Fan-Communities - DER SPIEGEL
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Bekannt übers Netz Fünf Erfolgsgeschichten über Fan-Communitys

Wir haben fünf Erfolgsgeschichten zusammengetragen, die ohne aktive Unterstützung von Fans aus dem Internet kaum denkbar gewesen wären - und die Fans zu ihrer Leidenschaft befragt.
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1. "Doctor Who"

Seit 1963 reist der Doctor mit der TARDIS, einer Zeitmaschine, durch Raum und Geschichte. 1989 fand die Serie, die von der britischen BBC produziert wird, ein erstes Ende. 2005 jedoch begann eine Neuauflage. Das Besondere an der Serie ist, dass sie immer wieder neu gestartet wird.

Jeder Doctor ist nur für eine bestimmte Zeit Protagonist der Serie - bis er abgelöst wird und alles bei Null beginnt. Im Bild zu sehen ist David Tennant als Doctor, gemeinsam mit Schauspielerin Michelle Ryan. Bald wird Doctor Nr. 14 über die Bildschirme flimmern - erstmals gespielt von einer Frau, Jodie Whittaker.

Foto: HO / REUTERS
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Getragen wird die Serie seit der Neuauflage von einer riesigen Online-Community. In dieser werden Theorien gesponnen, die kleinsten Details auseinandergenommen. Es entstehen Fanfiction, Cosplay-Anleitungen oder Besprechungsvideos.

Einer davon ist Fabian, 31 Jahre, Theaterwissenschaftler. Er ist seit 2007 Fan der Serie. Auch ist er Mitglied des Whocast , einem deutschen Podcast zu "Doctor Who". "Ich bin damals recht schnell auf den Podcast gestoßen. Das Fandom war zu der Zeit in Deutschland noch nicht besonders groß." Daher habe er sich kurz darauf selbst auf der Podcast-Couch wiedergefunden. "Durch den Kontakt zu anderen Fans habe ich mich noch eingehender mit der Serie beschäftigt", so Fabian.

Im Bild zu sehen ist Karen Gillan in ihrer Rolle als Amy Pond.

Foto: ddp images/ Target Press
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Viele dieser Online-Fans habe er inzwischen auch auf der Timelash kennengelernt, einer Fan-Convention in Deutschland. Hier werden die Fan-Theorien besprochen, die online entwickelt wurden. Die Cosplay-Ideen werden Wirklichkeit. Und das alles trägt sich durch Bilder und Videos zurück ins Internet. "Doctor Who" ist schon lange viel mehr als Fernsehen.

Foto: ddp images/ Target Press
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2. "Minecraft"

Für den PC ist "Minecraft" 2009 erschienen. Seither ist das Spiel auch auf fast jeder anderen Plattform gelandet, zuletzt auf Nintendo Switch. Die Spieler starten hier in zufallsgenerierten Welten. Diese erkunden sie, bauen Rohstoffe ab, bauen Gärten, Häuser, ganze architektonische Komplexe. Das Spiel ist äußerst erfolgreich, das Studio dahinter, Mojang, wurde 2014 für 1,9 Milliarden Euro von Microsoft aufgekauft.

"Minecraft" lebt sowohl vom Erfindungstrieb der Spieler. Sie bauen etwa Metropolen wie Chicago oder Berlin nach. Doch es lebt auch davon, dass die Fans ihre Errungenschaften untereinander tauschen. Sie stecken viel Zeit und Energie in dieses Spiel, um der Community unendlich viele zu erkundende Spielplätze zu bieten.

Foto: Mojang
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So auch Benjamin, 22 Jahre, Koch. "Ich spiele 'Minecraft' seit über sieben Jahren. Habe bestimmt schon 3000 Stunden in das Spiel gesteckt". Auch sei er in vielen Facebook-Gruppen unterwegs, wo er seine Karten, Bilder und Videos  teilt. "Hier hole ich mir Kritik von anderen Spielern, erfahre ihre Sicht auf meine Kreationen." An seiner größten Karte habe er mit einem Team online über mehrere Monate gearbeitet. "Wir achten dabei auf jedes Detail, damit das Projekt später in allen Spielern einen Drang zum Entdecken weckt." Dafür versuche er und sein Team auch, einen eigenen Stil zu finden, damit sich seine Karten von denen anderer Spieler unterscheiden. "'Minecraft' ist ein Spiel, das man nicht alleine spielt, sondern in einer Gemeinschaft - und für sie."

