger Rathaus hatten sich etwa 400 Demonstranten versammelt, auf die die Anhänger des Schahs mit den Latten ihrer Transparente und mit Totschlägern einprügelten, ohne dass Polizei eingriff. Diese Gegendemonstranten wurden als "Jubelperser" oder auch "Prügel-Perser" bekannt.

Foto: dpa
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Späte Hilfe: Umringt von Helfern des Roten Kreuzes wird Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 ins Krankenhaus eingeliefert, wo er kurz darauf starb. Polizisten hatten zunächst noch einen Arzt daran gehindert, dem Schwerverletzten zu helfen. Bis die Sanitäter ihn schließlich mitnehmen konnten, verging eine Viertelstunde.

Foto: Joachim Barfknecht/ dpa
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Letztes Geleit: Von einem Autokorso begleitet wird der Leichnam Benno Ohnesorgs am 8. Juni 1967 von Berlin nach Hannover überführt. Am Grenzübergang Dreilinden wechselten die Wagen auf die von Trauernden umsäumte Auffahrt auf die Transitautobahn in Richtung Helmstedt. Als Zeichen der Ehrbietung für die "Opfer des Militarismus" ließ die DDR den Konvoi passieren und verzichtete auf Visa und Autobahngebühren.

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Kurras vor Gericht: Vor Beginn seines Prozesses am 3. November 1967 im Landgericht von Berlin wird Karl-Heinz Kurras von Fotografen umringt. Er musste sich hier in den folgenden Wochen wegen fahrlässiger Tötung Benno Ohnesorgs verantworten. Auch wenn alle Beweise und Zeugen dafür sprachen, dass der Polizist falsch gehandelt hatte, wurde er am 21. November von dem Gericht freigesprochen. Der Richter folgte dabei dem psychiatrischen Gutachten, nach dem Kurras zur Tatzeit "in seiner Kritik- und Urteilsfähigkeit erheblich eingeschränkt" gewesen sei.

Foto: dpa
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Helmut Starke: Ein Porträt in seinem Führerschein in den achtziger Jahren. Über seinen Werdegang in West-Berlin war die Stasi über Jahrzehnte bestens informiert. Bis 1982 arbeitete Starkes Freund Hans Bauchwitz unter dem Decknamen Heinz Schmidt für die Spitzelbehörde in Ostberlin.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?