Fallschirm-Rekordmann Kittinger - DER SPIEGEL
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Fallschirm-Rekordmann Kittinger "Ein phantastischer Sturzflug"

Er fiel und fiel und fiel: Vor 50 Jahren sprang Air-Force-Testpilot Joseph Kittinger per Fallschirm aus 30 Kilometern ab und durchbrach fast die Schallmauer. Im einestages-Interview spricht er über den Sinn des lebensgefährlichen Experiments - und verrät, wie er die Bodenkontrolle zur Weißglut trieb. Von Christoph Gunkel
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Freier Fall: Joseph Kittinger springt auf 31.333 Metern Höhe aus seinem Ballon und stellt damit gleich drei neue Weltrekorde auf - die höchste Ballonfahrt, die mit 988km/h größte Geschwindigkeit eines Menschen sowie der mit 4:36 Minuten längste Fallschirmsprung.

Foto: US Air Force / PD
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Frühe Weltraumforschung: Ende der fünfziger Jahre waren heliumgefüllte Ballons die einzige Möglichkeit, die Grenze zum Weltraum zu erforschen und die Bedingungen für die bemannte Raumfahrt auszuloten. Joseph Kittinger, hier in einer Gondel auf dem Testgelände einer US-Air-Force-Basis, bezeichnet sich und seinen Kollegen David Simons daher auch als "erste Raumfahrer". Anfangs war in der Tat nicht eindeutig definiert, in welcher Höhe das Weltall anfängt - erst 1960 setzte der internationale Luftsportverband FAI die Grenze auf 100 Kilometer fest. Kittinger und Simons waren von nun an nicht mehr die ersten Menschen im All - sondern am Rande des Alls.

Foto: AP
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Auf dem Weg in die Stratosphäre: Der Ballon des Projekts "Man High I" während Kittingers Testflugs am 2. Juni 1957. Beim Start wirkte er wie eine schlaffe Qualle, doch als der Ballon weiter aufstieg, sank der Luftdruck und das Helium im Ballon dehnte sich aus. Kittinger konnte wegen technischer Probleme nur kurze Zeit auf der Höhe von 29 Kilometern bleiben.

Foto: U.S. Air Force
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Mission "Man High": Anfang der fünfziger Jahre schickten US-Forscher zunächst nur Tiere per Ballon in große Höhen, um eine mögliche Fahrt mit Menschen vorzubereiten. 1955 wurden Joseph Kittinger und David Simons dann als Testpiloten für solche Ballonfahrten ausgewählt. Monatelang bereitete sich Kittinger akribisch auf das Projekt unter dem Tarnnamen "Man High" vor, indem er Stunden in seinem Druckanzug und in der Spezialkapsel der Gondel verbrachte. 1957 erreichte er schließlich als erster Mensch die Höhe von 29 Kilometern.

Foto: U.S. Air Force
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Pilot für die Nato: Joseph Kittinger flog 1952 in Kopenhagen für die Nato das neue Kampfflugzeug F-84G. Er absolvierte damit in einem Zeitraum von wenigen Monaten mehr als 300 Flüge.

Foto: U.S. Air Force
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Luftfahrtpionier: 1953 begann Joseph Kittinger im US-Bundesstaat New Mexiko seine Karriere als Testpilot für die Air Force. Wenig später kam er zu einer Balloneinheit und musste unbemannte Forschungsballons mit einem Flugzeug begleiten. Was sich langweilig anhört, weckte sein Interesse: Denn die Ballons dienten der Weltraum-Forschung - damals waren sie die einzige Möglichkeit, an die Grenze des Alls vorzustoßen. Kittinger meldete sich freiwillig zur ersten bemannten Fahrt mit einem solchen Ballon - und stieg damit 1957 auf fast 30 Kilometer.

Foto: USAF / PD
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Rasanter Sturzflug: Mitsamt seiner Spezialausrüstung wog Joseph Kittinger etwa 160 Kilogramm. Am 16. August 1960 stieg der Amerikaner mit einem heliumgefüllten Ballon auf die Höhe von 100.000 Fuß - etwa 31.333 Meter. Von dort sprang er mit einem Fallschirm ab und durchsauste 26 Kilometer im freien Fall. 4 Minuten und 36 Sekunden dauerte der freie Fall und Kittinger erreichte dabei eine Geschwindigkeit von 988 Stundenkilometern. Manche Schätzungen gehen sogar davon aus, dass er damals die Schallmauer durchbrach.

