Fall Werner Höfer Wie Deutschlands Meister-Moderator über seine braune Vergangenheit stolperte
Journalistenlegende: 1968 galt Werner Höfer noch als renommierter Journalist, der bei Hörfunk und Fernsehen für den WDR und NDR sowie als "Stern"-Korrespondent gearbeitet hatte. Zwischenzeitlich hatte er sogar den Posten als Chefredakteur der "Neuen Illustrierten" inne.
Pianist Kreiten: Der Klaviervirtuose Karlrobert Kreiten während eines Konzerts. Am 3. Mai 1943 wurde der Pianist in Heidelberg, wo er in der ausverkauften Neuen Aula der Universität einen Klavierabend geben sollte, wegen "Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung" von der Gestapo verhaftet.
Gestürzter Fernsehjournalist: Der "Internationale Frühschoppen" mit seinem Gastgeber Werner Höfer (dritter von links) und fünf Journalisten. Seit 1953 gehörte die Sendung am Sonntagvormittag zu den populärsten des deutschen Fernsehens. 1987 musste Höfer die Sendung abgeben, nachdem er wiederholt mit seinem journalistischen Schaffen während der Nazi-Zeit konfrontiert wurde. Vor allem ein Kommentar im "12 Uhr Blatt" aus dem Jahr 1943, in dem Höfer die Hinrichtung des Pianisten Karlrobert Kreiten lobte, brachte ihn zu Fall. Der Schwager von Christian Felchow recherchierte zusammen mit dessen Schwester wichtige Beweise, die zum Sturz der Fernsehlegende beitrugen.
Zeitungsmeldung: Ein Düsseldorfer Blatt meldete am 15. September 1943 - acht Tage, nachdem Karlrobert Kreiten erhängt worden war - den Tod des 27 Jahre alten Pianisten. "Kreiten hat durch übelste Hetzereien, Verleumdungen und Übertreibungen eine Volksgenossin in ihrer treuen und zuversichtlichen Haltung zu beeinflussen versucht und dabei eine Gesinnung an den Tag gelegt, die ihn aus der deutschen Volksgemeinschaft auschließt", heißt es in der Meldung.
Der umstrittene Kommentar Höfers: Der Journalist Werner Höfer begrüßte am 20. September 1943 in einem Kommentar im Berliner "12 Uhr Blatt" die Hinrichtung von Karlrobert Kreiten als "strenge Bestrafung eines ehrvergessenen Künstlers". Höfer bestritt stets, den Text in dieser Form geschrieben zu haben.
Kreiten mit 16 Jahren: 1929 begann Karlrobert Kreiten eine professionelle Ausbildung als Pianist - damals war er 13 Jahre alt. Bis 1934 studierte er bei Peter Dahm an der Kölner Hochschule für Musik.
Gefeierter Musiker: Die Karriere von Karlrobert Kreiten verlief bis 1943 höchst erfolgreich. Kritiker bezeichneten den Pianisten als Wunderkind. Das Foto zeigt ihm nach einem Konzert 1933.
Wahlberliner: Ende 1937 zog Karlrobert Kreiten von Bonn nach Berlin um. Das undatierte Foto zeigt ihn in seiner neuen Wohnung an der Motzstraße.
Familie Kreiten nach dem Krieg: Schwester Rosemarie von Studnitz (von links), Mutter Emmy Kreiten, Neffe Gilbert von Studnitz, Großmutter Sophie Liebergesell, Vater Theo Kreiten und Neffe Edgar Musolf (v.l.) auf einer Aufnahme von 1959.
Konzertsängerin Emmy Kreiten: Die Mutter von Karlrobert Kreiten, Emmy Kreiten, trat nach dem Tod ihres Sohnes wieder als Mezzo-Sopranistin auf.
"Internationaler Frühschoppen": Sechs Journalisten aus fünf Ländern diskutieren in der sonntäglichen ARD-Fernsehsendung "Internationaler Frühschoppen". Gastgeber Werner Höfer griff jede Woche ein aktuelles Thema auf und lud dazu Journalisten aus aller Welt ins Studio zum WDR nach Köln ein - mehr als 30 Jahre lang.
Die undatierte Aufnahme zeigt William Lange aus Deutschland, Ernst Kox aus der Schweiz, Roshan Dhunjibhoy aus Pakistan, Moderator Werner Höfer, Phuc Vinh Phan aus Vietnam und Garrick Utley aus den USA (v.l.).
Vom WDR entlassen: Das Foto zeigt den Journalisten und ehemaligen Moderator der ARD-Sendung "Internationaler Frühschoppen" Werner Höfer am 5. Januar 1996 in Köln. 1987 hatte sich Höfer ins Privatleben zurückgezogen, nachdem ihm der WDR die sonntägliche TV-Sendung wegen seiner journalistischen Vergangenheit in der Nazi-Zeit abgenommen hatte.
"Höfer gibt auf": Zeitungsmeldung vom 23. Dezember 1987 in der "Abendzeitung München". Seine journalistische Tätigkeit in der NS-Zeit beendete die Karriere des Journalisten Werner Höfer. Er musste wegen der Kreiten-Affäre seine Position im "Internationalen Frühschoppen" aufgeben. Der WDR beendete zum Jahresende 1987 die Sendung.