Nach 5:0-Sieg über BVB FC Bayern in der Einzelkritik
Manuel Neuer, Tor: Nach Verletzungspause feierte der Kapitän sein Comeback und erlebte einen erstaunlich geruhsamen Abend. So wenig gefordert wie am Samstagabend im Topspiel war er die ganze Saison nicht. Ein harmloser Weitschuss von Lukas Piszczek nach 25 Minuten, den er sicher festhielt - mehr gab es nicht zu halten für ihn.
Joshua Kimmich, Abwehr: Eine kleine Unsicherheit zeigte der Rechtsverteidiger, als nach sechs Minuten Marco Reus über seine Seite durchbrach und eine gefährliche Flanke nach innen schlug, die Mahmoud Dahoud nur an den Außenpfosten setzte. Ansonsten spielte er eine souveräne Partie, gerade gegen Jadon Sancho und Jacob Bruun Larsen ließ er wenig zu. Schaltete sich immer wieder ins Offensivspiel ein und bildet mit Serge Gnabry vor ihm ein harmonisches Duo.
Niklas Süle, Abwehr: Nicht ganz so auffällig wie Nebenmann Mats Hummels, aber doch solide und weitgehend fehlerlos. Zwischendrin mal mit Ungenauigkeiten im Spielaufbau bei weiten Bällen nach vorne und glücklos bei zwei Distanzschüssen. Defensiv aber stellte er unter Beweis, warum er und nicht mehr Jérôme Boateng in der zentralen Abwehr als Stammkraft gesetzt ist.
Mats Hummels, Abwehr: Neben dem überragenden Auftritt beim 0:0 in Liverpool mit das beste Spiel des Innenverteidigers in dieser Saison. Nicht nur, weil er nach zehn Minuten per Kopf nach einer Thiago-Ecke das wichtige 1:0 erzielte, sein erstes Saisontor übrigens. Glänzte auch in der Defensive, in dieser Form fast ein Kandidat für die Nationalmannschaft. Ob ihn Jogi Löw schon auf dem Zettel hat?
David Alaba, Abwehr: Wie Manuel Neuer wurde auch der Linksverteidiger, den zuletzt Oberschenkelprobleme plagten, rechtzeitig wieder fit fürs Spitzenspiel. Eine gute Partie des Österreichers, verstand sich mit Kingsley Coman und später auch mit seinem alten Kumpel Franck Ribéry bestens. Wirklich bedeutende Akzente für die Offensive setzte er aber nicht, einen seiner sonst gefürchteten Freistöße schoss er weit übers Tor. Originell sein Duett mit Torschütze Serge Gnabry nach dem 4:0, als er bei dessen obligatem Rührschüssel-Jubel an einer imaginären Pfeffermühle schraubte und nachwürzte.
Thomas Müller, Mittelfeld (bis 80. Minute): Der ausgemusterte Nationalspieler ersetzte den gegen Heidenheim so enttäuschenden James und zeigte gegen den BVB einmal mehr, dass er zentral hinter der Spitze spielen muss, um zu Höchstform aufzulaufen. Scheiterte nach einem herrlichen Freistoßtrick an Torwart Roman Bürki, was verschmerzbar war, da Javi Martínez in der nächsten Aktion das dritte Tor schoss. Müller bereitete auch den vierten Treffer durch Serge Gnabry vor.
Renato Sanches (ab 80. Minute): Der unzufriedene Portugiese, der zuletzt wieder darüber klagte, dass er von Niko Kovac nicht mehr berücksichtigt wurde, kam in den letzten Minuten noch für Thomas Müller. Seine Dauerreservistenrolle rechtfertigte er dabei mit Nachdruck. Übereifrig mit einigen Stockfehlern, weit davon entfernt, sich so mal wieder für eine Startelf zu empfehlen.
Javi Martínez, Mittelfeld (bis 77.): Als der Spanier nach 77 Minuten vom Feld ging, gab es stehende Ovationen. Und das mit Recht. Der unverwüstliche Sechser zeigte, dass auf ihn als Mann für die besonderen Spiele immer noch Verlass ist. Wie beim Hinspiel in der Champions League in Liverpool zermürbte er nicht nur als kompromissloser Abräumer die Gegenspieler in ihrem Offensivdrang, sondern überragte auch im Aufbauspiel. Belohnte sich mit dem Treffer zum 3:0, bereits sein vierter Saisontreffer.
Leon Goretzka (ab 77.): Ersetzte eine knappe Viertelstunde vor Schluss Javi Martínez, viel glückte dem Ex-Schalker aber nicht mehr.
Thiago, Mittelfeld: Gegen Heidenheim war er noch ein Totalausfall, gegen Dortmund steigerte er sich wieder in einen Rausch. Zwei Spiele, in denen er sinnbildlich für seine gesamte Karriere mit viel zu wechselhaften Leistungen einem Gruselkick wieder eine Gala folgen lässt. Sein Eckball auf den Kopf von Mats Hummels führte zum 1:0, auch sonst lenkte er das Spiel der Bayern mit viel Übersicht aus dem Mittelfeld.
Serge Gnabry, Angriff: Das Spiel begann etwas zäh für ihn, er steigerte sich aber im Verlauf der ersten Hälfte enorm. Schoss das 4:0 kurz vor der Pause, bereitete in der vorletzten Spielminute zudem noch den Treffer zum 5:0-Endstand vor. Längst mehr als nur Notfallersatz für den langzeitverletzten Arjen Robben, dem droht, seine Karriere ohne einen weiteren Einsatz in München beenden zu müssen.
Robert Lewandowski, Angriff: Ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub knackte er die Schallmauer von 200 Bundesliga-Toren. Nach dem entsetzlichen Schnitzer von Dan-Axel Zagadou lupfte er den Ball über Roman Bürki und schoss artistisch im Fallen das 2:0. Mühelos dafür Treffer Nummer 201, als er kurz vor Schluss eine Hereingabe von Gnabry ins leere Tor schoss.
Kingsley Coman, Angriff (bis 68.): Spielte die Dortmunder Abwehr um Rechtsverteidiger Lukas Pisczek mit seinen schnellen Antritten schwindlig. Ging nach Zweikämpfen immer wieder zu Boden, was bei dem Verletzungspech des fragilen Franzosen immer zu großer Sorge beim Bayern-Anhang führte. Hat sich auf der linken Angriffsseite längst als erste Wahl etabliert.
Franck Ribéry (ab 68.): Immer noch der Publikumsliebling, aber eben auch deutlich in die Jahre gekommen. Nach 68 Minuten ersetzte er Kingsley Coman, konnte sich aber auf der linken Seite gegen seine Widersacher kaum durchsetzen. Wird am Sonntag 36 und im Sommer wohl seine Karriere beenden, und das sollte er auch. Täte sich mit einem weiteren Jahr keinen Gefallen mehr.