Streamline-Design Auf Linie gebracht
Schienenzeppelin in Berlin, Juni 1931: Ein Flugzeugpropeller am Heck verlieh dem 1929 von Franz Kruckenberg entwickelten Eisenbahntriebwagen den nötigen Vortrieb. Das Gefährt hielt mit 230,2 km/h zwar 24 Jahre einen Geschwindigkeitsrekord, hatte ansonsten aber viele Nachteile: Es konnte weder Waggons ziehen noch rückwärts fahren, zum Rangieren war ein Hilfsmotor nötig. Das Projekt kam nie über das Versuchsstadium hinaus.
Der Schnelltriebwagen DR 877 bei einer Versuchsfahrt 1932 oder 1933 am Bahnhof in Ulm. Weil er ab 1933 die Strecke zwischen Berlin und Hamburg zur weltweit schnellsten Zugverbindung machte, erhielt er den Spitznamen "Fliegender Hamburger". Neu an dem Triebzug waren neben seiner Stromlinienform, die in einem Windkanal entwickelt wurde, die Leichtbauweise und sein dieselelektrischer Antrieb.
Das Luftschiff LZ 129 "Hindenburg" aus dem Hause Zeppelin gilt als das erfolgreichste Verkehrsluftschiff seiner Ära. Bis zu seiner Stilllegung legte das Starrluftschiff fast 1,7 Millionen Kilometer zurück, darunter war auch eine Weltumrundung. Die Ausstattung an Bord war äußerst luxuriös und stammte von renommierten Architekten und Designern.
Der Peugeot 402 Darl-Mat wurde 1936 von dem rennsportbegeisterten Vertragshändler Emile Darl'mat für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans entworfen. Die ersten Modelle basierten auf dem Chassis des Peugeot 302, ab 1938 bildete der Peugeot 402 die Grundlage. Das Design stammt von George Paulin, einem ehemaligen Zahntechniker, und wurde von Marcel Pourout umgesetzt. Was dem Vierzylindermotor an Leistung fehlte, machte der geringe Luftwiderstand wett: 1938 wurde der 402 Darl'mat Fünfter in der Gesamtwertung und Sieger seiner Klasse in Le Mans. Insgesamt wurden rund hundert Fahrzeuge produziert, nur 20 davon als Coupé.
Der 1936 bis 1937 von Horch in Zwickau gebaute Auto Union Typ C war eine Meisterleistung von Ferdinand Porsche. Der hinter dem Fahrer angeordnete 16-Zylinder-Motor beschleunigte den Grand-Prix-Rennwagen in der Spitze auf 340 km/h. Das machte ihn zum erfolgreichsten deutschen Rennwagen 1936.
Vom Wanderer W 25 Stromlinienspezial wurden nur drei Exemplare produziert. 1938 und 1939 beteiligte sich die Auto Union mit diesen Sportwagen an der Fernfahrt Lüttich-Rom-Lüttich. Im zweiten Jahr reichte es für den Mannschaftspreis. Die sechs Zylinder in Reihe leisteten 70 PS, die für eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h reichten.
Die Adler Super Trumpf startete 1937 und 1938 bei den 24 Stunden von Le Mans. Die Stromlinienlimousine ist deshalb auch als Adler Le Mans bekannt. Im ersten Jahr seiner Teilnahme wurde der Adler Sieger in der Klasse bis 2000 ccm. Heute sind nur noch wenige Exemplare erhalten.
Die Rennfahrerlegende Ernst Henne auf einer BMW im Windkanal der Luftschiffbau Zeppelin GmbH in Friedrichshafen. Von 1929 bis 1937 stellte Henne insgesamt 76 Geschwindigkeitsweltrekorde auf, meist auf Motorrädern von BMW. Auch auf vier Rädern war der "Schnelle Henne" erfolgreich unterwegs, zunächst für Mercedes, später in Autos von BMW.
