Fall Mohammed Buazizi Scham oder Protest?
Sidi Bouzid, ein Kaff auf dem platten Land in Tunesien. Noch immer versammeln sich täglich Hunderte junger Männer vor dem Rathaus, um Mohammed Buazizi zu gedenken, der sich mit Bezin übergoss und selbst verbrannte. Die Tragödie gilt als Ausgangspunkt der Jasminrevolte, die den Herrscher Ben Ali aus dem Amt jagte.
Politischer Protest eines Verzweifelten - so wird der Tod des jungen Buazizi interpretiert. Doch seine Schwester Leila sagt: "Wir sind alle völlig unpolitisch. Mohammed hat sich mit Benzin übergossen, weil er die Schande nicht ertragen konnte, von einer Frau geohrfeigt worden zu sein."
Reporter befragen die Familie. Zwei Geschwister geben Auskunft, der Mutter Mohammeds kommen immer wieder die Tränen: Jetzt, wo in Tunis ein wenig Ruhe eingekehrt ist, spüren die Journalisten den vermeintlichen Ursprüngen der tunesischen Revolution nach.
Omar Walia, seit zehn Jahren arbeitsloser Anwalt in Sidi Bouzid, trägt sein Diplom immer bei sich: "Ich vertraue darauf, dass die neue Regierung uns gestatten wird, unser Recht zu verlangen."
Die Tragödie als Marketingcoup: Der tunesische Internet-Provider Hexabyte schickt der Familie Buazizi einen Computer als Geschenk. Techniker installieren den Rechner im Schlafzimmer. Ein Gratis-Internet-Zugang auf Lebenszeit rundet die milde Gabe ab.
Entfernte Verwandschaft zu Besuch: nach dem Tod des Mohammed Buazizi versammelt sich die Familie zur Trauerfeier. Die Weltöffentlichkeit schaut zu.