Familienschicksal eines BND-Spions "Wo ist denn meine Mama?"
Gute Zeiten: Anna, Hans und Gregor Weber im Badezimmer ihrer Wohnung in der Möllendorffstraße (Foto von 1965). Im selben Jahr der Aufnahme wurde der Vater als BND-Spion enttarnt - wenig später erhängte sich die von den Stasi-Verhören zermürbte Mutter.
Auf sich selbst gestellt: Hans (l.) und Gregor Weber im Oktober 1965. Nachdem ihr Vater wegen Agententätigkeit für den Westen zu lebenslanger Gefängnisstrafe verurteilt worden war und die Mutter sich umgebracht hatte, wurden die beiden Brüder zu ihren Großeltern nach Weimar gebracht.
"Privilegiertes Leben": 1954 ging der Mineraloge Albert Weber (hier mit Sohn Gregor) für den Bundesnachrichtendienst in die DDR. Er sollte unter anderem auskundschaften, von welcher Qualität das Uran war, das DDR-Arbeiter in den Stollen der Wismut abbauten. Der Vater verdiente so viel, dass die Familie ein "privilegiertes Leben" führen konnte, so Hans Weber im einestages-Interview.
Vater und Sohn: Albert Weber und sein damals fünfjähriger Sohn Gregor, vermutlich an Weihnachten 1963.
Akte geschlossen: Am 20. September 1965 wurde das Ermittlungsverfahren gegen Anna Weber eingestellt. Durch ihren Tod seien "die Voraussetzungen für die weitere Strafverfolgung weggefallen", hieß es lapidar in den Akten der Stasi-Unterlagen-Behörde, die Hans und Gregor Weber im Jahr 1997 erstmals einsahen.
...bei ihrem Großvater, einem Dozenten für Kirchenmusik, lebten Hans und Gregor vier Jahre lang, bis sie im August 1969 in die BRD ausreisen durften.
Fall Albert Weber: Im Juni 1966 wurde Albert Weber wegen "fortgesetzter schwerer Spionage" zu lebenslanger Gefängnisstrafe verurteilt. Sein Vermögen wurde eingezogen, der Doktortitel aberkannt. Zwei Jahre später kaufte die BRD den DDR-Häftling frei - laut Gregor Weber für 60.000 D-Mark.
Familienzusammenführung: Vier Jahre nach der Verhaftung ihres Vaters und dem Suizid ihrer Mutter verließen Hans und Gregor Weber die DDR. Mit der Eisenbahn ging es von Weimar über Gerstungen in die BRD. Am Bahnhof in Bebra holte Vater Albert die beiden Söhne ab. Aufgenommen im August 1969.
"Reisen in das Ausland": Am 19. August 1969 wurde dieser DDR-Kinderausweis von Gregor Weber mit einem Auslandsvisum versehen. Kurz darauf durften Hans und Gregor Weber in die BRD zu ihrem Vater ausreisen.
Mit dem BMW Richtung Westen: Von ihrem Onkel und dessen Frau wurden Gregor und Hans mit einem weißen BMW von der deutsch-deutschen Grenze bis nach Kiel gebracht.