Geheimdienstverbrechen in der CSSR Flüchtlingsfalle an der falschen Grenze
Perfide Täuschung: Um unliebsame Bürger loszuwerden, lockte der tschechische Geheimdienst Statni Bezpecnost (StB) in den fünfziger Jahren Hunderte Tschechen in eine Falle. Ihnen wurde eine vermeintliche Flucht nach West-Deutschland angeboten oder aufgezwungen, die dann als Republikflucht geahndet wurde und im Straflager oder Gefängnis endete. Die Täuschung war ausgeklügelt: Hier interviewt ein als US-Amerikaner verkleideter StB-Agent den Tschechoslowaken Jaroslav Hakr. Das Foto diente laut einer Notiz auf der Rückseite des Bildes als Beweisstück vor Gericht.
Spätes Misstrauen: Oldrich Malac wurde nach seinem provozierten Fluchtversuch zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Dem Juristen, der während des Zweiten Weltkriegs in den USA gelebt hatte, fiel das schlechte Englisch der vermeintlichen Amerikaner in der Grenzstation sofort auf.
Auch, dass die selbsterklärten Helfer eine tschechoslowakische Schreibmaschine benutzten, stimmte den erfahrenen Geheimdienstler misstrauisch. Oldrich Malac lehnte es deswegen ab, mit den Grenzbeamten zu kooperieren - trotzdem wurde er verhaftet.
Überredungskunst: Der erfolgreiche Geschäftsmann Jan Proscvic (im Bild) und seine Ehefrau Jirina waren die ersten dokumentierten Opfer der Operation "Grenzstein". Jirina Prosvic war vehement gegen eine Flucht. Doch das Paar ließ sich von dem getarnten StB-Agenten mit dem Decknamen "Johnny" überreden und unter Druck setzen.
Flüchtlingsfallen: Auf dieser Karte sind die fingierten Grenzposten in der Nähe der Stadt Asch in Westböhmen eingezeichnet.
Parteigröße: Historiker vermuten, dass Antonin Zapotocky, eine Parteigröße der KP, in die Villa der Prosvics zog, nachdem die StB sie inhaftiert hatte. Zur Zeit der Operation "Grenzstein" gehörte Zapotocky zu den führenden Politikern der Tschechoslowakischen Kommunistischen Partei.