Eric Fernihough auf einem Motorrad des britischen Herstellers Brough Superior. 1936 stellte er auf einer dieser Maschinen einen Weltrekord über die fliegende Meile für Solo-Motorräder auf. Im Alter von 35 Jahren verunglückte der Rennfahrer tödlich bei einem weiteren Weltrekordversuch.
"Delphin III" tauften die NSU-Konstrukteure dieses Rekordmotorrad, mit dem der Rennfahrer Wilhelm Herz 1956 in den USA den absoluten Geschwindigkeitsrekord für Mototrräder verbesserte. Mit sagenhaften 339,4 km/h raste Herz damals über die Bonneville Salt Flats. Dafür mussten die Ingenieure den Radstand der Maschine verlängern, von der Heckflosse bis zur Spitze misst die Delphin III 3,70 Meter. Herz, in seiner Karriere dreimal "schnellster Mann der Welt", lag förmlich auf der Maschine.
Unter dieser Verkleidung verbirgt sich eine NSU Rennfox, die mit 18 PS bis auf 175 km/h beschleunigte. Die Verkleidung mit hoher Windschutzscheibe brachte dem Zweirad den Spitznamen Blauwal ein. Mit der Blauwal-Verkleidung war die Rennfox 1954 die schnellste Achtellitermaschine der Welt.
Nicht nur Automobildesigner waren von der Stromlinienform begeistert, wie dieser Allesschneider aus den Fünfzigerjahren beweist. Entwickelt wurde er vom nordrhein-westfälischen Hersteller Zassenhaus. Bis heute verkauft die Firma die Geräte im Retro-Look.
Der Brot- und Brötchenröster Typ 581 von Maybaum ist ein Klassiker aus den Fünfzigerjahren. Aufgrund seiner eleganten runden Form erzielt er bis heute hohe Preise bei Ebay. Das Kunststoffsockel des Toasters gab es in verschiedenen Farben. Besonders im Vergleich zum kantigen Vorgängermodell wirkt das Design wie ein Quantensprung.
Stromlinienförmig meint im Allgemeinen tropfenförmige Konturen. Vorlagen fanden sich häufig in der Natur, zum Beispiel in Regentropfen, denen diese Schale nachempfunden ist.
Die Stromlinienform galt als Metapher für Modernität, sie verhieß eine fortschrittlichere, vermeintlich bessere Zukunft. Die im Tierreich abgeschaute Formensprache wurde sogar für Butterschalen verwendet.
Vor allem in den USA der Dreißiger- bis Fünfzigerjahre war die Begeisterung für die Stromlinienform groß. Selbst Mausefallen waren "streamlined".
Dieser Zigarrenabschneider würde sich auch als Kühlerfigur eines stromlinienförmigen Autos gut machen.
Ein geringer Strömungswiderstand macht bei einem Feuerzeug zwar wenig Sinn, sieht aber nicht schlecht aus.
Die klassische turbinenähnliche Form verschönerte sogar Bleistiftanspitzer. Für die Designer ging es dabei aber weniger um Luftwiderstand, sondern um die "Überwindung des Verkaufswiderstands", wie der amerikanische Kulturhistoriker Jeffrey L. Meikle schreibt.
"Hässlichkeit verkauft sich schlecht", war das Credo des Industriedesigners Raymond Loewy, der sich damit einen Namen machte, dass er nicht nur Lokomotiven und Automobile auf Linie brachte, sondern auch Haushaltsgegenstände - so wie Ventilator "Libelle" im Streamline-Design der Fünfzigerjahre.
Die Ausstellung "Strom-Linien-Form - Eine Idee prägt Menschen und Maschinen" ist noch bis zum 17. April 2017 im Zeppelin Museum in Friedrichshafen zu sehen. Neben rund 20 Fahrzeugen werden viele Modelle und Alltagsgegenstände ausgestellt, die zeigen, wie das Ideal der Stromlinienform ab den Zwanzigerjahren nicht nur die Ingenieurskunst, sondern auch das Design veränderte.