Foto: U.S. Air Force
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Letzte Vorbereitungen: Joseph Kittinger, rechts im Bild, wartet 1959 auf dem Gelände der US-Air-Force-Basis in White Sands, New Mexico, in der offenen Ballongondel, während der Ballon mit Helium gefüllt wird. Eine Spezialkonstruktion in der Gondel regelt die Sauerstoffversorgung in großer Höhe. Das Foto entstand unmittelbar vor Kittingers erstem Testsprung aus großer Höhe: Am 16. November 1959 sprang er erfolgreich aus mehr als 23.000 Metern Höhe ab.

Foto: AP
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Testpiloten unter sich: Joseph Kittinger trägt 1957 für das "Projekt Man High I", einen Spezialanzug, der von seinem Kollegen Major David Simons, ebenfalls Testpilot, inspiziert wird. Während Kittinger wegen technischer Probleme mit der Raumkapsel im Ballon schnell wieder zur Erde zurückkehren musste, konnte David Simons wenige Wochen später für "Man High II" mehr als 24 Stunden in etwa 30 Kilometer Höhe verbringen - und wurde zum Medienstar.

Foto: U.S. Air Force
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Entspannte Flugpause: Pilot Joseph Kittinger, links, sitzt zusammen mit anderen Kadetten auf der Tragfläche einer P-51 Mustang auf dem Gelände der Las Vegas Air Force Base. Die Aufnahme stammt aus den fünfziger Jahren.

Foto: U.S. Air Force
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Kriegsheld: Joseph Kittinger wurde auch im Vietnam-Krieg eingesetzt - hier ein Foto von einer Patrouillenfahrt im Dschungel. 1972 wurde er über Hanoi abgeschossen und geriet ein Jahr lang in vietnamesische Gefangenschaft. Er wurde im berüchtigten "Hanoi Hilton"- Lager inhaftiert, in dem auch John McCain seine Haftzeit verbrachte. Kittinger erhielt während seiner militärischen Karriere mehrere Tapferkeitsmedaillen.

Foto: U.S. Air Force
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Champagnerlaune: Als erster Mensch überquerte Joseph Kittinger 1984 in einem Gasballon den Atlantik. Er flog vom US-Bundesstaat Maine nach Norditalien. Nach 5700 Kilometer und 83 Stunden in der Luft landete er allerdings wenig sanft: Böiger Wind schleuderte ihn aus der Gondel und Kittinger brach sich einen Knöchel. Dennoch hatte er noch die Kraft, den neuen Rekord mit seiner Freundin Sherry zu feiern.

Foto: Peter Turnley
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Passionierter Ballonflieger: Joseph Kittinger flog nach dem Ende seiner militärische Karriere noch etliche Wettrennen mit der "Rosie O'Grady's". Er gewann auch mehrmals den Gordon-Bennet-Cup, das berühmteste Gasballonrennen der Welt. Die Aufnahme zeigt ihn 1981 während eines Aufstiegs in Albuquerque, New Mexiko; die Fahrt endete 23 Stunden später in Kansas.

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Ehrung: Am 21. September 1984 wurde Joseph Kittinger für seine Ballonfahrt über den Atlantik im Pariser Rathaus vom stellvertretenden Bürgermeister Jacques Dominati mit einer Medaille und einer Urkunde ausgezeichnet. Kittinger wollte mit der spektakulären Aktion einen Sponsor für ein noch ambitionierteres Projekt anlocken - die Umrundung der Welt. Bis heute bedauert er, dass er dieses Abenteuer nicht realisieren konnte.

Foto: AP
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Flugnarr: Joseph Kittinger im Dezember 1999. Der pensionierte Air-Force-Pilot hat vor wenigen Tagen seinen 82. Geburtstag gefeiert - was ihn nicht davon abhält, weiter einen Ballon oder ein Flugzeug zu steuern. Seine letzte Fahrt mit einem Ballon liegt gerade einmal zwei Monate zurück.

Foto: Master Sgt. Dave Nolan / PD
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?