Foto: Mojang
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3. Tori Amos

Tori Amos ist bereits seit 1992, als ihr Album "Little Earthquakes" erschien, international bekannt. 1999 veröffentlichte sie als erste Künstlerin eine Single als digitaler Download. Ein Grund für ihre 25-jährige Karriere ist eine Community, die seit den Anfängen des Internets dabei ist. In Internetforen besprechen Fans ihre Alben und Konzerte. Bootlegs, also fan-gemachte Konzertaufnahmen, werden dort ebenso getauscht wie Erfahrungen von Meet and Greets - Treffen von Tori Amos mit Fans. Amos kann auf eine Fangemeinde zählen, die organisch mit dem Internet gewachsen ist.

Foto: imago/ ZUMA Press
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"Ich erinnere mich noch gut daran, als ich 1998 zum ersten Mal die offizielle Seite von Tori Amos besuchte", sagt Jenny, 36 Jahre, Grafikdesignerin. Bald habe sie dann angefangen, eigene Wallpaper oder Winamp-Designs zu erstellen und mit anderen Fans zu tauschen. "Das Internet und Tori Amos haben damals viele Menschen zusammengeführt. Zu einer Zeit, in der es nicht cool war, so gefühlige Musik zu hören."

Auch heute noch ist die Online-Community aktiv. Fans gehen zusammen auf die Suche nach günstigen Hotels und den besten Tickets. Die Setlist wird noch während des Konzerts getwittert. Denn Tori Amos ändert ihre Setlist von Abend zu Abend. Fans besuchen daher oft mehr als nur ein Konzert. Während der letzten Tour waren viele Konzerte via Livestream mitzuerleben - weil Fans auf ihren Smartphones per App streamten. Diese Streams haben auch Menschen geschaut, die Tori Amos bisher nicht kannten - bisher.

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So entstehen immer neue Inhalte, die über die eigentliche Serie hinausgehen. Im Subreddit  wird jede Social-Media-Aktivität der Drag Queens analysiert. Viele Queens sind hier sogar selbst aktiv.

"Es gibt ein junges, passioniertes Publikum, das immer mehr Videos zu Drag Race sucht", weiß Andrew, 29, Filmproduzent. Zusammen mit einer weiteren Person bespricht er einzelne Folgen von "Drag Race" auf YouTube . Der häufigste Kommentar sei, dass sich ihre Videos anfühlten, als würde man "Drag Race" mit Freunden schauen. Vornehmlich aus der LGBTIQ-Community stammend, sei dies für viele Zuschauer ein schönes Gefühl.

Im Bild zu sehen sind Mitglieder einer Aktivistengruppe auf der "DragCon" in Los Angeles, einer Veranstaltung in Zusammenhang mit der US-Serie.

Foto: David Mcnew / AFP
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5. "Dark Souls"

2009 erschien "Demon's Souls" für die PlayStation 3. Es ist ein herausforderndes Action-Rollenspiel, das seither mehrere Nachfolger hervorgebracht hat. Das Entwicklerstudio From Software wurde vor allem bekannt durch die "Dark Souls"-Reihe, die auf dem Fan-Erfolg von "Demon's Souls" aufbaute.

Ebenso ist seither exklusiv für die PlayStation 4 der Ableger "Bloodborne" erschienen. Die Serie ist berüchtigt für den hohen Schwierigkeitsgrad. Dieser dient vielen Fans als Distinktionsmerkmal gegenüber Gelegenheitsspielern, besonders online. Geradezu eine Mystifizierung hat der Schwierigkeitsgrad durch die Fans erhalten: Nur wer diese Spiele wirklich spielt, mit aller Aufmerksamkeit, kann sie besiegen. Und durch diese Mystifizierung der Spieler ist "Dark Souls" vielen überhaupt erst ein Begriff.

Foto: Bandai Namco
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So steht die "Dark Souls"-Reihe meist in einem Diskurs, der durch Meme bestimmt wird, die von Fans kreiert wurden. Besonders das "git gud"-Mem wird in verschiedenen Foren immer wieder in Bezug auf "Dark Souls" gebracht. Eine beabsichtigte Falsch-Schreibung von "get good". Denn das ist der häufigste Ratschlag, wenn Spieler sich ob des hohen Schwierigkeitsgrads beschweren: Werde besser!

Auch Jan, 23 Jahre, war zunächst überfordert. "Trotzdem konnte ich mich nicht davon losreißen", sagt er. Mehrere Tausend Stunden habe er schon in den Welten von "Dark Souls" verbracht. "Die Online-Communities wirken oft wütend. Aber im Spiel findet man Gleichgesinnte, mit denen man sich durch die Gegner schlägt, egal was kommt."

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?